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Wenn Steven Soderbergh seine Finger im Spiel hat, wird man erst einmal hellhörig. Geht es jedoch um Kryptowährungen, sind zunächst alle raus, die mit C64 und Sparbuch aufgewachsen sind. Das weitgehend durchdachte Skript bewirkt jedoch, dass man trotz überschaubarer Figurenkonstellation am Ball bleibt.

Massachusetts im Winter: Billy, Dom und Eva wurden getäuscht, da sie nicht geringe Mengen in eine vermeintlich gewinnbringende Kryptowährung investiert haben. Eva konnte jedoch den Landsitz von Charly ermitteln, jenem Drahtzieher, der sämtliche Investoren betrog und seinen Tod vortäuschte. Man fixiert den Betrüger und versucht an die Cold Wallets zu gelangen, denn die Zeit tickt gegen alle vier…

Der Titel ist natürlich auch ein Begriff aus der Welt der Shitcoins. Cold Wallets kann man sich wie einen Tresor vorstellen, der definitiv offline ist. Das könnte beispielsweise ein USB-Stick sein, auf dem Codes versteckt sind, um sie vor Hackern zu schützen. Und, wie es der Zufall will: Sie könnten, dürften oder sollten sich in jenem von Schnee umgebenen, einsamen Landhaus befinden, in dem sich über weite Teile das Szenario Richtung Home Invasion abspielt.

Die Ausgangssituation bringt bereits bitteren Zynismus ins Spiel, denn Billy, die eigentliche Hauptfigur des Unterfangens, lebt von seiner Frau getrennt und überrascht seine Tochter an Weihnachten mit einer brandneuen Spielekonsole, um kurz darauf festzustellen, dass der Kurs gnadenlos im Keller ist. Vorbei mit dem Traum des Eigenheims und der besseren Zukunft des Nachwuchses. Dom scheint auf den ersten Blick geerdeter und stets darauf bedacht, seine Mitte zu finden, was im Verlauf ebenfalls für seichte Situationskomik sorgt. Leider bleibt Eva nicht mehr als das Abziehbild einer Hackerin in steter Hektik.

Was also passiert mit drei Gangstern, die nahezu planlos zur Tat schreiten? Es gibt Chaos und soviel sei verraten, mindestens eine verletzte, wenn nicht gar getötete Person.
Wobei zu bedenken ist, dass selbst Charly als offensichtlicher Bösewicht wahrscheinlich versuchen wird, die drei gegeneinander auszuspielen, während unumgängliche Wartezeiten die Nerven blank liegen lassen.

Leider treibt Regisseur und Co-Autor Cutter Hodierne sein kammerspielartiges Treiben nie so ganz auf die Spitze. Skurrile Momente bleiben Mangelware, zuweilen wird etwas zuviel taktiert und auch die Atmosphäre des verschneiten Settings kommt nur ansatzweise zur Geltung. Während darstellerisch nichts anzukreiden und der Score ordentlich abgestimmt ist, bleibt auch die Kameraarbeit eher eindimensional.

Wer bereits von dem Fall der Kryptoqueen gehört hat, weiß wie furchtbar so ein Schneeballsystem für alle Menschen enden kann, die viel und manchmal sogar alles investiert haben. Insofern schürt die Geschichte durchaus Empathie für die Protagonisten, denn am Ende dürfte sie nur Verlierer hervorbringen.
Suspense und Sarkasmus ergeben diesbezüglich eine gute Mischung, mit etwas besserem Timing wäre allerdings noch mehr drin gewesen.
7 von 10
 


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