Review

Kawasaki Me By Your Name

„Pillion“ ist einer der bizarrsten und besten Filme, die man dieses Jahr finden können wird, da bin ich mir jetzt schon sicher. Speziell, trotzdem zugänglich. Mutig, authentisch, irrwitzig, sehr traurig, sehr hoffnungsvoll. Ein brutal effektives Gesamtpaket. Erzählt wird in der kinky „RomCom“ von einem schwulen jungen Mann, der einem enorm attraktiven, dominanten Biker verfällt und sein Glück in der Unterwerfung findet… 

Devot alles im Lot

Ich glaube, wenn man über „Pillion“ nahezu nichts weiß, dann wird man gerade in der ersten Hälfte das Gefühl nicht los, dass hier die Stimmung oder gar das filmische Genre jederzeit komplett kippen könnte. Ins Düstere, ins Abgründige, ins Brutale. Doch „Pillion“ will nicht schockieren oder Tabus brechen. Zumindest nicht nur. Er ist viel mehr als eine schwule, leicht gekippte RomCom. Viel mehr als ein Befreiungsschlag für Kinks und massenuntauglichere Vorlieben. Viel mehr als Skarsgård im Bossmodus. Und sogar viel mehr als ein sehr intimer filmischer Schrei auf sein Glück zu bestehen, egal wie freaky oder „pervers“ es sein mag. Gegenüber seinen Freunden, seiner Familie, der Gesellschaft. Und vor allem gegenüber sich selbst. „Pillion“ ist schmerzhaft ehrlich. Er geht an die Grenzen des Zeig- und Machbaren für Hollywood. Und hat doch Familienfilm- und Feelgoodvibes. Ein irrsinniger Spagat, der zusammen mit einem absurden, trockensten Humor eigentlich nur schiefgehen hätte können. Und es für mich doch nie tut. „Pillion“ nimmt fast immer die richtige Abbiegung. Kleine Details und Gesten entscheiden. Hinter den Augen steckt die Wahrheit. Und die geht von purem Glück bis zur tiefsten Traurigkeit. Skarsgård erreicht ein komplett neues Level an Schauspiel, an Attraktivität, an Charakter und Charisma. Und trotzdem übertrifft ihn Harry Melling nochmal deutlich. Sensibler, verletzlicher, vielschichtiger geht's nicht. Dazu immer hochwertig und hoch ästhetisch aufgenommen, mit klasse Songmomenten garniert, mit einer letzten Viertelstunde, die mich noch lange begleiten wird. Und insgesamt ganz einfach mit einem der speziellsten „Liebesfilmen“ seit… immer. 

Skarsgård darf's hart

Fazit: Einer der unberechenbareren Filme seit Jahren. Eine der unvergesslicheren schwulen Geschichten ebenso. „Pillion“ ist oft urkomisch, anders und überraschend tiefgründig, emotional, schonungslos ehrlich trotz seiner bizarrsten (Sex-)Momente. Mit Schmerzen ist’s (nicht) leicht zu Scherzen. Ein Film, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Wie ihn noch keiner gesehen hat. Unkategorisierbar. Glück ist nur deins, niemand anderes muss das verstehen. Jetzt schon einer der Besten und Wichtigsten (!) des Jahres. What a Ride! 

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