Exorzismusfilme und ihre vielfach identischen Abläufe haben in den vergangenen Jahrzehnten oftmals zur Sättigung des Publikums beigetragen. Da könnte eine südkoreanische Sicht auf die Dinge eigentlich Abhilfe leisten.
Der junge Hee-Joon scheint besessen. Die Nonne Junia hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihm die Dämonen auszutreiben, doch sie gehört keiner Konfession an. Mithilfe der Krankenschwester Michaela suchen sie Unterstützung bei hiesigen Schamanen, doch die Zeit drängt…
Tatsächlich bezeichnen sich mehr als die Hälfte der Südkoreaner als religionslos, erst dann folgen rund 30% evangelische Christen und es gibt überraschend wenige Buddhisten und Schamanen. Folgerichtig lässt sich ein Exorzismus auf offiziellem Wege nur schwer durchführen, er muss zumindest von höchster Stelle abgesegnet werden, während Junia natürlich auf Widerstände stößt.
Ein durchaus interessanter Punkt in Sachen Kompetenzgerangel, doch genau der nimmt deutlich zuviel Zeit in Anspruch, zumal die Handlung nicht selten unwichtige Szenen beimengt, weshalb der Stoff über weite Teile recht fahrig anmutet.
Zwar gibt es zwischenzeitliche Bedenken hinsichtlich der Grundfrage, ab wann ein Mensch überhaupt als besessen einzustufen ist und wie weit „Behandelnde“ überhaupt gehen dürfen, doch lange Zeit will kein ordentlicher Erzählfluss entstehen.
Dass Regisseur Kwon Hyeok-jae dennoch ein solides Handwerk beherrscht, offenbart sich gegen Finale, als das Tempo zumindest passagenweise gesteigert wird, auch mal mehr als nur eine Handvoll Figuren involviert sind und die wenigen Effekte wohl dosiert eingestreut werden. Fast könnte man meinen, dass der Dämon Teil eines größeren Bollwerks sein könnte, denn auch der labert sich partiell etwas zu ausgiebig in Rage.
Die deutlich zu üppige Laufzeit von 114 Minuten und die holprige Erzählweise lassen viel zu selten Spannung aufkommen und obgleich inhaltliche Innovationen auszumachen sind, fehlt es an der Konzentration aufs Wesentliche.
5,5 von 10