Review

Marmorbein & Eisen bricht… 

Mit „Raw“ und „Titane“ hatte Julia Ducournau großen Anteil an der neuerlichen Renaissance des Body Horror. Beide Werke waren nicht mainstreamig, recht anspruchsvoll und hatten mehrfach wortwörtlich Biss. Doch nun dreht die mutige Französin die polarisierende Anspruchsschraube nochmal deutlich hoch, weg vom Massengeschmack und erzählt mit „Alpha“ von einem 13-jährigen Mädchen, welches durch ein Tattoo am Arm einen neuartigen Virus nach Haus geschleppt haben könnte, der die Welt im Atem hält und wortwörtlich versteinert… 

Tattoos sind hässlich!

Wie gesagt, „Raw“ und „Titane“ waren auch schon keine einfache Kost und man kann beide doch mittlerweile ziemlich bedenkenlos als moderne Klassiker kategorisieren. Doch „Alpha“ kämpft gegen wesentlich mehr Windmühlen, die sich der Film teils konfus und unkonzentriert selbst in den Weg pflanzt und stur durch diese durchzumarschieren versucht… „Alpha“ macht es sich gefühlt zu leicht und zu schwer gleichermaßen. Und ist für mich näher an einem Misserfolg als an den vorangegangen Hits der (noch immer vielversprechenden!) Französin. Einerseits ist dieses Thema des Fleisches, der Krankheit, der Familie, des Erbes, der gesellschaftlichen Ängste kein Schlechtes. Und auch die junge Hauptdarstellerin ist stark, einige Einzelszenen sind höllisch intensiv und diese „Steinkrankheit“ eigen genug um Angst zu machen und als (etwas zu vage?) Metapher zu funktionieren. Und dennoch will das über die kompletten zwei Stunden irgendwie nicht so zusammenwachsen wie es für einen guten Film müsste. Meinem etwas verwirrten und verstörten Empfinden nach. Was will uns „Alpha“ sagen? Zu viel oder zu wenig? Wo will „Alpha“ hin und wo endet er da eigentlich irgendwo metaphorisch zwischen Blut und Staub? Am besten hat mir noch der Coming-of-Age-Blickwinkel, die radikale Art und der ein oder andere Needledrop gefallen. Ein paar Songs sind echte Entdeckungen. Doch irgendwie fühlt sich das fast schon etwas verloren, theoretisch bis altklug an, näher an dem aktuellen David Cronenberg als an seinen viel aufregenderen Frühjahren oder gar seinem Sohn momentan… 

Medusas Touch

Fazit: Das bisher deutlich schwächste Werk von Ducournau… Aber immer noch phasenweise interessant, rau, gewagt, anders. Trotzdem ein schwieriges Teil in vielerlei Hinsicht. Komplex und konfus. Kein Treffer. Durch seine Kompromisslosigkeit aber auch nicht der Totalflop, den andere in ihm sehen. Ducournau hatte sich selbst aber einfach eine viel höhere und kompaktere Messlatte gesetzt… 

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