Review

Amélie wächst mit ihrer aus Belgien stammenden Familie in Japan auf. Dies beschreibt der von Maïlys Vallade und Liane-Cho Han inszenierte Animationsfilm, welcher auf dem Buch „Métaphysique des tubes“ von Amélie Nothomb basiert. Die Hauptfigur „erwacht“ an ihrem zweiten Geburtstag, die Wahrnehmung der Welt und auch der eigenen Person thematisiert der Film, wie auch diverse Ereignisse in dem folgenden Jahr. Es sind Zeiten von entstehenden Bindungen zu den Mitmenschen sowie dem Entdecken der Umwelt und so folgt der Film weniger einer klassischen Handlung denn vielen Eindrücken und Fragen, welche die kleine Amélie beschäftigen.

Das ist mitunter interessant, mitunter aber auch zu weit gedacht, wirkt das Mädchen für das Alter doch generell viel zu verständig. Es ist offensichtlich, was das Werk damit transportieren will, dabei macht es aber alle möglichen Fässer auf vom Gottkomplex bis zur Auseinandersetzung mit kulturellen Differenzen aufgrund des zurückliegenden Krieges. Das ist dann doch etwas viel, gerade aus der Sicht einer Zweijährigen, auf die das runtergebrochen wird. So entsteht eine erzählerisches Missverhältnis, trotz der mitunter schön illustrierenden Bilder. Das schluckt man oder eben nicht. 

Berührend ist der Film durchaus mal, insbesondere in der Beziehung zwischen Amélie und Nishio versprüht er eine gewisse Wärme, es bleibt insgesamt aber ein sprunghaft inszenierter Ausschnitt aus dem Leben und der Entwicklung der Kleinen mit allerlei Erkenntnissen und Lebensweisheiten. Verpackt ist dies in eine vom allgegenwärtigen Stil abweichende Präsentation, was man den Machern durchaus positiv anrechnen sollte.

„Everything goes away.“

Wenn man den Kunstgriff genießen kann, dass die vorhandene Komplexität durch ein allzu verständiges Kind destilliert wird, dann ist man hier wohl richtig. Coming-of-Age-Film mit einer Zweijährigen. 

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