Eine Beziehung ohne Freiraum ist eigentlich tödlich. Dann kam Covid-19. Das war für viele Menschen leider auch tödlich. Doch wer diese Zeit als Paar überstanden hat, wie die Hauptdarsteller Alison Brie und Dave Franco, die seit 13 Jahren zusammen sind, kann sich auch mal in das fordernde Subgenre des Body-Horrors wagen.
New York: Millie (Brie) ist Lehrerin und Tim (Franco) ein mittelmäßig erfolgreicher Musiker. Besonders gut ist es um ihre Beziehung nicht bestellt, ein Umzug aufs abgelegene Land soll es richten. Doch bei einem gemeinsamen Spaziergang im Regen stürzen beide in eine Grube und erwachen am nächsten Morgen mit aneinander klebenden Unterschenkeln, welche sich nur unter Schmerzen voneinander lösen lassen. Dies ist erst der Anfang eines vermeintlich gemeinsamen Alptraums…
Auch oder speziell als Langfilmdebütant lässt sich das Rad nicht neu erfinden, weshalb Plagiatsvorwürfe im Raum stehen, Regisseur und Autor Michael Shanks habe von „Better Half“ (2023) abgekupfert. Dennoch ist die Prämisse überaus erfrischend, dass nach dem beinahe obligatorischen Umzug aufs Land nicht gleich nach fünf Minuten die ersten Geister auf der Matte stehen.
Vielmehr geht es um eine durch und durch toxische Beziehung, in der sich wahre Abgründe auftun, weshalb jene Grube schon beinahe als Zentrum des Unterfangens bezeichnet werden kann. Millie ist eher der abgeklärte Typ, rational, strebsam, gegenüber Neuem jedoch zurückhaltend und auf Sicherheit bedacht. Tim trägt ein Kindheitstrauma mit sich herum, jagt mit dem Musikerdasein einem Jugendtraum nach und ist emotional hoch sensibel, weshalb er entsprechende physische Veränderungen deutlich eher wahrnimmt als sie.
Sympathisch erscheinen sie jedoch beide, weil natürlich die Miteinander-Chemie stimmt und die Identifikationsfläche für das Publikum riesengroß ist. Anziehung und Abhängigkeit, Freiheitsdrang und Bindungsangst, wann wird aus Liebe Routine oder kann beides in gleichen Teilen existieren? Eine Weile halten diese Themen sehr gut bei Laune, doch etwas düsterer und temporeicher dürfte es trotz teils surreal anmutenden Settings gerne zugehen.
Die Exposition mit einem Suchtrupp im Wald und der daraus folgenden Pointe deutete zumindest an, dass Shanks durchaus in der Lage ist, praktische und digitale Effekte zu einer überzeugenden Einheit zu verschmelzen und es soll ja auch nicht der letzte, leicht grotesk anmutende Eindruck sein. Doch was hätte sich mit der Ankündigung „Am Sonntag kommen meine Eltern“ noch so Absurdes auf die Beine stellen lassen.
Auch wenn Valium heute Diazepam heißt, eine Vinyl-Ausgabe der Spice Girls mit „2 become 1“ eher selten ist und Shanks in nur 21 Drehtagen eine kleine Meisterleistung aufgestellt hat: Etwas weniger Beziehungsgedöns, dafür mehr Kontorsion, Situationskomik und inhaltliche Überraschungen und der ultimative Tipp für Horrorfans wäre unausweichlich gewesen.
Ansehen sollte man sich die 102 Minuten dennoch, denn wenn zusammen wächst, was laut Willy Brandt zusammengehört, ist das nicht das schlechteste…
7,5 von 10