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Gustav Borg (Stellan Skarsgård) ist ein legendärer Regisseur und ein miserabler Familienvater. Er verließ seine Frau und seine beiden Töchter, um sein Leben der Filmkunst zu widmen. Die depressive Mutter erhängte sich, die traumatisierten Töchter kämpfen zum Teil noch immer mit den Nachwirkungen der Familientragödie. Nun ist der Vater zurück und möchte mit Schauspieltochter Nora (Renate Reinsve) nach 15 Jahren Kreativpause einen letzten Film nach eigenem Drehbuch drehen – es ist die Geschichte ihrer Familie. 

Das Familiendrama von Joachim Trier wurde mit zahlreichen Awards überhäuft und erhielt unter anderem den „Grand Prize“ in Cannes. Das ist nachvollziehbar, handelt der Film doch von der Kunst, ein Sujet, das immer gerne ausgezeichnet wird. 

Künstlerisch gelingen Trier mit seinem Film auch einige schöne Aspekte: Das Haus der Familie, dem zu Beginn in einem Schulaufsatz seine eigene Wahrnehmung zugestanden wird, der Versuch des Regie-Vaters, seine Tochter durch eine andere Schauspielerin (Elle Fanning) zu „ersetzen“, was einen gewissen VERTIGO-Effekt ergibt, überhaupt die Pre-Production des Films mit seinen intensiven Proben. Das natürliche Schauspiel insbesondere der beiden Schwestern Renate Reinsve und Inga Ibsdotter Lilleaas ist wunderbar. 

Doch im Kern scheint der Film eine etwas fragwürdige Position zu vertreten: Es ist durchaus in Ordnung, der Freiheit der Kunst den Vorzug zu geben, selbst wenn es bedeutet, seine Familie im Stich zu lassen – die Kunst wird alles belohnen, so wie die Kunst am Ende des Films auch zu einer Versöhnung führen wird.

5.5/10

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