„Schatz im Silbersee“ zog ab 1962 eine regelrechte Welle von Karl-May-Verfilmungen nach sich, was für Mimen wie Götz George oder Karin Dor den Einstieg in eine erfolgreiche Schauspielkarriere einläutete. Auch ein gewisser Mario Girotti fand offenbar Gefallen am Euro-Western, - seine stahlblauen Augen wurden jedoch erst ab 1967 so richtig populär, als er und sein Dauerpartner die Künstlernamen Terence Hill und Bud Spencer erhielten.
Arizona, um 1890: Bislang war immer Don (Peter van Eyck) für den Viehtransport seines Vaters verantwortlich, doch nun meldet sein aufstrebender Bruder Larry (Mario Girotti) ebenfalls Ansprüche an. Als die Herde während einer Zwischenstation gestohlen und ein treuer Mitarbeiter tot aufgefunden wird, begibt sich Don auf die Suche nach dem Vieh und seinem verschollenen Bruder. Dabei begegnet er dem dubiosen Smokey Jim (Todd Martin)…
Regisseur Leopold Lahola versuchte die Gunst der Stunde zu nutzen und sprang auf den Zug der Westernwelle auf, wobei die Merkmale eines Trittbrettfahrers aufgrund der limitierten Geschichte und des überschaubaren Budgets rasch zutage treten. Es gibt keine Indianer, keine überfallene Postkutsche oder gar einen Eisenbahnraub, - im Grunde reiten nur ein paar Leute durch eine Felswüste und bedrohen sich gegenseitig, um zwischenzeitlich in einer Westernstadt mit Saloon Kontakte zu knüpfen.
Denn bis zur ersten erwähnenswerten Schießerei vergehen satte 50 Minuten, zwischendurch wird mit Nancy (Carole Gray) eine Dame ins Spiel gebracht, damit überhaupt eine nett anzuschauende Passivität mitmischt, und weil die Handlung überdies sehr deutlich an „Duell im Morgengrauen“ von 1958 angelehnt ist, lautet der unpassende Alternativtitel „Blaue Augen, schneller Colt“.
Tödlich getroffene Cowboys bluten natürlich nie und Faustschläge ins Gesicht hinterlassen keinesfalls Schrammen oder gar Blutergüsse, - doch mit welch geringem Aufwand Lahola heranging, untermalt eine Keilerei hinter zwei Felsen: Bis der Sieger sichtbar wird, sind nämlich nur jene zu sehen. Immerhin sind minimale Revolvertricks im Saloon passabel in Szene gesetzt, die Landschaftsaufnahmen gehen in Ordnung und auch der Showdown ist mit einigen Nahaufnahmen der Kontrahenten halbwegs genretypisch ausgefallen.
Was der Erzählung schlichtweg fehlt, ist das mitreißende Aufeinandertreffen von Gut und Böse. Der Konflikt unter den ungleichen Brüder wird sträflich vernachlässigt, einige Antagonisten werden allenfalls im Vorbeireiten gestreift und anstatt dem Helden einen unterhaltsamen Sidekick zu verpassen, wird der arme Wolfgang Kieling dazu verdonnert, einen grenzdebilen Lakaien zu verkörpern, durch dessen Adern offenbar mehr Whiskey denn Blut fließt.
Orientiert man sich an den Karl-May-Verfilmungen jener Zeit, fallen hier die Anflüge von Humor eher mau aus, wirken die Mimen weitgehend gelangweilt, desorientiert oder austauschbar und trotz halbwegs markanter Titelmelodie wird nicht allzu viel Abwechslung oder gar Spannung generiert. Genre- Komplettisten sollten ihre Erwartungen entsprechend niedrig halten, denn das titelgebende Duell kaschiert nicht das geringe Maß an Kreativität.
4,5 von 10