Canyon City, Arizona ist das mieseste Kaff an der ganzen Grenze. Der Mexikaner El Diablo [ Jose Torres ] macht mit seiner Gang die Gegend unsicher und hält sich vor allem mit Raub und Mord über Wasser. Sheriff Webb [ Attilio Dottesio ] ist zwar rechtschaffen, aber machtlos gegen die Überzahl, der Rest der Bevölkerung ist eingeschüchtert. Da reitet der Fremde Jeff Benson [ Carl Möhner ] in die Stadt und räumt mit dem Gesindel auf.
Sicher schon mal gehörte Synopsis, und sicher ist das Topos auch schon weitaus überzeugender gehandhabt worden. Der Film unterscheidet sich dann auch nur einen Deut von deckungsgleichen Plots, dass dieser Fremde einen Auftrag von der Regierung hat – er ist insgeheim Ranger – und die Hauptaufgabe eher in der Vereitelung eines Goldraubes liegt als im Säubern der Stadt; was allerdings nebenbei gleich mit durchgezogen wird.
Die definierte Aufbaustruktur ist dann auch von Beginn an klar umrissenen und recht ökonomisch konzipiert; es passiert genug in den 85min. Ein geplanter Trecküberfall, die entsprechende Vereitelung. Angriff auf die Stadt und die gleichzeitige Reaktion vom Ranger auf die Räuberhöhle. Dann werden noch die Telegraphenleitungen gekappt und so eine erneute Falle aufgestellt und zuguterletzt die Stürmung des Zuges, der als Goldtransport der Regierung nach Mexico dient.
Das die gesamten Aktionen dem Film in weiten Teilen trotzdem nicht vor der durchschnittlichen Bedeutungslosigkeit bewahren liegt vor allem daran, dass Baldanello nie eine Inszenierung zustande bringt, die mehr als Abfilmen drauf hat.
Es gehen zwar eine Menge Leute drauf [ unblutig ] und der Anteil an schnelleren Szenen sollte für etwas Schwung auch ausreichen, aber Rasanz und Spannung sucht man vergeblich. Die generelle Aufmerksamkeit ist vorhanden, aber der Film ist zu ruhig geschnitten, alles wirkt irgendwie sehr distanziert und unspektakulär. Gewalt, Brutalität und das Effektive werden vergessen, Adrenalin in der gezeigten Behutsamkeit nicht gefördert. Sowohl Regie als auch Drehbuch sprechen eher die Sprache amerikanischer Western, wozu dann auch meistens die Optik passt.
Die Fotographie und das Produktionsvolumen sind für das wahrscheinlich bescheidene Budget nämlich erfreulich aufwendig; die einzelnen Bilder sogar allesamt besser als die geschlossenen Szenen.
Ansonsten lässt sich nämlich auch materiell nichts Erwähnenswertes sichten. Singuläre Momente einzelner Situationen könnten mit etwas mehr Betonung durchaus Bedeutung erlangen, verblassen aber, dass sie keine feste Positionierung und Orientierung in der zu lockeren Gesamtstruktur haben.
Die Finten beider Seiten sind Minuten vorher erahnbar; überraschen tut da eher, mit welcher resonanter Vehemenz die alten Tricks hier probiert werden.
Am Ende versucht die Regie noch, etwas Tragik mit einer obsessiven Menage a trois einzubinden, aber das narrative Rückgrat fehlt; wieder sind nur die Bilder erfolgreich, aber die Stimmung nicht.
Zudem sind hier auch nur unplastische Charaktere vorhanden, die auch scheinbar ständig die gleiche Strecke entlangreiten, was nun kaum zu Aufregungen führt.
Der Held bekommt im Deutschen Schützenhilfe von der Synchronisation, die ihn nach Clint Eastwood klingen lässt, steht aber ansonsten ebenso sehr ungünstig im Schatten wirklicher Westernheroes und bekommt zudem noch einen sehr weichlichen und nichtsnutzig – nervenden Sidekick verpasst. „Nicht Schiessen, bin so schmerzempfindlich“.
Die platinblonde Frau an der Seite des Guten hat genauso wenig zu tun wie die pechschwarze bei den Bösen, beide sind nur ziemlich schnell mit dem Sich Verlieben dabei.
Keine der Figuren entwickelt dabei einen Moment von Echtheit oder Überzeugung, wodurch sich der Eindruck des Stilllebens noch verstärkt. Auf spürbarer emotionaler oder körperlicher Bewegung wird verzichtet, das Elementarste der cinematographischen Bilder glatt weggelassen.
Der Schwachpunkt liegt nicht in der Handlung, sondern in seiner Handlungsführung, die sich mit den selbst gegebenen Grenzen abfindet und ausser einer blanken Erzählung bar filmischer Mittel nichts veranstaltet. Ausser der einzelnen Bilder; jetzt hätte es nur noch ein Fotoroman sein müssen.