Review

Experimente & Ergonomie

Das Original ist ein Meilenstein. Unberührbar. „The Lost World“ mag ich (wahrscheinlich durch die kindlich-rosarote Brille) viel mehr als die meisten. Teil 3 war und bleibt ein Kinotiefpunkt für mich, den mag ich weit weniger als die meisten. Der „Restart“ mit „Jurassic World“ war anfangs okay, die beiden Sequels wurden immer schlimmer, unnötiger bis nahezu unterirdisch. Chris Pratt hat irgendwann nur noch genervt. Und nun kommt ein weiterer „Jurassic World“ - aber eher eigenständig und solo zu sehen. Eine Mission, ein Film, neue Figuren, fertig. Kein Wischiwaschiworldbuilding. Das ist ein lobenswerter Ansatz. Aber geht die Rechnung nun endlich mal wieder im grünen Bereich auf? Oder ist „Rebirth“ nur ein weiterer seelenloser Cashgrab eines Blockbusterfranchises, das längst seinen Biss verloren hat? Erzählt wird von einer militärisch-wissenschaftlich gemischten Truppe, die in eines der gefährlichsten Dinogebiete am Äquator geschickt wird, um Blut, DNA bzw. ein mächtiges Herzinfarktheilmittel aus drei der größten Dinosaurier zu extrahieren…

ScarJo vs. Monsterdinos

Für mich ist „Jurassic World: Rebirth“ ein solider Abenteuerfilm, ungefähr auf dem Niveau des ersten „World“. Etwas drüber. Dinos gehen halt immer - bei mir Anfang der 90er, bei meinem Sohn jetzt. Die Urzeitriesen bleiben zeitlos faszinierend, gerade für Kinder. Oder eben Monsterfans. Und ich glaube gerade aus diesen beiden Blickwinkeln macht Gareth Edwards hier gar nicht allzu viel falsch. Das hat man schon weitaus austauschbarer und egaler gesehen. Ohne zu sagen, dass „JW: Rebirth“ wirklich toll, spannend oder bissig ist. Ganz und gar nicht. Aber er ist eben brauchbar. Passabel. Ein hübscher Timewaster. Trotzdem merkt man selbst hier, im womöglich besten Fall, dass diese Dinos für Universal eben mittlerweile feste Einnahmequelle und Produkt sind - und das wird gemolken. Mal etwas besser, mal etwas schlechter. Aber so richtig Seele, Eigenständigkeit und Wow-Faktor hat auch „Rebirth“ nicht. Zumindest nie genug. ScarJo macht das in Ordnung als Actionheroine. In den besten Momenten kommt etwas Abenteuer- und Survivalfeeling auf, wie in Peter Jacksons „King Kong“. Der Rankor-ähnliche D-Rex hat mich schmunzeln lassen. Aber im Grunde bleibt's bei einem milden Grundkribbeln, nie der vollen Dröhnung Nägelkauen und „In den Sitz gedrückt werden“. Der Film sieht aus wie ein Film, weitaus weniger digital als die letzten drei Ableger. Das ist immer ein Plus und nett für's Auge. Audiovisuell allgemein lässt sich das nicht lumpen und wummst immer schön. Und einzelne Passagen und Momente mit effektiven Dinoangriffen zeigen grundsätzlich, dass Edwards in diesem Metier zuhause ist. Er macht das gut. Sehr gut sogar bei manchen Horroranleihen. Manchmal steigt da gar der Puls. Nur leider hilft das nicht, wenn das gewisse „Prometheus“-Dummheitsgefühl zu oft eintritt und ich mir öfters an den Kopf packe als an einem Tag mit Migräne. Was meine ich damit? Snickerspapier, das zum GAU führt. Söldner, die schießen, wenn sie Wasser ins Auge bekommen. Typen, die auf Stein klopfen wenn riesige Flugdinos in der Nähe sind. Gummiboote, die durch T-Rex-Bisse nicht kaputt gehen. Und das sind nur ein paar Spitzen dieses stupiden und fetten Eisbergs, der mich im Endeffekt dann doch an allem Zweifeln lässt, was ich hier eigentlich cool finde. Es kommt einfach zu viel zu wenig IQ zusammen. Ja, selbst für einen flachen „Monstermovie“. Und am Ende überleben mir auch noch viel zu viele…

Erstmal'n Snickers… 

Fazit: ein schöner Look und ein paar für sich genommen tolle Monsterszenen helfen „JW: Rebirth“ zu leicht verdaulicher, schnell vergessener Sommerblockbusterunterhaltung. Aber zu viele Dummheiten, seltsame Drehbuchschwächen, Franchisemomenterecycling und erstaunlich viele blasse bis schlicht unsympathische Figuren reißen sehr viel mit dem Hintern wieder ein… Trotzdem der beste „Jurassic“-Film seit den 90ern?! Joa, wahrscheinlich. Leider heißt das nicht sehr viel. 

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