Review

Wie unangenehm kann ein Film sein? „Bring Her Back“. Nach einem üblen Vorgeschmack wird der Zuschauer lange in eine angespannte Ruhe versetzt, eine zermürbende Ungewissheit. Die Schlinge zieht sich dann nicht einfach nur langsam zu, sondern einem wird immer wieder mittels unerträglicher Szenen brutal der Atem geraubt. Wohlfühlfaktor minus Zehn, Unterhaltung Null, Unwohlsein Zehn. Ich denke, das ist genau der Effekt, der den Philippou Brüder vorgeschwebte. Nicht ohne Grund wurde das Werk nicht Einspiel-freundlich auf eine Jugendfreigabe runtergebügelt, sondern geht aufs Ganze. Ist das ein harter Horrorfilm? Sicherlich, aber mehr noch ein Drama, eines um zwei Kinder. Wirklich? Im Mittelpunkt stand für mich eher die hingabevolle Sally Hawkins in der Rolle als zwielichtige Pflegemutter. Ja, da sah der Rest etwas blass aus, sie spielt die tragische eigentliche Hauptfigur, Täterin, aber auch Opfer. Es geht um die Verzweiflung einer Frau, einer Mutter, die nicht mit ihrem Verlust umgehen kann. Ihr Schmerz wird zu Wahnsinn, ihr Wahnsinn macht sie zu einer schlimmstmöglichen Verbrecherin, einem Monster. Ist sie das? Hineinversetzt, wie würde es uns gehen, was wäre, wenn wir einen Lichtschweif der Hoffnung am Horizont sehen würden, auch wenn das ein dunkeldunkler wäre? Alles am Film macht Eindruck und hinterlässt auch welchen, aber es bleibt bei einer unschönen Seh-Erfahrung. Würde ich mir „Talk To Me“ nochmal anschauen? Ja, gern. Aber „Bring Her Back“ wohl eher nicht.

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