Brasilien 1977: Ein mysteriöser Mann in einem gelben Käfer, korrupte Polizisten, eine herumliegende Leiche, um die sich niemand kümmert, eine weitere Leiche im Kofferraum zweier schmieriger Auftragskiller, eine Wohnsiedlung voller Flüchtlinge, ein Kino, in dem Horrorfilme laufen, ein vorgetäuschtes Polizeibüro, ein Bein in einem Haifischmaul. Kein Zusammenhang, kein Sinn, nirgends.
Gut, von Kleber Mendonça Filho, Regisseur des kryptischen Italowestern-Action-Dokudramas BACURAU, hätte man ohnehin keinen stringenten Politthriller erwartet. Oder überhaupt einen stringenten Film. Was dem Publikum mit O AGENTE SECRETO zugemutet wird, ist jedoch eine echte Geduldsprobe.
Erst nach geschlagenen anderthalb Stunden des 160 Minuten langen Films wird in einer Szene der Kontext für das bisher Gesehene geschaffen. Das ist natürlich eine bewusste künstlerische Entscheidung, die man auch mutig und spannend finden kann, so wie ein Großteil der Kritiker, die den Film als Meisterwerk feiern und bereits vielfach prämiert haben.
Nun ist der wohl ironisch so reißerisch betitelte THE SECRET AGENT zwar visuell durchaus ansprechend, Wagner Moura ein sehenswerter Darsteller und das brasilianische Zeit- und Lokalkolorit Brasiliens in den späten 70ern schön eingefangen. Doch die bruchstückhafte, um nicht zu sagen chaotische Inszenierung, die kaum Anhaltspunkte gibt, zusammenzusetzen, was man da sieht, weil einem der entscheidende Schlüssel dafür fehlt, macht jedes filmische Vergnügen zunichte.
Der „zweite Teil“ des Films ergibt dann zwar Sinn, jedoch erwartet man nach der großen Geheimniskrämerei des Vorangegangenen doch etwas mehr als diese verhältnismäßig „kleine“ Geschichte von Kapitalismus und Rache.