Review

"Im Jahre Null vor Trump, den letzten Metern der Ungewissheit quasi und der hieraus ernährenden Furcht, ging es nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika emotional, politisch, gesellschaftlich und sozial hoch her, ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten aber gerade 2015 schon und 2016 erst recht auch wie so oft im Mittelpunkt des Interesses, des Weltgeschehens quasi gewesen. Eine tiefe Zerspaltung der einstmals hoch Gerühmten Nation, in der die Bevölkerung im Ernstfall der gemeinsamen Bedrohung zwar immer noch für den Moment zusammenzuhalten schien, aber die Form der Bedrohung mittlerweile anders gesehen, die Werte anders gemessen werden und die Ziele grundverschieden sind. Die eine Hälfte will dies und die andere das Gegenteil, wobei anfangs übriggeblieben auf der Strecke die sogenannten 'alten, weißen Männer' schienen, die die Globalisation verschlafen haben und aus dem Tal des Jammerns nicht mehr herausgekommen sind."

~ Einleitung zu AmeriGeddon (2016)

"Geschicktes Marketing hat den Samen verteilt und Mund-zu-Mund-Propaganda sich um das Aufblühen gekümmert, den Rest hat die Kontroversen um den Film erreicht, einer der Blockbuster des Sommers, aus dem Nichts heraus, vergleichsweise minimal finanziert, aber mit groß aufgehender Ernte gerade in den USA sowie weiterführend noch Kinobuchungen dann im Rest der Welt. Aus dem mittelpreisigen Thrillerdrama, gespeist aus auch christlichen, aber vor allem aufklärerischen Überzeugungen der Aufreger der Zeit geworden, Umstände und Herkünfte und Ansprechpartner sowie die Rezeption selber wurden untersucht, der eigentliche Autor und Regisseur des Ganzen hatte ursprünglich eine andere Intention, er wurde von dem Andrang und dem Erfolg und vor allem der trumpistisch-verschwörungstheoretisch-rechtsextremistischen Interpretation eher überrannt."

~ Einleitung zu Sound of Freedom (2023)

Religiös angehauchte, christlich gesinnte, göttlich gestimmte, sogenannte 'Faith-based' Filme hatten schon immer einen gewissen Stand im neuen amerikanischen Kino, nicht erst seit Sound of Freedom, vorher schon als Spezialität in das Programm genommen, teilweise Neustarts von Serienstaffeln (von The Chosen, ab 2019) oder wie hier geschehen als Pilotfilm (zeitgleich veröffentlicht zu zwei exklusiv zu streamenden Episoden) zu sehen; die Klientel dafür vorhanden, das entsprechende Publikum. Versorgt wird es hier mit einer Art Amerigeddon ("A fictional depiction of a future wherein a globalist terrorist organization aligned with the United Nations to disable the United States' power grid and institutes Martial Law. It will take a dedicated family of patriots armed with strong survival skills and the remains of the Second Amendment to save America and reclaim its freedom.), zusätzlich mit The Shift (2023) Star Neal McDonough besetzt, alles zufriedenstellend demnach, alles auf das richtige Pferd gesetzt:

Eine nukleare Bombe explodiert mit Absicht vor der Küste von Los Angeles. Familen wie Elvie McNulty [ Susan Misner ], instruiert von ihrem Ehemann Tick [ Kevin Lawson ], und ihre Kinder Molly [ Grace Powell ] und Theo [ Caden Dragomer ], sowie Jeff Eriksson [ Bailey Chase ], ein ehemaliger Green Beret samt Frau Tara [ Kearran Giovanni ] und Sohn Abe [ Tyler Lofton ] verlassen eilig das Gebiet und begeben sich auf den Weg zum sogenannten 'Homestead', einem in den Bergen befestigten Gelände, welches dem Milliarär Ian Ross [ Neal McDonough ] und seiner Frau Jenna [ Dawn Olivieri ] sowie ihrer Tochter Claire [ Olivia Sanabia ] gehört. Die Ankunft scheint die Rettung zu sein, alles versammeln sich immer mehr Menschen vor dem Areal, außerdem gilt es von außen und von innen Konflikte zu beseitigen.

