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Egal ob Buddy Cop Movies oder Filme über animierte Tiere – beide Genres bieten sich im Erfolgsfall für ein Sequel an, sodass es bei „Zoomania 2“ in erster Linie fraglich ist, warum die Fortsetzung zu dem Megahit von 2016 neun Jahre bis zum Release in Anspruch nahm.
In der „Zoomania“-Welt ist freilich nur wenig Zeit vergangen. Die Häsin Judy Hopps und der Fuchs Nick Wilde sind mittlerweile Partner bei der Polizei, nachdem sie gemeinsam die Machenschaften der Bürgermeisterin enttarnt haben (siehe „Zoomania“) und der frühere Gauner Nick die Polizeischule durchlaufen hat. In bester Buddy-Cop-Tradition wollen die beiden schnell den nächsten Erfolg und versuchen sich an einer Undercover-Operation, die in einer wilden Verfolgungsjagd und reichlich Schäden an Vehikeln und Umgebung endet – quasi wie beim Auftakt von „Lethal Weapon 2“. Der Ameisenbär-Verbrecher wird immerhin gestellt, doch es sind die Zebra-Kollegen, welche die Verhaftung einstreichen, weshalb Judy und Nick von Chief Bogo nochmal ganz besonders zusammengestaucht werden, ebenfalls in bester Tradition des Polizeifilms.
Als Strafe erfolgt genregerecht nicht nur der Abzug vom Fall, sondern auch eine verordnete Partnertherapie für die beiden Buddys. Letzteres machen beide eher zähneknirschend mit, ersteres nur scheinbar, da die Kollegen den entscheidenden Hinweis, ein Stück Schlangenhaut zwischen Schmuggelware, kleinreden. Nachdem es im Vorgänger um das Zusammenleben von fleischfressenden und vegetarischen Säugetieren ging, kommen hier also die Reptilien hinzu, von denen die Schlangen aus der Stadt Zootopia ausgeschlossen wurden. Ein Mord an einer Schildkröte ist der alte (Sünden-)Fall, nun finden sich Hinweise auf die Jubiläumsfeier der Wettermaschine, die dafür sorgt, dass in den verschiedenen Vierteln von Zootopia ideale Bedingungen für die jeweiligen Spezies herrschen. „Zoomania 2“ betreibt dezentes Worldbuilding, greift Aspekte des Vorgängers auf, um sie zu vertiefen und für den eigenen Plot relevant zu machen.

Jener kommt dann so richtig in Gang, als bei der Jubiläumsgala eine Schlange aufkreuzt, um das Tagebuch des Erfinders zu stehlen, dessen Nachkommen, die Luchs-Familie Lynxley, das Fest ausrichten. Nick und Judy verfolgen den Dieb, der wiederum beteuert nur den Namen seiner Familie reinwaschen zu wollen, und landen selbst auf der Fahndungsliste, als sie ihn entkommen lassen…
Jared Bush und Byron Howard, die gemeinsam mit Rich Moore auch schon den Erstling inszenierten, verstehen die Genres, in denen sie arbeiten. Cop-Helden, die durch eine Intrige selbst ins Visier der eigenen Leute geraten, sind ein Standard, jüngst etwa in „Bad Boys: Ride or Die“ verwendet, ebenso die große Verschwörung, das Verbrechen aus der Vergangenheit, das bis in die Gegenwart wirkt, und Figuren, die nicht das sind, was sie zuerst erscheinen. Wie schon der Vorgänger funktioniert also „Zoomania 2“ wahlweise als animiertes Buddy Cop Movie bzw. als Hommage an und Parodie auf das Genre. Man kann sich an den Standards erfreuen, die hier eben mit antropomorphen Tieren umgesetzt, aber auch nicht komplett lächerlich gemacht werden. Der Plot ist nicht so kompliziert, dass Kinder ihm nicht folgen können, aber immer noch spannend und überraschend genug, dass auch Erwachsene Freude daran haben.

