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kurz angerissen

Manchmal sind Menschen Hunde. Während Regisseurin Lynne Ramsay unerreichbaren Schmetterlingen wie Chantal Akerman nachjagt, beginnt Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence sich im Kreis zu drehen, als sie versucht, ihren eigenen Schwanz zu jagen. Denn an genau dieser Stelle war sie schon einmal, acht Jahre zuvor, als sie unter Darren Aronofsky „Mother!“ drehte. Wozu also nun diese Rückkehr?

Begonnen mit der allerersten Einstellung, einem statischen Frame Shot in die Tiefe des Querschnitts eines renovierungsbedürftigen Hauses hinein, tritt „Die My Love“ permanent auf der Stelle. Die wilde Natur der Protagonistin bleibt ein Trugschluss in einem berechenbaren Algorithmus, der nonkonformes Verhalten durch beharrliche Wiederholung zur Normalität erklärt und sie an einem armen Robert Pattinson abprallen lässt, dessen Figur ebenso gut von einem Boxsack hätte gespielt werden können. Die Verhältnisse bleiben, wie sie sind, Eskalationen führen nur wieder in den Kreislauf zurück. Nichts in dieser Erzählung deutet auf ein Ziel hin, alles ist bloß Zustandsbeschreibung.

Dass sich die Handlung jeglicher Entwicklung verwehrt, ist natürlich kein Versäumnis Ramsays, sondern ihr erklärtes Ziel. Festgezurrt durch das klassische 4:3-Bildformat, ist dieses Drama um postpartale Depression als kahle Gefängniszelle konzipiert, aus der es kein Entrinnen gibt. Einem Referenzwerk wie „Jeanne Dielman“ ist es trotz ähnlicher Stilmittel dennoch gelungen, einen Fortgang in den Stillstand zu pflanzen, trocken und hart wie ein Schlag, den man nicht hat kommen sehen, obwohl er sich über Stunden hinweg angekündigt hat.

„Die My Love“ hingegen fühlt sich bemüßigt, mit abgedroschenen Feuer-Metaphern zu hantieren, um einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Es ist wohl der letzte Baustein, der Jennifer Lawrences darstellerische Selbstaufopferung endgültig zur schwerfälligen Performance-Kunst gerinnen lässt, die mit dem bitteren Realismus, den die Regisseurin postuliert, nicht mehr viel zu tun hat. Dem kann man aus künstlerischen Aspekten heraus wohl applaudieren, der ursprüngliche Zweck allerdings wird verfehlt.

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