Im südamerikanischen Raum gibt es gewiss noch zahlreiche okkulte Glaubensrichtungen, die noch nicht in Hollywood durchleuchtet wurden. Im vorliegenden Fall des Langfilmdebütanten Felipe Vargas orientiert der sich jedoch eher an bekannten Versatzstücken, anstatt dem Dämonenspuk eine eigene Handschrift zu verpassen.
Nach ihrer Erstkommunion hat sich Rosario von ihrer Familie entfremdet und arbeitet in Manhattan als erfolgreiche Börsenmaklerin. Als sie vom Tod ihrer Großmutter Griselda erfährt, zögert sie zunächst und begibt sich dennoch in die heruntergekommene Gegend Brooklyns, um in deren Wohnung auf die Ambulanz zu warten. Doch dann scheinen dämonische Kräfte zu erwachen…
Ein ranziges Appartement mit der Nummer 606 (666 wäre dann doch zuviel gewesen) und eine zunächst arrogante Tussi als Hauptfigur bilden anfangs zwar einen interessanten Kontrast. Doch mit den Berührungsängsten ist es rasch dahin, sobald Rosario mit wenigen Klicks im Netz Bescheid zu wissen scheint, was es mit dem Spuk rund um ihre Großmutter auf sich hat.
Schon zu diesem frühen Zeitpunkt schwingt eine Menge Willkür mit, die sich durch die gesamte Chose zieht.
Immerhin gibt es etwas Body Horror in Form von Maden und Käfern in diversen Körperöffnungen, wahlweise auch unter der Haut und Regisseur Vargas scheint ein Faible für knochige Hände zu haben, die ebenso random in Erscheinung treten. Die Mischung aus praktischen Effekten und CGI wird phasenweise durch eine unzureichende Ausleuchtung kaschiert, doch auf Dauer bietet die kleine Wohnung und die eher uninspirierte Vorgehensweise zu wenig Abwechslung, - selbst als nach einiger Zeit ein geheimer Bereich aufgetan wird.
Nebenfiguren spielen bei alledem kaum eine Rolle und obgleich es im Kern um familiäre Bindungen, Traditionen und Hoffnung für nachkommende Generationen geht, wird dieser Punkt erst relativ spät mit einem erahnbaren Twist thematisiert. Während sich die Hauptdarstellerin mehr müht, ihre Oberweite denn ihr Gesicht in Szene zu setzen, fallen zumindest Kamera und Score partiell positiv auf und auch ein Schneesturm um den Hauptschauplatz herum schürt für einige Momente Atmosphäre. Doch die kammerspielartige Kulisse bleibt leider im Fokus und es stellt sich jede Menge Redundanz ein.
Die kurze Laufzeit von 88 Minuten kommt dem Geschehen durchaus zugute und immerhin lassen sich mit Wohlwollen, zwei, drei jump scares verzeichnen. Der Rest zeugt von wenig Kreativität, kaum Grusel und einem zu geringen Spannungsmaß.
Knapp
4 von 10