Two Weeks Ago Santa Catalina Island, California Near Avalon Bay After four months of living with a nuclear bomb in the hold of their sailboat, even the Koran’s promise of seventy-two bare-breasted virgins wore a little thin. When they left the Sulu Archipelago of the Philippines, dying in an atomic flash sounded like a small price to pay for even one virgin, much less six dozen. Now, with the end near at hand, the unspoken truth between the two Filipino villagers was that neither of them felt particularly eager to die. They decided to wait for a sign from Allah before completing the last twenty-six miles of the voyage to America. The two villagers, far from home, anchored on the east side of Catalina Island, just a handful of hours from the bustling coast of Los Angeles, California.“

Ein Anspielen von Treu und Glauben, ein Setzen von Hoffnung, ein Zeigen der Vorbereitung und wo man die Loyalität zu suchen und zu finden hat, im Gottvertrauen, im Nationalstolz, im Patriotismus, in der christlichen Nächstenliebe, im Preppertum. "This film has been approved by the Angel Guild", die Angels Studios dahinter stehend, dazu noch ein paar No-Name Firmen, die wahrscheinlich nur Mike Norris kennt und Rene Perez, jedenfalls gut aufgestellt, man hat zuletzt auch gut gescheffelt. Werbespotaufnahmen in der Einleitung, die McDonough-Familie auch als Produzenten, ein mexikanisches Fischerboot scheinbar in den Einstellungen, doch mit einer geheimen und gefährlichen Fracht beladen; auch dort hat man einen Eid abgelegt. Wie die Welt, die man kannte, geendet hat, wird hier gezeigt, und wie eine neue Welt entstanden ist, man befindet sich in Kalifornien, bessere Mittel- bis Oberschicht, ganz normale Familien mit ganz normalen Problemen, und ganz normalen Idyllen, auch das ist wichtig. Der Vater merkt es als erstes, die riesige Explosion, die Druckwelle, das Verdunkeln am Horizont, er versucht seine Familie zu erreichen und den Hund, die Elektrizität fällt aus und die Kommunikation, der Katastrophenalarm wird ausgelöst, die Gefahr kam von außen, in den ersten fünf Minuten schon.

Die Familie ist vorbereitet, sie hat eine bereits gepackte Tasche im Wandschrank und sie weiß um das 'Homestead' sie wird dorthin instruiert, es wird keine Sekunde verloren, selbst an den Hund denkt man; auch wenn erst beim Bellen dessen, aber immerhin. Auch das Auto ist gesichert gegen Biowaffen, die Straßen natürlich verstopft, der Rest der Bevölkerung in Panik, in Massenflucht; ist nicht so vorbereitet wie die Familie hier, ist in Schäfchen und Lämmern unterteilt, unter gruppiert. Das Leben geht weiter, nach dem Vorspann, die Geschichte dann irgendwo in den Rockys, ein größerer Landsitz mit ebensolchen Gebäude, die Vorratsschränke voll, die Katastrophe mit dem orangen Himmel war weit woanders, es werden Einladungen ausgesprochen und Umarmungen geboten. Die Pistolen, das gute alte Recht auf Waffen werden auch bald gezeigt, die Eier der Hühner noch selber erzeugt, auch hier "grab the go bag" gesagt, Planung ist die halbe Miete, mehrere Personen mit gleichen Ansichten und Absichten vorgestellt, mit taktischer Überlegenheit und dem Vorsprung gegenüber dem in fahrlässiger Sorglosigkeit Lebenden. Noch wird gelacht und nicht daran geglaubt, bald nicht mehr, bricht der Ernst aus, "What are you laughing at?(...)Listen. I hope to God in a week or two you're all laughing at me for overreacting. But there's a chance that after today, our lives will never be the same.", die Apokalypse steht vor der Tür, die vier Reiter hier.

““So you have spring water and a reservoir?” Jeff asked as they climbed into the OHV. “Yeah. I haven’t had time to catch you up on Homestead improvements since you got back from Afghanistan. I can brief you whenever you have a minute.” Jeff had only been invited as the newest member of the Homestead steering committee the week previous. Nobody on the committee knew Jeff particularly well, but there was no denying how useful he might be as a member of their preparedness community. Still, Jason had been careful not to tell any one person everything about the Homestead. Outside of family, trust only extended so far. Prior to Jeff’s last deployment to Afghanistan, Jason had given Jeff and Tara Kirkham a tour of the Homestead, launching into “The Conversation” with the couple. Many times before, and with many other couples, Jason had broached the conversation about survival and preparedness. He had even become pretty good at sneaking up on the big reveal―that they had spent hundreds of thousands of dollars creating a survival compound, barely concealed behind the fancy architecture and the wrought iron gates of the Homestead.“

