"Jesus. I count six." - "I'm only interested in one."
Adkins und Adkins hier erstmals miteinander vereint, für den einen Neuland, er ist das Greenhorn, der Grünschnabel, er heißt Scott mit Vornamen; für den anderen, den Trace ist es bekanntes Territorium, quasi von Kindheitsbeinen an dort aufgewachsen, ein Areal so strukturiert wie seine eigene Westentasche. Wer von beiden die Kundschaft anzieht, den höheren Marktwert hat, weiß man so genau nicht, kommt sicherlich auf die Klientel drauf an, zumal hier Fakt ist, dass Billy Zane zuerst genannt wird, der Gewinner also feststeht, der lachende Dritte, so wie es immer ist im Leben (und im Film):
US Marshal Butch Hayden [ Billy Zane ] ist seit mehreren Jahren hinter dem Bankräuber Kyle Rusk [ Scott Adkins ] hinterher, der sich immer wieder seinen Weg frei schießen und flüchten kann. Da Hayden erwartet, dass Rusk zu seiner Frau Emily [ Cara Jade Meyers ] zurückkehrt, versteckt er sich dort mit seinen Mannen, und zieht den lokalen Sheriff John Dorsey [ Zach Roehrig ] und dessen Deputy Danny Raise [ Britton Webb ] ebenfalls mit in die Angelegenheit hinein. Als beide Parteien merken, was gespielt wird, rufen sie nach Verstärkung, Rusk selber wendet sich an Big Buck [ Trace Adkins ] und seine Privatarmee.
Warner Bros. hat den Film im Übrigen präsentiert, Warner Bros Home Entertainment natürlich nur, aber immerhin, ein erstes Ausrufezeichen, der Besetzung mit Zane und den beiden Adkins angemessen auch, ob sie nun Scott oder Travis heißen, ob sie verwandt sind oder nicht, Vater und Sohn oder Brüder ist egal, (sie sind nicht miteinander verwandt, soviel zur Aufklärung, zu des Rätsels Lösung). Darüber hinaus handelt es sich um einen Neo-Western, also im Hier und Jetzt spielend, nur die Methoden und die Tradition übernehmend, ein provinzielles Geschehen, wo der Sheriff noch das Sagen hat, es wird auch stilecht mit einer Geiselnahme begonnen, die Polizei bereits vor Ort und die Waffen im Anschlag. Der Sheriff gebietet Aufschiebung, man soll warten, er möchte den Konflikt selber lösen.
Die Geiselnahme hat eine Vorgeschichte, es geht um eine Vermisstenmeldung, der Täter sucht seine Familie und ist am Durchdrehen, er ist in Panik und in der Wahnstörung, in der Aktivierung, so wird dies auch eingefangen vom Regisseur, eine angespannte Situation. Zwei Schüsse fallen, die Mission ist schlecht gelaufen, sie ist eine Katastrophe eigentlich, die Vorgeschichte und die Nachgeschichte, das "sechs Monate später" wird geboten. Das Geschehen hat einiges verändert, es hat den Sheriff verändert auf jeden Fall, damit auch die Beziehung zu seiner Ehefrau, alles hat eine Innen- und Außenwirkung, alles seinen Zusammenhang und Zusammenhalt, alles kann bröckeln und brechen, und die Handlung fängt erst an. Woanders wird ein Banküberfall in all seiner Schnelligkeit, der Hektik und dem Chaos geboten, dann wieder Orts- und Personenwechsel, viele Komponenten schon zu Beginn in den Raum geworfen, viele Figuren und Situationen. Zane spielt den Marshal hier, er sah in Blood of Redemption - Vendetta (2013) schon aus wie Brando, er sieht jetzt immer noch aus wie Brando, aber des gleichen Alters, nicht wirklich gesund, etwas aufgedunsen, müde und ausgebrannt, im Film sieben Jahre dem Antagonisten hinterher gerannt, "So how does he keep getting away?" - "Small time rookie cops like you keep screwing up." Der Marshal ist vorbereitet auf die Festnahme, es wird wieder vermasselt, der small time rookie cop hat nicht aufgepasst, hat sich überrumpeln lassen. Er hat Schuld an einem Schusswechsel auf dem Motelparkplatz, an dem Kugelhagel, der Hetzjagd über den Asphalt, der Score dazu ist lausig, dafür eine echte Autoexplosion als Ausgleich, ein Geben und ein Nehmen hier, kein Win-Win.
