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Gavin hat AIDS. Und gute Freunde. In Form von Anna und Charlie. Als es langsam kritisch um Gavin wird, bittet er eben jene 2, ihn zu Hause sterben zu lassen und sich bis zuletzt um ihn zu kümmern. Sie leisten sogar Sterbehilfe. Nach dem Tod Gavins zeigt sich, wie Anna und Charlie, ja auch andere Bekannte und Verwandte des Verstorbenen mit dessen Tod umgehen.

Jaja, die guten Delikatessen auf SF1. Spät nachts auf den Film, hauptsächlich seiner Handlung wegen, aufmerksam geworden, schmiss ich den Videorecorder an, um ihn mir wannanders anschaun zu können.

Es ist schon ein einmaliger Film, muss man ganz klar so sagen. Das ist auch keine Übertreibung oder sonstwas, nur die Art des Films sucht tatsächlich seinesgleichen. "Walking on Water" beginnt, wie viele Filme aufhören. Mit einer mitnehmenden und wirklich schockierenden Sterbeszene. Nicht schockierend im Sinne von brutal, doch was da einem gezeigt wird und vor allem, wie intensiv das Ganze gespielt wird, das ist schon mal harter Tobak.

Diese "Eröffnungsszene" dann verdaut, beginnt die eigentliche Story des Films. Es geht darum, wie die Hinterbliebenen Gavins mit dessen Tod klarkommen. Die Mutter stattet samt zweitem Sohn, dessen Frau und dessen Kind, Gavins Freunden einen Besuch ab. Dadurch wird es noch interessanter, die ganzen Charaktere mitzuerleben bei ihrer Art von Verarbeitung des Verlusts. Anna scheint die Erwachsenere von Gavins Freunden zu sein. Sie organisiert, bleibt besonnen und macht einen recht organisierten Eindruck. Charles hingegen stürzt sich ins Nachtleben, in Schwulenclubs und vor allem, er nimmt Drogen. Um sich abzulenken, den Tod seines Kumpels besser zu verkraften.

Hört sich alles sehr mitreißend und vor allem traurig an. Ist es auch. Doch "Walking on Water" hat in seiner Art irgendwie Ähnlichkeiten mit der auf Zelluloid gebannten Genialität namens "Six Feet Under". Trotz traurigstem Themas schafft es der Film, einen hin und wieder zum innerlichen Schmunzeln, wenn nicht sogar zum Lachen zum bringen.

Wenn die Mutter von Gavin mit Charlies Freund Frank im Garten sitzt und sie ihm sagt, er könne über den Zitrusbaum pissen, da solche Bäume Urin mögen und Frank, mit einem Joint in der Hand, dann daraufhin sagt, er hat sich überlegt, Gavins letzten vollurinierten Nachttopf über den Baum zu gießen, dass aber von Nachteil wäre, weil sich zu viele Toxide in Gavins Urin befunden hätten, dann ist das in "Walking on Water" kein schwarzer Humor, sondern einfach nur gut gemeint von den Charakteren. Solche Magic Moments finden sich zuhauf in diesem kleinen Meilenstein des Independent-Kinos.

Vordergründig geht es dem Film natürlich um die Hinterbliebenen, nachdem ein Vewandter oder Bekannter von ihnen gegangen ist. Und wie schon erwähnt, es wird glaubhaft und vor allem realistisch gezeigt, wie verschieden Menschen eben auf solch eine Extremsituation reagieren. Hier wirkt nichts fiktiv oder gekünstelt, man nimmt sowohl der Story als auch der Spielweise der Schauspieler alles ab, nichts wirkt übertrieben oder deplatziert.

"Walking on Water" ist ein traurig-witziges Vergnügen, das aber auch durchaus seine harten Momente hat. Sei es die Sterbeszene Gavins oder gegen Ende der Vorwurf Annas gegenüber Charlies. Hier aber jetzt mehr zu verraten, wäre unangebracht.

Ein intensiver Film, überragende Schauspieler, tolle Musik, eine packende Kamera und eine anspruchsvolle Handlung. Wie man es von wirklich guten Independentfilmen eben gewöhnt ist.

Anschauen.
Mitleiden.
Mitlachen.
Staunen.
Und sich freuen, einen wirklich unglaublich guten Film gesehen zu haben.

9/10 Punkte

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