Eines muss ich gleich vorwegnehmen: Ich war nie ein großer Fan von Michael „Bully“ Herbig, und mit Western – vor allem den originalen Winnetou-Filmen – konnte ich noch viel weniger anfangen. Doch dann kam Der Schuh des Manitu (2001). Ich sah ihn damals mit meinen Schulfreunden im Kino – und wir haben uns totgelacht. Dieser Film war danach auch meine erste DVD und wir schauten ihn in der Familie rauf und runter und fanden ihn sauwitzig.
24 Jahre später nun die Fortsetzung. Die Erwartungen waren, nachdem ich in ersten Kritiken Formulierungen wie „gar nicht mal so schlecht“ oder „stellenweise wirklich lustig“ gelesen hatte, durchaus vorhanden einen doch ganz lustigen Streifen sehen zu dürfen. Leider wurde ich vollends enttäuscht!
Schon der direkte Vergleich mit Teil 1 macht deutlich, wo die Schwächen liegen. Klar, auch beim Original war die Handlung nur Vehikel für Gags – aber sie war straff erzählt, lebendig und sprühte vor Energie. Die Figuren waren mit so viel Hingabe gespielt, dass selbst die ganz flachen Witze getragen wurden. In Das Kanu des Manitu wirkt dagegen alles behäbiger: Die Story ist noch belangloser, zugleich aber umständlicher erzählt. Szenen ziehen sich, und Pointen verpuffen, oder sind häufig gar nicht vorhanden.
Bully Herbigs handwerkliches Können als Regisseur steht dabei außer Frage. Die Bilder sind schön, die Sets solide, die Technik sitzt. Doch wo Teil 1 ein komödiantisches Feuerwerk zündete, herrscht hier gähnende Leere. Im Kino musste ich kein einziges Mal lachen – nicht einmal schmunzeln.
Den Darstellern kann man dabei kaum einen Vorwurf machen. Michael Bully Herbig als Abahachi und Christian Tramitz als Ranger sind sichtlich gealtert, aber immer noch mit Charme dabei. Doch leider fehlt es ihren Dialogen und Aktionen an einem guten Drehbuch. Rick Kavanian als Dimitri, im ersten Teil mit pointierten Wortwitz, bleibt völlig blass – ja, spielt stellenweise fast schon ernst. Seine zweite Rolle, der Deputy Ratford mit ostdeutschem Dialekt, wirkt wie ein müder Nebenwitz ohne Relevanz. Auch Bully selbst bleibt in seiner Doppelrolle als Winnetouch ungewohnt zahm, fast gehemmt.
Jasmin Schwiers als Mary, Dimitris neue Begleiterin bringt Wärme, Charme und eine Stimme mit, die man einfach gern hört. Doch auch sie kann das inhaltliche Vakuum nicht füllen.
Ebenfalls neu im Ensemble sind Jessica Schwarz als Chefin einer Gaunerbande sowie Friedrich Mücke als Sheriff Kane. Doch auch hier fehlt es an Profil und echter Spielfreude – ihre Figuren bleiben blass, uninteressant und ohne den Funken, der sie erinnerungswürdig machen würde. In den Nebenrollen tauchen u.a. Tutty Tran und Merlin Sandmeyer auf: bemüht, aber letztlich vom schwachen Drehbuch im Stich gelassen.
Und dann, ein nostalgischer Gruß aus besseren Zeiten, kehrt Sky du Mont als Santa Maria zurück – nachgedreht wie einst im ersten Teil. Und auch hier das gleiche Problem: Er ist da, ohne etwas beizutragen. Weder interessant, noch witzig, noch irgendwie überraschend.
Fazit:
Das Kanu des Manitu ist ein Paradebeispiel dafür, wie man Potenzial ungenutzt verpuffen lassen kann. Die Basis – beliebte Figuren, ein bewährtes Setting, erfahrene und/oder motivierte Darsteller – alles war vorhanden. Doch das schwache Drehbuch, das jede Leichtigkeit und Originalität vermissen lässt, macht alle Bemühungen zunichte. Aus dem Film hätten Bully und seine Truppe viel machen können. Stattdessen bleibt er ein müder Schatten seines Vorgängers – technisch solide, aber dramaturgisch und humoristisch komplett in den Sand gesetzt. Dazu teilweise auch noch die ewig nervige Musik aus der Feder von Stefan Raab. Nö, einfach nö.