Ein schwieriges Thema, natürlich von einer Frau auf die Leinwand gebracht. Richtig so, immer bei den gottgegebenen Kompetenzen bleiben und bloß keine neuen "The Substance".
Der Fokus lenkt sich erwartungsgemäß erstmal auf die Hauptdarsteller. Jennifer Lawrence, die, wäre sie nicht Kinderstar geworden, vermutlich ihrer Passion in Horizontal-Filmen nachgehen würde. Das ist keine Diffamierung, eine Frau voller leidenschaftlicher und natürlicher Energie. Standesgemäß unbedeutend daneben Robert Pattinson, nach wie vor ein schauspielerischer Unfall. Ja, das ist eine Diffamierung! Sein ständiges Engagement in großen Produktionen gleicht dem 8. Weltwunder und (s)einer Flucht vor der ungeliebten Realität, nämlich einfach Twilight 6 zu drehen.
Der Stoff ist einer, der nach Filmpreis schreit, vermutlich ist die Umsetzung auch deswegen von Lawrence forciert. Und tatsächlich, eine beachtenswerte hingabevolle Rolle als weibliche Urgewalt und leidgeplagte Seele. Der Verzicht auf subtile Darstellung der Problematik und jener stattdessen einen Namen und eine Definition zu geben, als ob alle immer Publikum nicht mehr Denken können, war meines Erachtens eher überflüssig und ein amerikanisches "Business". Scharlatane namens “Psychiater” und “Psychologen” setzen Menschen mit Problemen auf Dauer-Abo und ruinieren ihre Gesundheit durch massiven Drogenmissbrauch. Wir Zuschauer, zumindest die, die sich einem solchen Film stellen, wissen auch ohne leuchtende Hinweisschilder, worum es geht. So oder so ist eine cineastische Anti-Babypille entstanden. Ja, das Leben “danach” ist komplett auf den Kopf gestellt und vor allem für die Frau eine bewundernswerte Herausforderung. Da ist der Punkt liebe Männer, erleichtert um die Last, schultert ebenfalls Entbehrungen, fixiert den durchdrehenden Kompass! Mitgehangen, mitgefangen, dann heißt es auch nicht "Die my Love".
Lynne Ramsay hat offensichtlich Novelle Vague und New Hollywood intensiv konsumiert und studiert. Erfolgreich, auch wenn das am aktuell immer mehr gezielt entmündigten Publikum komplett vorbei gehen wird. Der harte Kern wird es schätzen wissen. Nicht aber die Faulheit, die große Menge an Nachtaufnahmen mittels Filter zu gestalten. Das erkennt sogar der Netflix-Abonnent.