Als Ursprungsidee könnte man den Regiedebütanten Justin Shilton und Rob Zazzali folgende Metapher unterstellen: Ein blondes Model aus Deutschland macht in den USA Karriere. Als diese sich mehr oder minder dem aktiven Ende zuneigt, mischt es in verschiedenen Fernsehshows mit und nutzt diverse soziale Plattformen, um den willigen Interessenten nahezu täglich über sich und ihr Umfeld zu berichten, - und ihnen damit die Lebensenergie zu rauben. Nur so ein Gedanke, aber man hat das Titelgebende Heidi genannt.
Venice Beach: Heidi ist eine mäßig erfolgreiche Influencerin. Für ein Shooting nötigt ihr Freund sie ins Meer zu gehen. Doch dort beißt sie ein Hai, welcher offenbar von der austretenden Substanz eines nahe gelegenen Atomkraftwerks naschte. Daraufhin verwandelt sich Heidi in einen Hybriden, der zunehmend ein Verlangen nach menschlichem Blut entwickelt…
Man hätte die Chose auch „Sharkula“ nennen können, doch den gibt es bereits zweimal (2016 und 2022). Denn die titelgebende Dame verwandelt sich nur insofern, als dass sich in entsprechenden Momenten ihr Gebiss in das eines Piranhas ändert, da die Abteilung Make-up und Maske keine Lust hatte, auch noch den Kieferbereich der Darstellerin zu vergrößern.
Es hat also mehr von einer Vampirin, welche sich zunächst jene schnappt, die es auf moralischer Ebene auch verdient haben, da sowohl die Modelbranche als auch die Existenz in Sozialen Medien einem globalen Haifischbecken entspricht.
Mit explizit dargestellten Gewalteinlagen ist aber nicht viel, sogar in Vampirfilmen mit Bela Lugosi war gefühlt mehr zu sehen: Lippen umschließen den Hals, ein wenig Blut fließt, tot.
Und so muss man eine ganze Weile den halbwegs freizügigen und durchweg oberflächlich gehaltenen Gebaren der Jungen und Schönen in Venice Beach beiwohnen, während in der ganzen Zeit nicht ein Hai zu sehen ist, - es gibt ja Haidi.
Während Tierhorrorfans folgerichtig in die Röhre schauen, ergeht es Monsterfreunden mit Hang zu Trash nicht besser. Trotz kurzer Luftaufnahmen geben die glatt geleckten Kulissen nichts her, dem gleichen sich die austauschbaren Gesichter der nicht gänzlich schlechten Mimen an, nur der Score ist in einigen Momenten um ein sauber abgestimmtes Timing bemüht. Jenen Klängen stehen allerdings unsäglich üble Songs gegenüber, deren Gesang ausschließlich aus Auto-Tune besteht.
Die Bedrohung nimmt im Verlauf sogar noch ab, da Heidis beste Freundin (natürlich Meeresbiologin) und ein zufälliger Bekannter (natürlich investigativer Journalist) den Fischbraten riechen und minimal aktiv werden, indem sie sich einigen Verschwörungstheoretikern zuwenden. Die unpassende Besetzung geht dabei so weit, uns einen abgehalfterten Surferboy als renommierten Wissenschaftler im Ruhestand zu präsentieren.
Leider nimmt sich das eindimensionale Treiben durchweg ernst, so dass man während und nach dem Showdown eher darum bemüht ist, eine Brücke zu einer möglichen Fortsetzung zu bauen, welche dann in Richtung „Men in Black“ gehen könnte. Hinsichtlich des kaum vorhandenen Budgets, der nicht vorhandenen Spannung und den ansonsten ausbleibenden Schauwerten kann man das auch als Drohung verstehen.
2,5 von 10