Review

Zwischen Planung und Täuschung

Neun Jahre. In der heutigen Blockbuster-Ökonomie ist das eine halbe Ewigkeit – eine Zeitspanne, in der ganze Franchises geboren, ausgeschlachtet und wieder begraben werden. Umso erstaunlicher ist es, dass „Die Unfassbaren 3 – Now You See Me“ nach dieser langen Funkstille wieder auf der Bildfläche erscheint, fast so, als hätte jemand den Film selbst aus einem gut versteckten Tresor hervorgezaubert. Mit Ruben Fleischer am Regiepult übernimmt nun ein Filmemacher, der sich mit Tempo, ironischer Distanz und popkultureller Schlagfertigkeit bestens auskennt. Die große Frage: Ist das noch Magie – oder schon nur geschickte Illusion? Die kurze Antwort: ein bisschen von beidem. Die lange Antwort entfaltet sich in einem Film, der weiß, was er kann, was er will – und was er besser gar nicht erst versucht.

Die Handlung setzt einige Jahre nach den Ereignissen des zweiten Teils ein und wirft uns ohne große Umschweife wieder mitten hinein ins illusionistische Treiben der Horsemen. Das Drehbuch versteht etwas sehr Wichtiges: Stillstand ist der Tod dieser Reihe. Also ist die Geschichte konstant in Bewegung, fast atemlos, mit einem Plot, der sich wie ein Kartenfächer immer wieder neu ordnet. Große Fragen nach Logik oder Realismus werden dabei bewusst ignoriert – „Now You See Me“ war nie ein Franchise für Pedanten, sondern immer eines für Menschen, die sich gern verführen lassen. Besonders hervorzuheben sind die zwei zentralen Heists: der Diamantenraub, elegant eingeführt und mit präziser Rhythmik aufgebaut, sowie das große Finale, das noch einmal alle Register zieht – visuell, narrativ und emotional. Dazwischen gibt es immer wieder kurze, knackige Zaubereinlagen, kleine dramaturgische Bonbons, die das Tempo hochhalten und dem Film jene verspielte Leichtigkeit verleihen, die sein Markenzeichen ist. Dazu kommen Wortwitz, kleine ironische Spitzen und selbstreferenzielle Momente die das Geschehen auflockern, ohne jemals penetrant zu wirken.

Atmosphärisch bewegt sich Teil 3 auf vertrautem Terrain, wirkt aber frischer, als man es nach neun Jahren Pause erwarten würde. Die Welt von „Die Unfassbaren“ ist weiterhin eine leicht überhöhte Realität, irgendwo zwischen Heist-Movie, Magier-Fantasy und augenzwinkerndem Action-Kino. Fleischer lässt Neonlichter, urbane Kulissen und elegante Innenräume gegeneinander antreten, immer begleitet von einem Score, der subtil antreibt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Der Film fühlt sich an wie ein gut geschüttelter Cocktail: ein wenig Nostalgie, ein Schuss Moderne, dazu ein Hauch Selbstironie. Besonders wohltuend ist, dass der Film nie versucht, sich künstlich „ernster“ zu geben, als er ist.

Der Cast ist durch die Bank erstklassig. Die Horsemen wirken eingespielt, beinahe familiär in ihrer Dynamik. Die Chemie innerhalb der Gruppe ist spürbar, ein Zusammenspiel aus Rivalität, Loyalität und routiniertem Schlagabtausch. Besonders erfreulich: Isla Fisher ist wieder mit an Bord und bringt jene unberechenbare Energie zurück, die dem zweiten Teil stellenweise gefehlt hat. Neu hinzu kommt ein Trio junger Darsteller (Ariana Greenblatt, Dominic Sessa und Justice Smith), klar positioniert als Brücke zur aktuellen Generation. Und tatsächlich: Die drei Neulinge fügen sich überraschend organisch ins Geschehen ein. Sie wirken nicht wie angeklebte Marketing-Accessoires, sondern wie logisch integrierte Erweiterungen des Ensembles. Als Antagonistin überzeugt Rosamund Pike mit kühler Präsenz und intellektueller Schärfe.

Fazit

„Die Unfassbaren 3 – Now You See Me“ ist kein großer Wurf, der das Action- oder Heist-Genre neu definiert. Aber das will er auch gar nicht sein. Stattdessen liefert der Film genau das, was er verspricht: kurzweilige, clever inszenierte Unterhaltung mit Charme, Tempo und einer ordentlichen Portion Magie. Nach neun Jahren Pause gelingt dem Franchise ein respektables Comeback, das alte Fans abholt und neuen Zuschauern einen gut zugänglichen Einstieg bietet. Dank starker Ensembleleistung, einer überzeugenden Antagonistin, sauber choreografierter Heists und einer Inszenierung, die ihre Grenzen kennt, bleibt am Ende ein rundes Gesamtbild.


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