Von Alabama nach Georgia geht es hier, von einem Kuhkaff in das andere, es erinnert ein wenig an Disturbing the Peace (2020), nur so von der Stimmung und der Atmosphäre, dem Setting, die Story dort war anders, die Qualität auch, hier wird mehr geboten, der Zuschauer dankt, ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Flucht und Verfolgung hier das Hauptthema, Cops Vs Robbers, Verbrechen lohnt sich nicht. Die Mitte Amerikas wird hier eingefangen, jeder kennt jeden, es liegen manchmal Meilen zwischen den einzelnen Häusern, ein Ankommen Fremder bedeutet meist Gefahren, selbst von Seiten der Uniformierten. Um Hilfe wird hier gebeten bei einem Mann, der selber Hilfe bräuchte, der keine Unterstützung seiner eigenen Leute hat, der eigentlich keine Mannschaft mehr hat, der selber Unterstützung benötigen würde, aber das Ansinnen nicht abschlagen kann; seine Zukunft auch davon abhängig, der Kampf und der Weg dahin wird in der Gegenwart gemacht. Konkurrenzen und Konfrontationen werden hier ausgespielt, die Truppe des Marshals bessere Söldner, unbarmherzig im Verhalten, das Gesetz selber missbrauchend, es biegend und brechend, vor allem auch gegenüber Schwachen und Wehrlosen, gegenüber Verletzten, gegenüber Frauen. Es gibt Widersprüche und Widerstände, es wird über die Hierarchie gestritten, die Dialoge besser ("You know, holding a hostage is different than holding a prisoner. Not sure which side of the law this will come down on. What would you call me? A hostage or a prisoner?" - "I'd call you a criminal.") und offensiver als üblich, die Aggressivität schon in der Kommunikation, ein Alphamann gegen andere.
Eine diverse Handlung wird hier geboten, ähnlich wie Assault on Precinct 13 (1976/2005) eine Tension im engen Raum, mal mit Vorteilen ausgestattet, mal zum Nachteil gehalten, dazu nicht wirklich Vertrauen unter all den Beteiligten, selbst wenn sie auf der gleichen Seite stehen, theoretisch gesehen, die Praxis wird immer anders gehen. Bald hat man Differenzen, werden die Waffen gegen die eigenen Männer gerichtet, kann man nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden, alles eine Grauzone, die Legalität längst verlassen, kein Rückzug mehr möglich. Darstellerisch ist das auch besser als üblich, ein kleines Wunder hier, ein B-Picture mit Interesse auch oder gerade abseits der Action, ein Gleichgewicht und ein Ungleichgewicht, es wird auf beiden Seiten der Medaille aufgestockt, Verstärkung geholt, überall Gefahren und Gefallen, zwischendurch ein Hirschgeweih durch den Oberkörper eines Mannes gerammt, der Nächste hat die Überreste eines kaputten Tellers im Hals, der Anfang von noch Weiterem, der Tag ist noch lang. Viele Schauplätze hat man hier nicht und braucht man auch nicht, ein Standoff (1998), eine Belagerung, aus der gelegten Falle wird eine Falle für sich selber, aus beruflich wird privat und persönlich, geht es in die negativen Emotionen, in die Stressmomente, die Frustrationen, es wird über Meuterei nachgedacht und Entkommen. Moralisch wird das hier betrachtet, Entschuldigungen gesucht oder auch nicht, über Selbstjustiz und Selbstverteidigung gesprochen, über die Berufswahl und die Berufung; zwischendurch ist es fast mehr ein Theaterstück, es ist auf jeden Fall ein Kammerspiel, ein psychologisch angehauchter Thriller mit bleihaltiger Action und (zeitlupenkräftigen) Exzessen, mit Umkehrungen und Modifizierungen, vom Mitspieler zum Außenseiter zum Gegner, vom Jäger zum Spielball zum Gejagten und umgekehrt; später wird auch die Musikauswahl (etwas) besser, ein qualitativ hervorstechendes Sonderangebot zur Zeit, quasi 2x Adkins zum halben Preis, ein Gemetzel über Beziehungen, mit Blutpäckchen und Zerstörung.