Review

Sorcerer of the Beat

„Sirat“ ist ein kraftvoller Kinowüstenritt über einen Vater, der zusammen mit seinem kleinen Sohn in die Dünen, Winde, Weiten und Technoparties Marokkos aufbricht, um seine verschwundene Tochter zu suchen - und dabei eher Antworten über sich, Verlust und die Unberechenbarkeit des Lebens findet…

Raves, Roads, Rückschläge

„Sirat“ ist ein unvergesslicher Film, egal ob man ihn mag oder hasst. Seine Beats und Bässe, seine Metaphern und Mischung, seine Schocks und Spannungen, seine Vibes und Verluste, seine Prüfungen und Pirsch, seine Immigration und Intuition, seine Reise und Schneise der Verwüstung. Tranceorgie, Sandburg, Seelensprengung. Man muss bereit sein alles loszulassen und zu verlieren, um hier an's Ziel zu gelangen. Und selbst dann ist man sich nicht ganz im Klaren, was man hier gesehen und empfunden hat. Zwischen Wenders, Aronofsky und „The Wages of Fear“, zwischen Ravealptraum und Himmelsreise. Die Donnerkuppel ist nichts dagegen. Der Staub ist fast im Kino zu schmecken. Die Bässe massieren Seelen - oder zerfetzen diese gleich. „Sirat“ hat mich definitiv durchgeschüttelt. Mit ein paar der fiesesten Schockmomenten des Kinojahres, frischen Gesichtern und schmerzhafter Suche. Ein sehr deprimierendes Szenario. Das kann sich tief unter die Haut graben. Symbolträchtige Sogwirkung. Stotternde Steinlawine. Tonale Haarnadelkurven. Panische Pacingunberechenbarkeit. Nicht ganz ohne Längen, nicht ganz ohne Fragen, nicht ganz ohne steife Dialoge. Sicher auch für genug Zuschauer mit Frustpotenzial. Insgesamt für mich aber ein seelisch-filmischer Fleischwolf und auch eine Art Reifeprüfung auf Todesbeat. 

Bass über'm Minenfeld

Fazit: Was für ein Trip… staubig bis berührend, emotional bis bewusstseinserweiternd, im Beat und auf der Straße, unberechenbar und ungemütlich… „Sirat“ ist eines der körperlicheren Kinoerlebnisse des Jahres! 

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