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Jurassic World - Die Wiedergeburt

Siebter Ableger der profitablen Saurier-Saga, der sich wieder mehr an Steven Spielbergs Original orientiert. Das gelingt vor allem hinsichtlich Cast, Optik und Rhythmus, in punkto erzählerischer und charakterlicher Tiefe hat das durchaus unterhaltsame Sequel aber noch Spielraum zur Optimierung.

Eines muss man dem Kinosommer 2025 lassen, es wird endlich wieder geklotzt anstatt gekleckert. Die beiden letzten Hollywood-Superstars überbieten sich mit halsbrecherischen Höchstleistungen zu Lande, zu Wasser, in der Luft (Tom Cruise in seiner finalen Mission Impossible) und auf der Rennstrecke (Brad Pitt als Formel 1-Maverick). Der (Noch-)Comic-Platzhirsch Marvel schickt gleich ein fantastisches Quartett (Fantastic Four) in das ewige Duell mit Rivale DC, schließlich blasen die mit dem global bekanntesten Helden zur großem Attacke (Superman). Da fehlt eigentlich nur noch der Urvater des modernen Bockbusterkinos, oder besser gesagt die Urviecher. Nach dem weißen Hai (und Lucas Sternenkriegern) hat kein Film Hollywoods Hitkonzept treffender verkörpert als „Jurassic Park“ (1993). Massen vor und in den Kinos, eine Mechandise-Maschinerie die selbst Pentagon Strategen vor Neid erblassen lies und Effekte, die auch 30 Jahre später noch für Gesprächsstoff sorgen.

Wie groß die Sehnsucht nach der Wiederbelebung der güldenen Blockbusterära der 1970er-90er ist, beweist so vor allem der inzwischen 7. Ableger der Saurier-Saga. Spielbergs Klassiker folgten zwei direkte Sequels und eine neu ausgerichtete „Jurassic World“-Trilogie. Aber trotz teilweise grandioser Profite (Jurassic World spülte 2015 fast 1,7 Milliarden Dollar in die Kassen) blieben erkennbar zwei Dinge auf der Strecke: Charme und Magie des 93er Originals. Mit „Jurassic World Rebirth“ soll dieser Malus endlich beseitigt werden, zumindest hatte sich das Regisseur Gareth Edwards besonders prominent auf die Fahnen geschrieben. Schließlich ist der 1975 geborene Engländer ein ausgewiesener Fanboy und hat in seinen beiden SiFi-Hits „Godzilla“ (2014) und „Rogue One: A Star Wars Story“ (2016) auch schon gezeigt, wie man klassische Stoffe respekt- wie effektvoll neu interpretiert.

Zumindest optisch ist diese Mission erneut gelungen. Anders als bei seinem letzten Film „The Creator“ drehte Edwards bewusst auf 35mm-Material, um dem typischen Look des Originals so nahe wie möglich zu kommen. Moderne Digitalkameras erzeugen häufig eine Sterilität und Künstlichkeit, die Distanz schafft, was gerade in einem Fantasyfilm über ausgestorbene Urzeit-Monster wenig zielführend scheint. Und tatsächlich atmet „Rebirth“ alte Abenteuerluft und erinnert damit weit mehr an Indiana Jones als an „Avatar“.

Dieser gezielt nostalgische Ansatz erklärt auch die Verpflichtung von David Koepp. Spielberg selbst brachte seinen alten Autoren-Kumpel (Koepp schrieb die Drehbücher zu 5 seiner Filme, darunter die ersten beiden Jurassic Park-Abenteuer) zurück ins Saurier-Spiel mit der lapidaren Frage „Do you have one more in you?“ Offensichtlich ja und offensichtlich mit einer Reset-Attitüde. „Jurassic World Rebirth“ spielt 32 Jahre nach Spielbergs Original, aber fühlt sich weit mehr wie eine organische Fortsetzung an als die gesamte „World-Trilogie“. Der Fokus liegt wieder klar auf einer kleinen Gruppe und ihren blutigen Zusammenstößen mit den Urzeit-Echsen. Technische Hilfsmittel gibt es kaum, dafür stehen Teamgeist, Erfindungsreichtum und Wagemut ganz oben auf der Liste. Die Handlung selbst wie auch die Figuren sind dabei relativ simpel gehalten, dienen aber dem Jump-and-run Charakter des Films höchst effektiv und stehen auch der klassischen Abenteuer-DNA nirgends im Weg.

Ein wenig Malen nach Dino-Zahlen ist das Ganze dann aber schon, zumal, wenn man über einen solchen Cast verfügt. Scarlett Johansson als toughe „Beschaffungs-Söldnerin“, Mahershala Ali als hemdsärmeliger Bootskapitän und Rupert Friend als dubioser Pharma-Schmierlappen sind schon allein ein Trio, dem man auch beim Picknicken noch zuschauen würde. Und „Lincoln Lawyer“ Manuel Garcia-Rulfo macht auch als havarierter Hobbysegler mit Familienanhang eine gute Figur und sorgt für die in solchen Filmen gern vernachlässigten Empathiewerte. Koepp zeichnet diese illustren Figuren allerdings unnötig eindimensional, was zwar dem B-Charme zuträglich ist, nicht aber der anvisierten Spielberg-Verbeugung.

Die gibt es dann dafür bei den Setpieces und den diversen Auftritten der quicklebendigen Fossilien. So erleben wir Attacken im und am Wasser, auf Steilwänden, im Gestrüpp und - als deutlichste Reminiszenz - in einer verlassenen Forschungsstation. Edwards und Koepp gelingen dabei immer wieder kleine Überraschungen in Sachen Perspektive, Erwartungshaltung und Schock-Momenten. Inhaltlich packt der Film ebenfalls ein paar interessante Ideen an, nutzt die aber nur für das grobe Setting. Dass die Saurier aufgrund der ökologischen Bedingungen schon wieder vom Aussterben bedroht sind, dient lediglich ihrer Konzentration auf ein paar Quarantäne-Inseln in Äquatornähe. Das Herumexperimentieren mit Saurier-Mutationen und -Kreuzungen erfüllt letztlich nur den Zweck variierter Angreifer und damit neuer Monster-Schauwerte.

„Jurassic World Rebirth“ lässt damit einige Möglichkeiten ungenutzt und setzt ein wenig zu sehr auf die Karten Nostalgie-Look und Human vs. Monster-Fights. Im Kontext einer lange vermissten Sommerblockbuster-Stimmung macht der siebte Saurier-Streich aber nicht nur Sinn, sondern auch Spaß. Für eine Industrie, der in den letzten. Jahren immer weniger zum Lachen zumute war, ist das nicht die schlechteste Botschaft. An den noch vorhandenen Schwächen kann dann ja in den sicher kommenden Sequels gearbeitet werden. Gerne wieder mit Edwards auf dem Stuhl und Koepp am Schreibtisch. Die beiden finden bestimmt einen Weg, oder Dr. Malcom?

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