Sonniger, lustiger, banaler
„Nobody“ war vor vier Jahren mitten in der Pandemie erfrischend handfest, hart und oldschool. Im Grunde auch nur die „Dadversion“ von John Wick. Aber er hat damals vollkommen funktioniert für mich. Die „Busszene“ würde ich sogar immer noch zu den coolsten Actionszenen des Jahrzehnts zählen. Zumindest aus dem Westen. Die kam in dieser Brillanz aus dem Nichts. Nun ist Bob Odenkirk als „Niemand“ zurück - und im Urlaub mit seiner Familie! Doch auch dort zwischen Jahrmärkten und Badeorten kommt der ausgebildete, unscheinbare Killer nicht wirklich weg von Stress mit fiesen Gangstern und korrupten Cops…
Fick die Deeskalation!
Im Grunde wirkt „Nobody 2“ als ob Regisseur Timo Tjahjanto zu seinen Produzenten bei Universal gesagt hätte: „Gebt mir einen Jahrmarkt und ungefähr das Team (vor wie hinter der Kamera) aus'm Ersten… Und ich schustere euch eine vollkommen kompetente, zugängliche Fortsetzung!“. Und so ist’s dann auch in etwa eingetreten. Der Biss fehlt, der Wow-Faktor fehlt, jegliche Überraschungen fehlen und im Grunde werden nur die gewohnten Sequelhäkchen abgetickt. „Doc Brown“ wirkt komplett vergeben. Boot statt Bus. Urlaub statt Heimat. Mehr Lacher. Mehr Rocksongs. Mehr Augenzwinkern. Mehr Plotrüstung für die Guten. Mehr Selbstbewusstsein. Eine gute böse Sharon Stone mit Spaß an der Sache obendrauf. Das ist durchaus für Beginner, da rockt nicht nur Das Boot…
Hätten den früher Cannon oder Carolco gemacht?
Fazit: Tonal wesentlich lockerer, insgesamt wesentlich egaler. Aber immerhin kurz und knackig. Trotzdem irgendwie für den hohlen Zahn. Daraus muss meiner Meinung nach jetzt kein ausgewachsenes Franchise werden… Vor allem Odenkirk wirkt wesentlich zähneknirschender und angespannter entgegen dem Ton dieses sonnigen Gewaltvehikels… Vielleicht ahnte er schon was wird.