Bei „Bride Hard“ steckt das Rezept gewissermaßen im Titel: Eine Mischung aus „Bridesmaids“ und „Die Hard“, doch dazu mit zwei Stars aus „Pitch Perfect“ in den Hauptrollen, wie der Trailer nochmal besonders herausstellt.
An Paul Feigs Komödienhit von 2011 erinnert das Hochzeitsszenario, inklusive der Trauzeugin als Hauptfigur, der besten Jugendfreundin als Braut und der intriganten Kuh als Möchtegern-Trauzeugin. Wobei die Konflikte hier schnell im Auftakt abgefrühstückt werden: Sam (Rebel Wilson) soll die Hochzeit von Betsy (Anna Camp) planen, entfernt sich jedoch unerlaubt von deren Junggesellinnenabschied, weshalb sie durch Betsys Schwägerin in spe Virginia (Anna Chlumsky) ersetzt wird. Der Twist von „Bride Hard“ ist allerdings der, dass Sam eigentlich Geheimagentin ist und für die Wiederbeschaffung einer Biowaffe ohne Erklärung von der Feier abhaut, da sie sich ja schwerlich über die Gründe dafür auslassen kann. Betsys Brautjungernclique wird komplettiert durch ihre Collegefreundinnen Lydia (Da’Vine Joy Randolph) und Zoe (Gigi Zumbado).
Trotz des Streits mit Betsy geht Sam nach etwas Ermutigung durch ihre Geheimdienstkollegin Nadine (Sherry Cola) doch zur Hochzeitsfeier, wo gleich das Ensemble weiterer Nebenfiguren wartet: Der überschwängliche Bräutigam Ryan (Sam Huntington), Betsys patenter Vater Frank (Michael O‘Neill), der adrette Trauzeuge Chris (Justin Hartley) usw. Außerdem wird gleich die Location etabliert, nämlich eine kleine Insel in Savannah in Georgia. Die bietet nicht nur eine hübsche Kulisse, sondern ist außerdem so abgelegen, dass man sie in bester „Die Hard“-Manier einnehmen kann.
Genau das passiert nämlich am Tag der Hochzeit, als Söldnerchef Kurt (Stephen Dorff) und seine Mannen die Insel stürmen, um an das Vermögen der schwerreichen Familie von Ryan heranzukommen. Wie dereinst John McClane in John McTiernans Klassiker ist Sam aber gerade abwesend, als der Rest der Hochzeitsgesellschaft als Geiseln genommen wird, und kann als Einzelkämpferin einen Privatkrieg gegen die Übelwichte führen…
Mit „Con Air“ hatte Regisseur Simon West anno 1997 nicht nur sein Spielfilmdebüt abgeliefert, sondern dabei auch eine der besten „Stirb langsam“-Varianten abgeliefert. Das kann man über „Bride Hard“ dagegen wahrlich nicht sagen, der sich diverse Story-Beats beim großen Vorbild abgeschaut etwa, etwa das langsame Öffnen des Tresors auf Zeit. Geboten wird extrem langweilig geplottete Routine aus der Feder von Shaina Steinberg, deren Figuren selbst für Brachial-Comedy-Verhältnisse zu wünschen übriglassen. Die Knallchargen sind weitestgehend egal, selbst die im Dialog zigfach beschworeene Freundschaft zwischen Sam und Betsy trotz aller Differenzen wirkt wie ein fader Genrestandard, den man „Bride Hard“ kaum abkaufen will. Es gibt eine nette Überraschung bezüglich einer Nebenfigur, andere theoretisch interessante Plotstränge werden dagegen direkt fallen gelassen. Da wird aus „Bridesmaids“ übernommene Gekäbbel um die Rolle der Trauzeugin schnell ad acta gelegt, ehe Virginia am Ende sang- und klanglos die Qualitäten von Sam eingestehen muss – Kunststück, sie hat ja gerade allen Anwesenden den Arsch gerettet.
