Review

The Old Guard 2

Einfallsloses Sequel zum Streaming-Erfolg „The Old Guard“, das unter seiner biederen TV-Ästhetik, den flachen Figuren und einem Nichts an Handlung leidet. Charlize Theron agiert hölzerner als einst Steven Seagal, der obendrein weit versierter austeilen konnte. 

Vor 5 Jahren mischte ein Quartett kerniger Unsterblicher die globale Unterwelt auf und sorgte für vergleichsweise launigen Content, gemessen an den Qualitätsstandards der Streaming-Welt. Der an sich krude Mix aus "Highlander" und den "Expendables" war optisch düster, geizte nicht mit drastischen und graphischen Szenen und konnte mit einem renommierten Charaktercast aufwarten (Charlize Theron, Matthias Schoenaerts, Marvan Kenzari und Luca Marinelli). Sicher, die zugrundeliegende Graphic Novel ist kein Shakespeare-Stoff, dementsprechend gehören Handlung und Figuren eher ins flache Regal, aber zumindest wurde die Fantasy-Chose flott runtererzählt.

„The Old Guard 2“ schließt daran nun nahtlos an, was besser klingt, als es gemeint ist. Dem Wiederholungstäter verzeiht man nicht mehr so leicht, schließlich sollte er beim zweiten Mal wissen, was er tut, bzw. nicht tun sollte. Und so nervt die erneut vergessenswerte Handlung nun schon deutlich mehr als beim Vorgänger (diesmal taucht eine vor 500 Jahren als Hexe verurteilte Unsterbliche wieder auf und droht die Welt ins Chaos zu stürzen). Der fade Digitallook ist in seiner Neuauflage ebenfalls wenig stimulierend und schreit mehr noch als beim Erstling nach TV-Einerlei. Dass man aber auch im zweiten Kapitel die Tragik der seelisch deformierten Söldner-Helden mit ein paar banalen Groschenheftsprüchen abfrühstückt, ist fast schon frech. 

Hauptdarstellerin und Teamleiterin Charlize Theron hat nach eigenem Bekunden ihr ganzes Herzblut in das Franchise gesteckt, zu spüren ist davon allerdings herzlich wenig. Wie auf Autopilot und in bester Nicole Kidman-Maskenmanier stapft sie durch die öde Rachegeschichte. Wer Steven Seagal einst nur anderthalb Gesichtsausdrücke unterstellt hatte, darf hier sein Ranking nach unten öffnen. Die Actionszenen sind ebenfalls (nein nicht wie bei Steven, der konnte das wesentlich besser) reichlich steif und zeigen, dass bei „Atomic Blonde“ (2017) das Verdienst für die ungleich höhere Qualität dann wohl doch eher bei David (Leitch) und nicht bei Charlize lag. Der Mann hat im Verbund mit Kumpel Chef Stahelski nicht umsonst die neue Genre-Ikone John Wick im Portfolio.

In „Old Guard 2“ sitzt dagegen TV-Regisseurin Victoria Maloney auf dem Regiestuhl und wenig überraschend ist von Einfallsreichtum, Expertise und Ästhetik der John Wick-Reihe weit und breit nichts zu sehen. Es wird zwar angenehm oft geschossen, gemetzelt, gefightet und getreten, so dass man immerhin nicht komplett wegdöst, aber mitreißend, oder gar fetzig ist das Gezeigte zu keinem Zeitpunkt. Ähnlich verhält es sich mit den Schauplätzen. Unser Unsterblichen-Trupp kommt ganz schön rum im Rahmen der dünnen Handlung (u.a Kroatien, Rimini, Rom, Jakarta und Südkorea), aber die entsprechenden Shots erinnern mehr an schnöde Reisekataloge und nähren den unguten Verdacht bei der Hälfte der Aufnahmen gar nicht vor Ort gewesen zu sein.

Wenigstens hat „The Old Guard 2“ entsprechend seinem Titel 2 Pluspunkte auf der unterrepräsentierten Habenseite: er ist schnell vorbei und Uma Thurman spielt mit. Vor allem letzteres bleibt hängen, hat die zuletzt eher selten zu sehende Ex-Tranatino-Muse doch die denkwürdigsten Auftritte. Als erste Unsterbliche Discord spielt sie ein lange Zeit völlig undurchsichtiges Spiel, was sie schon mal deutlich vom ganzen Restpersonal des Films abhebt. Im Unterschied zur hölzern agierenden Theron bringt sie ein wenig darstellerischen Glanz in die trübe Figurensuppe und genießt ihre raren Szenen. Sollte auch noch ein dritter Ableger kommen, was zu befürchten steht, dann bitte unbedingt mit Mia, äh. Uma. Ansonsten warten wir lieber auf den angekündigten „Highlander“-Reboot. Die Idee mag nicht originell sein, aber zumindest soll laut bisherigen Meldungen Jeff Stahelski Regie führen.

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