Nebenbei darf man sich an der Ausgestaltung der Welt freuen, die auch neue Ecken parat hat. Neben einem Berghotel und der Wüste gibt es unter anderem das Sumpfviertel zu sehen, wo Reptilien, Amphibien und Walrösser zu Hause sind, die – anders als die Tiere im Vorgänger – auch mal Würmer, Insekten oder Fische verspeisen, was innerhalb der Koexistenz-Geschichte doch nicht ganz kohärent ist. Dort gibt es nette Ideen wie ein Walross, das gleichzeitig Boot und Kapitän ist, oder einen Nachtclub in einem gestrandeten Schiff, was einerseits Erinnerungen an den Disney-Klassiker „Bernhard und Bianca“ hervorruft, andrerseits für einen amüsanten Auftritt einer mexikanisch angehauchten Jesus-Echse sorgt, die stilecht von Danny Trejo gesprochen wird. Auch sonst kann man sich an zahlreichen Referenzen (vor allem für die Älteren) freuen, neben Zitaten aus Filmklassikern wie „Shining“, „Das Schweigen der Lämmer“ oder „Harry & Sally“ gibt es auch Verweise auf hauseigene Filme, etwa eine brüllend komische „Ratatouille“-Referenz oder der Bootleg-DVD-Händler, der diesmal Varianten von „Die Eiskönigin 2“ oder „Guardians of the Galaxy 3“ dabei hat. Hinzu kommen weitere nichtfilmische Anspielungen, auf das Festival Burning Man (hier: Burning Mammal), das Spiel „Hungry Hungry Hippos“ oder Stewe Irwin.
Im Voice Cast finden sich ebenfalls einige Cameos: Jean Reno spricht französische Ziegencops, Michael J. Fox und Tig Notaro Gefangene und die beiden Regisseure zwei Schweizer Bergziegen. Actionstar Dwayne ‘The Rock‘ Johnson hat eine totale Minirolle als Zwergantilope, die nach der Auftaktszene in einer Tuba feststeckt. In den Hauptrollen hört man wieder Ginnifer Goodwin als Judy und Jason Bateman als Nick, die mit ihren Stimmen die Persönlichkeit der beiden Hauptfiguren perfekt herausarbeiten. Idris Elba als Chief Bogo, Nate Torrence als Officer Clawhauser und Jenny Slate als Bürgermeisterin Bellwether kehren zurück, während einige Neuzugänge größere Parts abbekommen haben: David Strathairn als Luchs-Patriarch, Andy Samberg als dessen aus der Art geschlagener Sohn, Patrick Warburton als selbstverliebter Bürgermeister-Hengst, Fortune Feimster als Biber-Podcasterin und vor allem Ke Huy Quan als Gary De’Snake. Gewidmet ist der Film dem 2020 verstorbenen Tom ‘Tiny‘ Lister jr., der seinen Part als Finnick nicht mehr einsprechen konnte, für den aber Soundbites verwendet wurden, die im ersten Teil nicht zum Einsatz kamen.

Der Sprechercast ist also schon ein Pfund, doch glücklicherweise ruht sich „Zoomania 2“ nicht einfach darauf aus. Die Animationen sind ebenso toll gelungen wie im Vorgänger und wurden gleichzeitig auf die Höhe der Zeit gebracht, die Set Pieces sind rasant geworden, werden aber nicht zu ausladend. Das Tempo wurde angezogen, ist schneller und wilder, vom Alltag in Zootopia bekommt man wesentlich weniger mit, was allerdings auch der Prämisse des Films liegt, die Judy und Nick zu Flüchtigen macht. So fallen viele der Parodien auf die reale Welt weg, auf Faultier Flash muss man zum Glück nicht verzichten, nur ist er dieses Mal nicht in der Zulassungsstelle. Sein Auftritt gehört erneut zu den Highlights in dem sehr witzigen Sequel, das mit zahlreichen, gut getimten Slapstickeinlagen, amüsanten Einfällen (etwa der Gesprächsstil zwischen Biber und Walross) und viel Wortwitz daherkommt, der zu großen Teilen mal wieder auf das Konto des sarkastischen, provokanten Nick geht.
So greift „Zoomania 2“ einen weiteren Topos des Buddy Cop Movies auf, nämlich dass es doch wieder Knatsch zwischen den Partnern geben muss. Hier also die Frage, ob die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Judy und Nick im Erstling eine Eintagsfliege war, da das idealistische Herdentier und der süffisante Einzelgänger am langen Ende doch zu verschieden sind. Da es sich um einen Disney-Film handelt, lautet die Botschaft wenig überraschend, dass man die Unterschiede akzeptieren muss und diese durch wahre Freundschaft überwunden werden. Das ist nicht bahnbrechend neu, wird aber nicht zu allzu aufdringlich und teilweise sogar ziemlich rührend erzählt. Ansonsten fügt „Zoomania 2“ dem Vorgänger in Sachen Botschaften wenig hinzu: Erneut geht es um Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und Leute, die Ängste zu ihrem eigenen Vorteil ausschlachten. Die Bühne ist größer, die Artenvielfalt reicher, aber im Endeffekt erzählt „Zoomania 2“ dann auch nichts Neues im Vergleich zum Erstling.

So mag das Sequel dem Rezept insgesamt keine allzu großen Innovationen wagen, ist aber fast auf Augenhöhe mit dem Vorgänger: Erneut ist „Zoomania 2“ eine pointierte Animationskomödie mit originellen Einfällen und gelungenem Comedy-Timing, die zahlreiche gelungene Anspielungen auf den Polizeifilm enthält. Die Message ist erneut lobenswert, ohne mit dem Holzhammer daher zu kommen, der Voice Cast toll, sodass die Fortsetzung wieder ein großer Spaß für Jung und Alt ist.

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