Review

NoNo Robbe'it

„Amrum“ (von Fatih Akin für einen alten Freund und Wegweiser finalisiert) erzählt von einem kleinen Jungen auf der norddeutschen Insel Amrum in den letzten Wehen des zweiten Weltkriegs - zwischen Identitätsfragen, Depressionen seiner Mutter, Flüchtlingsströmen und der Suche nach Zutaten für ein Träumchen von einem Weißbrot… 

Honig im Kopf

Auch wenn man vielleicht deutsche Filme mit Setting zweiter Weltkrieg nicht mehr wirklich reizend oder vielsagend findet, vielleicht sogar oscarbaitig und überholt abtut, kann man „Amrum“ durchaus eine Chance geben. Die Bilder der Nordseeinsel sind imposant. Die Geschichte ist eine der sehr kleinen Coming-of-Age-Sorte. Die Jungdarsteller wirken weitestgehend natürlich. Die dortige Sprache, die öfters zum Einsatz kommt, wirkt teils etwas steif, aber das reißt einen nicht raus. Die Laufzeit ufert keineswegs aus. Alles sehr subjektiv und detailliert. Mit fast fantastischen Details (Sternenhimmel bei Nacht). Kruger und besonders Schweighöfer müssen mit ihren Minirollen niemanden abschrecken, man kann im Grunde sagen, dass es diese prominenten Namen nicht wirklich gebraucht hätte. Und thematisch wird vieles angeschnitten, was heute noch immer akut und wichtig ist (Einsicht, Hilfsbereitschaft, Reifung, Heimat, Immigration, Familie) - auch wenn nichts wirklich im Mittelpunkt oder über dem kleinen Protagonisten steht und ich gerne ein wenig mehr Fixierung auf den ein oder anderen Punkt gesehen hätte. Aber auch das bricht das Gesamtbild nicht, es stützt das intime Konzept des fast magischen Rückblicks in die Kindheit eher. Kleine Warnung gibt’s für Leute, die empfindlich gegenüber Gewalt an oder dem Töten von Tieren reagieren - es geht u.a. Kaninchen, Küken und Robben wortwörtlich an den Kragen! Insgesamt zeigt Akin immer wieder, wie persönlich ihm (bzw. seinem Freund Hark Bohm) das alles war. Ein sehr ruhiger Film. Vielleicht sogar etwas spannungsarm und beiläufig. Aber doch irgendwie wohltuend naiv, trotz all dem Tod hoffnungsvoll und im Kern kompetent klein. 

Fazit: tolle, weite Bilder und breite, vielfältige Themen - übersichtliche, persönliche (für manche vielleicht ereignislose) Geschichte! 

Details
Ähnliche Filme