Review

Monotone Muskelmasse

„The Smashing Machine“ sollte The Rocks großer Ausbruch ins „seriöse“ Schauspielfach werden und vielleicht sogar ein Törchen zum Oscar öffnen. Das ist nach dem Misserfolg dieses Werks nun mehr als fraglich. Doch ja, für seine Verhältnisse und seine bisher gezeigte „Bandbreite“ macht er das hier auch stark. Nur leider macht das noch nicht automatisch einen guten Film, wenn er in die Rolle von Mark Kerr schlüpft, der eine entscheidende und etwas tragische Figur in der Frühphase des MMA-Sports Ende der Neunziger war - zwischen Obsession, seelischem Zwiespalt und inneren wie äußeren Kämpfen… 

Can you see how The Rock is looking?!

The Rock war nie besser (auch wenn er sich etwas zu oft beim Heulen die Hände vor's Gesicht hält), die Make-Up-Abteilung liefert ganze Arbeit und der körnige, filmische (90s-)Look sagt mir zu. Außerdem ist Emily Blunt immer sehenswert (und Last wie Hilfe für The Rock in einem) und der experimentell-hektische Score als Verkörperung von Kerrs inneren Kämpfen und zerrenden Gegensätzen liefert sich einen zumindest interessanten Schlagabtauch mit einigen sehr entschleunigten, sensiblen Rocknummern auf dem Soundtrack. Ein mutiges Charakterportröt des Understatements, wenn man es denn schön verpacken wollen würde. Nur ist all das aber nur Staffage und solide B-Note, wenn der Rest des Films mich dermaßen kalt lässt wie es „The Smashing Machine“ leider tut. Erst recht im Vergleich zu sowas wie „The Iron Claw“. Selten habe ich einen Biopicausschnitt derart daherplätschern und mäandern gesehen und gefühlt. Die Fights haben keinen Drive (im Gegensatz zum z.B. zehnfach intensiveren „Warrior“), die Handlung setzt kaum Akzente, es werden fragwürdig prominent Nebenfiguren zu lange beleuchtet, der geschichtliche wie thematische (!) Fokus fehlt eher und obendrauf sind die Figuren oft noch frustrierend nervig. Letzteres ist Teil des Konzepts und der „DNA Safdie“. Und trotzdem fühlen sich diese zwei Stunden insgesamt erschreckend lang, trocken, ermüdend und leer an. Benny Safdie findet nie das Herz und die Traktion der Geschichte und des Menschen Kerr. Trotz netter Ansätze zwischen Süchten, Selbstzweifeln und körperlicher Stärke. Am Ende ist man genauso schlau oder dumm oder ratlos wie zuvor. Und das ist nie ein gutes Zeichen. Höchstens wenn dein Subjekt Prince oder David Bowie heißt. 

Nur für hartgesottenere UFC-Fans?

Fazit: The Rock traut sich endlich mal etwas und liefert die bisher beste, intensivste und kaputteste Rolle seiner Filmkarriere. Nur heißt das bei ihm nicht allzu viel. Trotzdem respektiere bis feiere ich ihn und seine Entscheidung hier! Leider hätte er einen wesentlich besseren Film verdient gehabt. Benny scheint nicht der talentiertere Safdie auf dem Regiestuhl zu sein, um es noch vorsichtig auszudrücken. Und „The Smashing Machine“ ist eines der neutralsten, nichtssagenderen und nüchternsten „Biopics“, das ich seit langem gesehen habe… Schade! 

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