Was kann das deutsche Kino? Komödien mit Bildungsauftrag, Romanzen, bei denen einem die Liebe vergeht und unangenehm realistische Geschichtsstoffe.
Die Erzählung macht sich an ein interessantes Gedankenspiel, eines dass die meisten sicher schon bei Durchschreiten betagterer Gemäuer im Kopf hatten: Welche Ereignisse und Schicksale haben diese Wände zu erzählen?
Wir wandeln zwischen den Zeiten, 100 Jahre auf einem Bauernhof, kurz vor dem ersten Weltkrieg, am Ende des zweiten Weltkrieges, die 80er Jahre in der DDR und die Gegenwart. Alles ist nur lose verbunden, doch bestimmte Dinge des Lebens und Gefühle, insbesondere des weiblichen Geschlechts in allen möglichen Altersstufen, kehren immer wieder zurück. Ja, hier werden Problemthemen angesprochen, Missbrauch, häusliche Gewalt, familiäre und gesellschaftliche Zwänge. Allerdings unaufdringlich, und damit umso eindringlicher. Ich war wirklich erstaunt welche Kraft dieser Film hat, nicht nur weil er aus einem aktuell so schwachen Kino-Land ist. Ich kann mich nicht erinnern derartiges gesehen zu haben, ein wirklich einzigartiges Leinwand-Kunstwerk, bei dem vor allem das Spiel mit allen Möglichkeiten der Kamera und die nicht-lineare Szenen-Komposition in Erinnerung bleiben. Sicher, von einem-gefallen lässt sich kaum sprechen, zu düster, zu schwermütig, zu problematisch, zu wenig dem Auge schmeichelnd, jedoch werden hier die weniger modernen Wege des Kinos wieder beschritten: in den Kopf der Zuschauer eindringen, ihn emotional bewegen und auch nach dem Ende noch nachzuhallen.