Amrum, eine Insel, und so hat jene sicher auch in der dunklen Zeit um 1945 funktioniert. Ein wenig Parallelwelt zu den zahlreichen schaurigen Brennpunkten jener Tage.
Regisseur Fatih Akin nimmt sich ein Thema zur Hand, benutzt die nebelhafte autobiografische Buchvorlage einer zerrütteten Kindheit, hin und her gerissen zwischen politischen Systemen und Vorgaben, recherchiert noch ein wenig in den zur Verfügung stehenden Geschichtsniederschriften und zitiert noch das, was wie üblich zitiert werden muss. Kann das gut werden? Je nach Sichtweise. In Bezug auf die Realität zieht sich natürlich ein Ausschlussverfahren heran. Fatih Akin, klingt das nach einem authentischen Erzähler deutscher Geschichte, den Leiden eines Volkes, unter falschen Führern auf dem Pfad des Untergangs, Menschen, klassische Menschen? Wohl kaum, eher nach einem erhobenen Zeigefinger, der noch in Jahrhunderten in jedes Ungeborene bohren soll. Wenn es dieses Volk dann noch gibt, oder die zahlreichen Mechanismen zum Austreiben einer vermeintlich gefährlichen DNA funktionieren. Da wird jedes Klischee bedient, braun-weiß gemalt, alles aus dem Bilderbuch des Wahrheitsministeriums. Ein paar märchenhafte Schleifchen drumherum, fertig, das kann sogar auf die Klassenzimmer losgelassen werden. Alliierte Bomber die ihren explosiven Ballast vor der Insel im Wasser abwerfen, statt auf der Zivilbevölkerung. Inselbewohner die durchweg gute Menschen sind, außer die Mutter des Protagonisten. Sie ist Nazi! …und deshalb die schlechteste Mutter der Welt! Natürlich merkt das ihr zwölfjähriger Sohn und kann sich nur innerlich von diesem Scheusal von Frau distanzieren. Als der Krieg endlich verloren ist jubeln alle, vermutlich aber nur bis die plündernden und vergewaltigenden Horden einfallen.
Trotzdem hat mir Amrum gefallen, und zwar optisch. Wie großartig ist unsere schöne Heimat hier bitte fotografiert? Eine fantastische Kamera, wunderschönes Licht, überragende Bilder der Nordsee-Landschaft. Da will man gar nicht mehr in den warmen Süden. Die Gebäude und Kulissen dagegen wirken wenig zeitgemäß, sondern eben wie Urlaub 2025. Wir sind halt einfach an einem Hotspot für Bessersituierte, daraus bekommt man kein 1945 mehr gebastelt.
Ein weiteres Haar in der Suppe sind die marketingrelevanten Gastauftritte. Eine Diane Krüger hat die Verbindung zur Heimat vor Jahren gekappt, da wirkt derart Positionierung in und um den Film nur unangenehm. Ein Detlef Buck lässt sich noch verschmerzen, aber wenn Matthias Schweighöfer auf der Leinwand erscheint, ist die Vorstellung eigentlich schon gelaufen.
Der Naturfilm „Amrum“ 8/10, der Historienfilm „Amrum“ 2/10.