Als Pilot-/Katastrophen/'Action'film aufgezogen, kann man sich die Dramaturgie denken, mehrere Gruppen, mehrere Parteien, mehrere Personen, alle mehr oder weniger vorgestellt, in verschiedenen Funktionen, die Männer eher in der Dominanz, die Frauen eher in der Reaktion, in der Abhängigkeit, wer den falschen Göttergatten ausgewählt hat, hat schlechte Karten, von Anfang an schon; bald geht es in die Aggression. Hamsterkäufe stehen an, es wird sich um die Lebensmittel und die anderen Haushaltswaren gestritten, die ersten Leute sind schon in Uniform. Neben der Nuklearattacke gibt es Cyberangriffe und Stromausfälle, diese werden auf Russland geschoben, eine Politisierung des Geschehens, das hat Tradition, das schwebt zwischen Die rote Flut (1984) und dessen Remake von 2012, mit ein bisschen The Day After – Der Tag danach (1983) oder Jericho - Der Anschlag (2006-2008) eingewebt, es basiert auf einer eigenen, mehrteiligen (bisher zehn Bände umfassenden, ab Mai 2018 veröffentlichten) Bücherserie namens "Black Autumn", geschrieben von Jeff Kirkham und Jason Ross, als serielles Konstrukt aufgezogen, hier nur das Vorspiel (für insgesamt 8 Episoden), das Entstehen und die ersten Aktionen; Ross hat auch am Drehbuch mitgeschrieben, Kirkham nicht. Dialoge werden oft wiederholt, Informationen gebündelt bereitgehalten, repetiert und mit Kommentaren verziert, dazu einiges an Militärjargon plus einer Überinszenierung des Homestead als Refugium, als Fels in der Brandung, als Trutzburg, als Paradies gehandhabt. Hilfe wird gegenseitig geboten und gegenseitig eingenommen, dazu eine Orientierung, ein Assistent bereitgestellt, bei manchem sind selbst die 'Haus'eigentümer schlecht eingestellt, es braucht schon mehrere Mitglieder, Einer alleine nicht ausreichend, es geht um Zusammenhalt und Rücksichtnahme und Unterstützung; und wieder gibt's Umarmungen, Körperkontakte, Liebkosungen. Dabei werden durchaus einige Differenzierungen gezeigt, eine der Hauptpersonen stiehlt in Not das Auto eines Unbekannten, der nun selber aufgeschmissen ist, eine der Hauptpersonen agiert paranoid, eine andere mysteriös, eine nervend hektisch, es gibt nicht nur Schwarz und Weiß und Gut und Bös'.

“The orchard covered dozens of acres and included over a hundred fruit trees, plus a small vineyard. Scattered around the property were seven greenhouses, all with LED grow lamps and solar back-up power. The greenhouses contained almost four thousand square feet of raised planter beds with year-round gardening capability. The summer garden was a work of art, with another two thousand square feet of raised grow space neatly laid out in square-foot garden plots and giant Grecian urns. The tomato garden was more than eighty feet in diameter and sat on a beautifully stacked-stone retaining wall, towering over the gated entrance to the property. Everywhere the Kirkhams looked, there were heavy groves of berries, fruit trees and vegetables. Wherever possible, Ross required the landscape to be fruit-bearing and edible. Nestled behind the orchard, the property played host to a small herd of livestock. Ross bought into partnerships with four local farms scattered around the neighboring valleys. Every so often, a farmer would come by with a horse trailer and drop off a few more goats, sheep, chickens or ducks, just to top off the Homestead herd. While they kept farm animals on the Ross property in small numbers, there was nothing small about their rabbit production. One of the finest buildings on the property was the rabbit warren. The entire building held dozens of stacked rabbit cages and feed systems.“

Ökologisch und ökonomisch wird es auch betrachtet, es geht auch um die Klimapolitik, hier tatsächlich positiv gesehen, als Selbstversorgung; dazu die Straßen und die Städte und Vororte binnen Stunden schon im Chaos, Martial Law ist ausgesprochen, die Zivilisation der Amerikaner hat keinen Tag überstanden, die Regierung unfähig, sowieso wird keine Ordnungsbehörde oder Beamtentum etc. gezeigt, nur die Zivilisten und ein paar Ex-Militärs, mit nicht unbedingt Sympathiepunkten auf ihrer Seite, auch sie vertreiben Menschen und machen eigene Beute. Grundsätzlich geht es um eine Belagerungstation, eine Art Alamo, nur in modern gehalten und mit dystopischem Szenario, es werden Warnungen ausgesprochen und Botschaften entsandt, es werden Verteidigungslinien gezogen und Perimeter gesichert, es hat seine eigenen Spannungsmomente, es wirkt nicht ganz so mit dem dicken Pinsel gemalt wie Sound of Freedom, es hat mehr Intermission und Intermezzo, zwischendurch wird Krieg gespielt, mit Lasermunition. Homestead als Arche und als Festung, nicht mehr als Heimat, und es gab eine Vorhersehung; dann wird ein echter Schuss abgefeuert, über eine Meuterei und die Übernahme der Kontrolle überlegt, dann über Gott gesprochen, mehrfach gleich, von allen Personen im Grunde, das Drama und die Hilfe und das Wunder präsentiert, bis die SWAT vor dem Tor aufzieht.

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