Was ist nur aus Christian Slater geworden? Er hat in wirklich guten Produktionen mitgespielt, wie z.B. „Operation Broken Arrow“, „Windtalkers“. „Der Name der Rose“ oder auch „Interview mit einem Vampir“ und gehörte zur ersten Riege der männlichen Hollywooddarsteller. Doch in letzter Zeit drehte Herr Slater fast nur noch Ausschuß. Zu den „gehobeneren“ Werken der letzten Jahre gehörte noch der Boll’sche Horrorerguß „Alone In The Dark“ und das will was heißen... „Hard Rain“ ist ein Film aus der guten (alten) Zeit des Christian Slater.
Die eingangs gestellte Frage geht einem unweigerlich durch den Kopf, wenn man sich „Hard Rain“ jetzt auf DVD oder im TV ansieht, denn der Film und seine Darsteller wissen mit Leichtigkeit zu überzeugen. Es ist ein Actioner, wie man ihn schon lang nicht mehr gesehen hat, denn er verbindet Action, Effekte, Atmosphäre und schauspielerisch ansprechende Leistung gekonnt miteinander. Eine Qualität, die spätestens nach „xXx“ im Actionkino verloren zu sein scheint. Hier gibt es sie noch: pfiffige Storytwists und Charaktere, die nicht nur schwarz, weiß oder gar überzeichnet sind, sondern (in den meisten Fällen) durch differenziertes Spiel auffallen. An dieser Stelle sei einfach mal auf „Bösewicht“ Morgan Freeman und „Gesetzeshüter“ Randy Quaid verwiesen, die nicht unwesentlich zum Gelingen des Filmes beitragen. Doch auch Minnie Driver und der eingangs angesprochene Christian Slater machen ihre Sache überaus gut, da sie nicht den gängigen Actionsklischees und –stereotypen entsprechen.
Neben der beschriebenen und gut zusammengestellten Besetzung weiß auch die stimmungsvolle Inszenierung zu überzeugen, die den Spagat zwischen Handlung, Atmosphäre und Action überzeugend macht. Das Setting der Story (eine Kleinstadt bei stetig steigendem Hochwasser) ist durchaus originell und dient als Schauplatz ungewöhnlicher Actionszenen. So wird eine Schule mit Jetskis befahren und eine Kirche von mehreren Booten belagert. Die Actioneffekte sind sehr ordentlich und ansehnlich. Das (zumindest sichtbare) Fehlen von CGI-Effekten verleiht dem Film zudem einen realistischen Look, der in aktuellen Produktionen ebenfalls verlorengegangen ist. Das Publikum hat sich zum großen Teil sattgesehen an Hochglanz-Spezialeffekten aus dem Rechner, die (selbst wenn sie gut gemacht sind) einen ganz anderen Look haben, als die „hangemachten“ FX. So wäre ein „Stirb Langsam“ oder auch ein „Mad Max“ mit CGI-Effekten undenkbar.
Alles in allem kann man zwischen „Hard Rain“ und seinem Haupdarsteller schon eine gewisse Parallele ziehen: Beide sind zu unrecht in Vergessenheit geraten. Während Slater in diesem Film einen sehr überzeugenden und unverbrauchten Actionhelden gibt, der es verdient hätte, auch in aktuellen Mainstream-Produktionen mitzuwirken, hätte es der Film selbst verdient, eine größere Lobby in der Actiongemeinde zu haben. So gibt es sicherlich mehr selbsternannte „xXx“-Fans, als „Hard Rain“-Freunde, obwohl der letztgenannte Streifen aus den genannten Gründen wesentlich besser ist. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, doch es würde mich nicht wundern, wenn der gute alte Actionfilm in Hollywood bald eine Renaissance feiern würde. Es muß nur einen erfolgreichen Vorreiter (möglicherweise sogar mit Christian Slater in der Hauptrolle) geben und schon hätte die Traumfabrik einen neuen Trend, den es auszuschlachten gilt. Vielleicht hilft ja eine Petition? „Rettet Christian Slater“, oder so ähnlich...
Fazit:
9/10