Immerhin sorgt der Streit der beiden Brautjungfern noch am ehesten für ein paar gelungene Gags, mit mehr oder weniger subtilen Gemeinheiten, darunter eine Attacke via Blasrohr, die Zimmerpositionierung oder die Vernachlässigung beim gemeinsamen Wellness-Tag. Ansonsten gibt es die genreüblichen Gags, wenn Menschen inmitten des Klamauks teilweise recht brachial über den Jordan gehen (etwa mit Etageren-Spitze im Bauch), eher für Fremdscham sorgen die Holzhammer-Sex-Gags mit Blase-Anspielungen und der Dauerwuschigkeit von Lydia. Regie und Drehbuch halten es fälschlicherweise auch für eine gute Idee jeden noch so flachen Running Gag dermaßen so oft zu wiederholen, dass es gegen Ende echt nervt. Wobei der Schlussspurt eh noch mal mit einer Plotwende aufwartet, die selbst im Brachial-Klamauk-Kontext des Films unglaubwürdig erscheint: Da wollen Betsy plus Brautjungfern die patente Sam im Terrorkampf unterstützen, stürmen bewaffnet mit Säbeln und antiken Pistolen herbei, nieten zwar keine Schurken um, aber schon die Grundidee scheint selbst für diese Verhältnisse unsinnig. Noch absurder wird es dann, wenn Betsy im Finale sogar nach aktiv mitmischt und auch mal das Bord-MG eines Luftkissenboots bedient, was beste Freundinnen halt so gemeinsam machen. Ebenfalls sehr fraglich bleibt, warum Kurt trotz des Wissens um Sams Identität nur seine Mannen nach ihr jagen lässt und sie nie mit potentieller Geisel-Exekution erpresst; an dem Tag in der Hans-Gruber-Schule für Oberbösewichte hat er wohl blau gemacht.
Komödie ist also weniger das Metier von West, Action schon eher, aber auch da wechseln sich Licht und Schatten ab. Die Szenen, in denen Rebel Wilson gedoubelt wird, fallen schon durch die Akrobatik der Stuntleute auf, aber immerhin gibt es gerade in der Filmmitte einige nett choreographierte Fightszenen, in denen Sam harte Wachskerzen als Schlagwaffe benutzt, Schurken via Rasensprenger elektrisiert oder Mehl zur Explosion bringt. Vor allem eine Nahkampfszene mit zwei Lockenstäben als Sams Waffe der Wahl und eine längere Sequenz zu „It’s Raining Men“ in der Küche beweisen Einfallsreichtum seitens Fight Coordinator Adam Lytle. Doch auch die Action wird mit weiterem Verlauf immer fader und unübersichtlicher, schwer enttäuschend kommt das Finale daher. Eine Verfolgungsjagd auf MG-bewehrten Luftkissenbooten über Land klingt auf dem Papier launig, wird aber vom Schnitt und vom Timing miserabel umgesetzt, ein, zwei guten Stunts stehen lauter Szenen mit unfassbar billigen Rückprojektionen entgegen, bei denen man deutlich sieht, dass die Beteiligten nicht wirklich in Action sind.
Gemäß dem Marketing-Hook spielen Rebel Wilson und Anna Camp dann auch in erster Linie Abwandlungen ihrer „Pitch Perfect“-Rollen. Wilson ist die patente Macherin mit sozialem Nachholbedarf, hier berufsbedingt, denn auch sie lebt mal wieder für ihren Job wie diverse männlichen Agentenkollegen. Das ist okayes Ulknudel-Niveau, das Setting beschwört allerdings Assoziationen zum Melissa-McCarthy-Vehikel „Spy“ (wie „Bridesmaids“ von Paul Feig) herauf, dessen Hauptdarstellerin dort wesentlich besser ablieferte. Camp gibt die Miss Perfect, hier weniger neurotisch und nahbarer als in den „Pitch Perfect“-Filmen, schlägt sich aber auch ganz gut. Am ehesten punktet Stephen Dorff als kalt-kalkulierender Profisöldner, in Nebenrollen machen Sam Huntington, Anna Chlumsky, Michael O’Neill, Colleen Camp und Glen-Powell-Lookalike Justin Hartley das Beste aus ihren eindimensionalen Parts. Riesengroßes Nervensägenpotential beweisen dagegen Da’vine Joy Randolph und Gigi Zumbado, was aber mit an ihren Rollen liegt: Randolph spielt die dauergeile Dicke, die den Priester bei jeder Gelegenheit angräbt, Zumbado muss in erster Linie Schwangersein spielen und sich über ihren feigen Film-Ehemann aufregen.
„Bride Hard“ ist immerhin etwas erträglicher geraten als Wests voriger Komödienversuch „Old Guy“, sonderlich gut ist der Mix aus tiefergelegter Brachial-Comedy und überdrehter Action allerdings auch nicht. Die Trefferquote der Gags ist überschaubar, die Action hat einige nette Einfälle, ist an anderer Stelle dafür ebenso langweilig wie billig inszeniert, und die Handlung ist selbst für Klamaukverhältnisse manchmal zum Haareraufen. Sauber produziert ist das Ganze, Dorff als Schurke macht Laune, insgesamt aber eine eher mäßige Angelegenheit.