Review

Nach Gier die Sintflut


Ist es unanständig sich als Filmfan während oder kurz nach einer (wahrscheinlich leider nicht) „Jahrhundertflut“ einen plumpen Actioner wie „Hard Rain“ mit ähnlichem Thema anzugucken und gar zu feiern? Auch wenn man hier in Wuppertal fast selbst „nasse Füße“ bekommen hätte? Ich weiß es nicht. Doch irgendwie nutze ich meine Leidenschaft schon immer auch zu einer Art „Traumabewältigung“ und Flucht in noch schlimmere, ähnliche, die aktuelle Realität erweiternde Umgebungen. Das habe ich letztes Jahr mit den Anfängen der Pandemie schon so gemacht, als plötzlich vermehrt Endzeit- und Seuchenfilme im Player rotierten. Und das ist nun nicht anders. „Flutige“ Katastrophenfilme gibt’s ja nahezu genauso viele wie apokalyptische Zombiestreifen. Und mit als erstes fiel mir eben dieser 90er-Jahre-Thriller ein, in dem Kriminelle rund um Morgan Freeman während einer massiven Sturmflut (samt Dammbruch) einen Geldtransport überfallen und dabei nicht mit der Hartnäckigkeit von Christian Slater gerechnet haben…

Doch auch wenn es viele „Desastermovies“ mit Überschwemmungen und Flutwellen gibt - sowas wie „Hard Rain“ bleibt die deutliche Ausnahme von der Regel. Vielleicht fällt mir noch „Hurricane Heist“ ein, aber dann wird’s auch schon dünn. Doch sein genremixtechnisches Alleinstellungsmerkmal ist nicht das Einzige, was mich an „Hard Rain“ verzückt. Er befindet sich irgendwo im überschwemmten Niemandsland zwischen Bay und Woo, zwischen „Titanic“ und „Crawl“, zwischen Jetskis in wässrigen Highschools, NeoWestern und gar Heroic Bloodshed. Die Bösewichte und Graulinien verschwimmen (pun intended), das Gefühl und die Atmosphäre der überschwemmten, alleingelassenen Kleinstadt ist gespenstig und porentief  nass. Gerade für amerikanische Verhältnisse vielleicht auch gar nicht mal soweit hergeholt. Freeman und Slater bekämpfen sich und harmonieren gleichermaßen gut. Christopher Young vertont das Ganze famos und druckvoll. Und wer Angst vor Enge, Luftmangel oder Wassermassen hat, sollte vorher ganz tief durchatmen. Insgesamt schon ein schöner Mix. 

Fazit: sehr passabler und kurzweiliger Cocktail aus Heistaction und Katastrophenthrill mit feuchten Hosen und hochgekrempelten Ärmeln. Definitiv underrated. 

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