Review

Im Grunde wird ja jeder Kassenerfolg der Filmschmiede Blumhouse zum Anlass genommen, daraus ein Franchise zu entwickeln. Auch Produzent und Erfinder James Wan, welcher unter anderem für die Reihe um „Saw“ verantwortlich ist, könnte davon ein Liedchen trällern. Doch warum floppte die Fortsetzung von „M3gan“ an den US-Kinokassen? Weil man schlichtweg keinen Genrewechsel von Horror zum austauschbaren Sci-Fi-Actioner wollte.

Seit die Killer-Androiden-Puppe Megan (Amie Donald) vor zwei Jahren zerstört wurde, lebt Cady (Violet McGraw) bei ihrer Tante Gemma (Allison Williams), der Entwicklerin der Technik. Von daher ist diese völlig entsetzt, von einer zweiten KI namens Amelia (Ivanna Sakhno) zu erfahren, welche ebenfalls ein destruktives Eigenleben entwickelte und nicht weniger als die Zerstörung menschlicher Zivilisation anstrebt…

Wie vergleichsweise klein und atmosphärisch doch das Original ausfiel, von dem man sich als Fortsetzung etwas mehr Zynismus und kreative Gewalteinsätze gewünscht hätte. Doch so ziemlich das Gegenteil ist der Fall, da das Fortsetzungsprinzip „Höher, schneller, weiter“ leider auch auf Regisseur Gerard Johnstone übergesprungen ist. Die Exposition, in der Amelia im Einsatz gegen Terror im Grenzgebiet Türkei/Iran unterwegs ist, offenbart dies mit schnellen Schnitten und vergleichsweise geringem Blutvergießen sehr deutlich.

Im Zuge dessen bleiben nahezu alle Figurenzeichnungen blass, obgleich zwischenzeitlich die Vorzüge einer KI mit erlernter Empathie im Raum stehen und man sich zumindest ausmalt, wie prekär ein unzureichend gesicherter Quellcode sein kann. Da man es im Endeffekt jedoch mit zwei weitgehend böswilligen Robotern zu tun hat, als würde Terminatress gegen Predatress antreten, bleibt die Chose weitgehend seelenlos.

Immerhin lockert eine kleine Tanzeinlage ebenso auf, wie eine kurze Anspielung auf „Knight Rider“, wogegen andere Referenzen oftmals arg bemüht wirken, vor allem wenn jemand wie Steven Seagal aus dem Kohlenkeller gezogen wird. Tempo und Action haben zwar phasenweise den Vorteil eines flotten Erzählflusses und die Inszenierung gestaltet sich diesbezüglich weitgehend makellos, doch auf Dauer wirkt die Chose gnadenlos überambitioniert und überfrachtet. 

Denn eine Mixtur aus Marvel und James Bond ist nun eben genau das, was man bei vorliegendem Sequel nicht wirklich erwarten durfte und mehrheitlich wohl auch nicht wollte.
Dahingehend fällt dem Drehbuch auch nicht viel mehr ein, als das übliche Weltherrschaftsgetue einschließlich eines Twist-Bösewichts anzuzetteln und das Finale in ein High-Tech-Labor zu verfrachten, wo es zum unvermeidlichen Endkampf mit kleinen Finten kommt.

Trotz erstklassiger Synchronstimmen wie Luisa Wietzorek, Sascha Rotermund, Jaron Löwenberg und Yvonne Greitzke verfehlen einige Humoreinlagen ihre Wirkung, innerhalb der zu langen 120 Minuten entstehen immer mal wieder kleine Längen und vor allem mangelt es an einer kreativen Weiterentwicklung. Zwar hat man sich im Kern durchaus mit den Wechselwirkungen von KI auseinandergesetzt, doch die daraus resultierende Geschichte bleibt, trotz annehmbaren Unterhaltungswerts ziemlich einfältig.
Knapp
6 von 10



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