Review

Wie sie stehlen, stehlen sie nichts

Kelly Reichardts Stil besticht schon seit jeher dadurch filmisches Spektakel auf das Nötigste und Normalste herunterzubrechen. Kein Kino sondern Theorie, kein Film sondern Alltag. Ist das oft etwas übertriebene, comichafte, hyperaktive und verschachtelte Heistgenre dann also genau das Richtige für sie und ihre realistischere Herangehensweise? Nein. Zumindest für meinen Geschmack nicht. Denn warum gehe ich denn ins Kino und gucke Filme? Erst recht Filme über große Räuber und legendäre Beute? Ganz sicher nicht um Langweiliges, Alltägliches, Langsames, in ihrem Job Unbegabte oder allgemein aggressiv Monotones zu sehen, sondern gerade weil ich „Larger-Than-Life-Situationen und -Charaktere“ bei ihrer Arbeit sehen will, nicht das Gegenteil davon… Ihr „The Mastermind“ folgt einem amateurhaften Kunstdieb im Massachusetts der 70er, dessen Leben nach einem missglückten Kunstraub (kaum spannend) aus den Fugen gerät… 

Heistthriller-Antithese

Ich muss „The Mastermind“ leider in meinem Verständnis von Film, von Unterhaltung, ja auch von Kunst und insbesondere von Heistkrimis als Misserfolg abstempeln. Mit ein paar minimal beschwichtigenden Attributen wie seinen milchig-weichen 70er-Look, Josh O'Connors besonderes Charisma, den jazzig-freestyligen Score und allein den Mut, dieses sonst so dynamische Subgenre so dermaßen trocken und lethargisch anzugehen, umzudrehen, umzusetzen. Nur bringt vor allem Letzteres wenig, wenn die Rechnung für einen persönlich einfach nahezu Null aufgeht, man sich langweilt ohne endet und auch kaum Beziehung zur Hauptfigur aufbaut. „The Mastermind“ war für mich vor allem eins - eine Geduldsprobe. Ein unbefriedigendes Experiment. Eine unfokussierte Handlungszeitlupe. Ein Antiheld ohne Anziehung. Eine oberflächliche und scheinbar gelähmte Charakterstudie. Und ein Anfang ohne Ende. Manche Subgenres lassen sich scheinbar nicht gut auf den Kopf stellen… 

Fazit: Kunstraub war selten monotoner, unspektakulärer und einschläfernder… Kelly Reichardts Stil und Tempo zieht bei mir leider immer noch nicht wirklich. Um es noch nett auszudrücken. Obwohl das thematisch und menschlich oft höchst interessant und andersartig sein kann. Und visuell durchgehend attraktiv. Aber eben so super, super, super lahm… 

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