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Ballernde Ballettänzerinnen scheinen irgendwie en vogue zu sein. Neben dem koreanischen Reißer BALLERINA (2023, auf Netflix) erscheint zeitgleich zu diesem Film auch das augenscheinlich billige Ripoff BALLERINA ASSASSIN und schon Jennifer Lawrence war 2018 in RED SPARROW eine Primaballerina mit Spionagenebenjob. Und das, obwohl der Baller-ina-Titel ja nur im Deutschen die herrliche Zweideutigkeit eines Bahnhofskinoreißers bietet. 

Regisseur Len Wiseman hat sich einen „Namen“ gemacht mit der UNDERWORLD Reihe, dem ersten schlechten DIE HARD Sequel sowie dem öden TOTAL RECALL Remake. Nicht gerade die ideale „Calling Card“, um das beste Actionfranchise der letzten Jahre mit einem Spinoff fortzuführen. Oder passender: breitzutreten. Denn der Film ist eine einzige Ansammlung von Klischees, die wir in Luc Bessons LA FEMME NIKITA und in zahlreichen darauffolgenden Filmen schon deutlich besser (HANNA, KATE, ATOMIC BLONDE), aber auch noch schlechter (RED SPARROW, ANNA, AVA) gesehen haben. Die original „Nikita“, Anne Parillaud, ist kurz als Hotelconcierge zu sehen, was vielleicht als Hommage gedacht war, im Gesamtkontext hier jedoch eher wie Blasphemie anmutet. 

Dass der Hauch von Story (junge Frau wird zur Killerin ausgebildet und will sich an den Mördern ihres Vaters rächen) im leicht futuristisch angehauchten, neonbunten JOHN WICK Universum spielt – geschenkt. Keanu Reeves schaut zwar ab und zu vorbei und darf sich auch ein bisschen raufen, aber das „Wickiverse“ lebte ja vor allem von den ausgeklügelten und gnadenlosen Stuntchoreografien des Ex-Stuntmans Chad Stahelski. Zwar gibt es auch hier einige ordentliche Action-Setpieces, doch sie sind bei weitem nicht so elegant inszeniert, entwickeln nur selten den Impact des Originals, alles wirkt glatter, gelackter und die Szenerie mit dem Flammenwerfer ist einfach nur unnötig grausam. 

Es ist wirklich schade um Ana de Armas, die 2021 in NO TIME TO DIE einen phänomenalen Einstand als Actionheldin hatte und seitdem von minderbegabten Regisseuren in mittelmäßigen Actionvehikeln wie THE GRAY MAN und GHOSTED verbraten wird. 

Je nachdem, wem man glaubt, drehte Stahelski nach miserablen Testscreenings einen großen Teil des Films nach, um Schadensbegrenzung am Franchise zu betreiben. Auf DVD und Bluray kann man sich rund eine halbe Stunde Deleted Scenes ansehen, die fast ausschließlich ungekürzte Kampfszenen zeigen. Mit diesen ausgedehnten Fightsequenzen wäre BALLERINA tatsächlich nochmal ein etwas anderer Film geworden – einer, der ähnlich den letzten JOHN WICK Filmen eher seine Stuntexpertise zur Schau stellt als seine Handlung. Es wäre ein besserer Film geworden.

6.5/10

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