Mal ein Hai-Film der etwas anderen Art, ist der schlimmste Feind des Menschen hier doch nicht das Tier im Wasser, sondern der Mensch selber, der Raubfisch ist höchstens Adlatus und Erfüllungsgehilfe; ein Hauch von Todesstille (1989), Der Skipper (1990) oder Kreuzfahrt ins Jenseits (1993) bzw. The Crew - Fahrt ins Ungewisse (1994) durchwebt das Geschehen, große Vorbilder, zumindest im ersten Fall, hier für das On Demand Publikum, speziell auch das von Shudder, Experten für die Horrorthriller veranschlagt und deren Klientel gedreht.
Die junge Surferin Zephyr [ Hassie Harrison ] verbringt eine Nacht mit der Zufallsbekanntschaft Moses Markley [ Josh Heuston ], der im Immobiliengeschäft tätig und eigentlich genau das Gegenteil ihrer freiheitsliebenden Seele ist. Als sie von dem sadistischen Bruce Tucker [ Jai Courtney ] entführt und auf sein Boot verschleppt wird, ist es allerdings einzig der junge Mann, der sich auf die Suche begibt. Währenddessen erwartet Zephyr und die zuvor gefangen genommene Heather [ Ella Newton ] ein mörderisches Treiben.
Dabei beginnt man beschaulich, der Schlepper ist ein bisschen rostig, ja, "Looks pretty dead", die Buchung wurde aber schon gemacht und die Freundin ist auch dabei, man dreht nicht mehr um, man zieht das Vorhaben durch, der Käpt’n macht auch einen guten Eindruck, auf den ersten Blick zumindest. Ein stabiler Kahn steuert durch die Gewässer, durchkreuzt die Wellen, Der weiße Hai (1975) wird auch kurz erwähnt, die beste Referenz, der Sommerblockbuster der damaligen Saison, der Anfang allen Übels, seitdem der Hai verpönt. Der Freund ist die treibende Kraft, die Freundin eher zögerlich, ein Abenteuerurlaub, in der Theorie gut, in der Praxis schon etwas ganz anderes, es wird kurz vorher meditiert und gesungen, sich in Stimmung gebracht, die Akzente sind etwas derber, ein australischer Film. In einem Käfig lässt man sich ins Wasser hinab, geschützt durch Stahl inmitten des Meeres, erst gruselig, dann wunderschöne Bilder der Natur, "Shits all over Seaworld, eh?", die letzten Worte, die der Freund hier hört. "Welcome on board" ist die neuerliche Begrüßung, ein Prolog, eine Einleitung, es geht nicht um das Pärchen, es geht um jemand anderen, es war nur zur Einleitung und Einstimmung gedacht, es werden neue Leute eingeführt und richtig vorgestellt, per Dialog und den Handlungen, mit einer anderen Form des Selbstbewusstseins, einer neuen Identität, es wird sich über Creedence Clearwater Revival unterhalten, es geht von der Distanz in die Nähe, eine spontane Aktion, ein freies Leben, die Zigarette danach ist ein Joint, "I don't care", noch nicht, später umso mehr.
Über das Surfen wird gesprochen, es wird Point Break erwähnt, es wird auf ein Treppchen gestellt, hochgehoben, als Kampf gegen das System, es wurde Frühstück im Bett geplant, vorher ist man schon weg, eine treibende Seele, ein Freigeist ohne Bindungen, ein One-Night-Stand ohne Verpflichtungen, die Nummern aber ausgetauscht, auch hier das letzte, was man erstmal tut, eine SMS-Unterhaltung angefangen bzw. darauf erwidert, dann wieder ein Opfer gefunden, und man weiß noch nicht, was mit dem 'ersten' passiert ist. Ein Serienkillerthriller der speziellen Art, mit eigenem Rückzugs- und gleichzeitig Tatort, mit einem sicheren Versteck und dem Überraschungsmoment, man ist größer, stärker, aggressiver, es kommen neue 'Gäste' auf den Kahn, eine neue 'Beziehung' aufgebaut, die Inszenierung nahe dran an den Personen, mit einigen speziellen Bildern. Selbst mit Postkartenaufnahmen der Stadt und der Umgebung, ein Innehalten von dem Horror, eine Abwechslung vom Geschehen auf Hoher See und der Urbanität, die Polizei aufgesucht, man weiß nichts von der Person, man ahnt etwas Schlimmes, man hat seine Gründe, der Antagonist tobt sich aus, hat Freude am Spiel.
Todesstille ist der Film natürlich nicht, dafür lernt man zu schnell und zu wenig von dem Umständen, erfährt zu rasch Bescheid, es wird prompt Spannung aufgebaut, aber nicht mit dem Unterbewusstsein gespielt, mit dem Terror der Gefangenschaft vielleicht, mit der rapiden Bedrohung. Eine Show wird veranstaltet, der Skipper hat seine eigene Art der Unterhaltung, er nimmt die Taten auf, präsentiert sie in Vollendung, lebt in seinen Gräueltaten auf, "God's down there", für ihn eine Bestimmung, für die Anderen die Worte eines Psychopathen, das Erfreuen am Tode Anderer, Trophäen werden vorher genommen, dann die auserwählten Opfergaben dargeboten, ein grausiges Spektakel, die Haie vorher mit Blut angelockt, Sadismus ausgespielt, den Tod zelebriert, ein brutales Ritual, eine Abschreckung, für ihn die "größte Show" überhaupt, eine Erregung am Leid anderer, "I've decided to add a matinee."
Die Regie hält das konstant, der Bösewicht wirbelt herum, man zeigt seinen Rausch, seine Sammlung, seinen Schrein, man erklärt seine Beweggründe nicht, höchstens in Andeutungen und ansatzweise, die Befreiungsversuche sind wichtiger als etwaige Motivation. Der Film wäre zuweilen auch ohne das Zeigen der Gräueltaten ausgekommen, der Hai hier als Metapher, man spielt mit Erwartungen und Vorahnungen, die Rollen gleichmäßig verteilt, Täter und potenzielles Opfer zusammen und einzeln in Augenschein genommen, ebenso wie Angriff und Abwehr, wie Attacke und Verteidigung, wie Flucht und Vereitelung, mit autarker Kampf um die Rettung und wie Hilfe von außen, alles parallel in Augenschein und Betrachtung genommen, darstellerisch ohne Beanstandungen, sich in der Intensität mit mancherlei (fiesen) Schmerz- und Spannungsspitzen steigernd, trotz oder wegen überschaubarer Personenzahl auch durchaus mit Aufwand gehalten, ein Wettlauf gegen die Zeit, eine Option der Freiheit, ein ungleicher Kampf, eine böse Überraschung, nicht die erste und nicht die letzte, auf Spannung prononciert; "No one's better off alone." - "Aw, how romantic. It's too bad I'm more of a horror fan."