Review

Zwischen Haien, Herzschmerz und halber Intensität

Wenn man den Titel „Dangerous Animals“ liest, erwartet man instinktiv Schauer über den Rücken, blutrote Wellen und vielleicht ein paar flink zubeißende Kiefer. Was Sean Byrne hier jedoch serviert, ist ein ziemlich durchschnittlicher Mix, der sich eher zwischen Serienkiller-Drama und „wer-küsst-wen“-Teen-Romanze bewegt, als zwischen Haifischgebiss und panischer Flucht. Man könnte fast sagen: Der Titel ist so irreführend wie ein veganer Grillabend. Statt blutiger Wasserattacken bekommen wir menschliche Abgründe serviert – in der Tradition von „The Loved Ones“, nur leider ohne dessen brillante Mischung aus sadistischer Spannung und schwarzem Humor. Wer also einen finsteren Unterwasserschocker sucht, könnte ebenso gut einen Dokumentarfilm über zahnlose Goldfische starten.

Während „The Loved Ones“ eine fast schon atemlose Intensität entfaltet, die jede Szene mit bedrohlicher Energie auflädt, bleibt Byrnes aktueller Film flach, vorhersehbar, ohne das unterschwellige Grauen, das den Zuschauer in den Sitz drücken würde. Er versucht hier einen ziemlich durchschnittlichen Mix aus Thriller, Liebesgeschichte und Hai-Film – und scheitert auf charmant unauffällige Weise daran, diese Elemente zu einer kohärenten Spannungskurve zu verweben. Die Geschichte selbst plätschert vor sich hin und von Beginn an gelingt es „Dangerous Animals“ nicht, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Hier hätte man mit Kameraperspektiven, Lichtsetzung oder einfach Timing ein Stück mehr Nervenkitzel erzeugen können – stattdessen wirkt alles sehr routiniert und vorhersehbar. Die Inszenierung selbst zeigt zwar solide handwerkliche Arbeit, doch es fehlt der letzte Funke. Die Kameraarbeit ist professionell, ohne Frage. Es gibt einige nette Bildkompositionen, die den Blick des Zuschauers lenken und in gewissen Momenten auch Spannung erzeugen. Leider sind diese Momente selten und reichen nicht, um die allgemein recht flache Atmosphäre auszugleichen.

Der Serienkiller-Aspekt könnte interessant sein, wird aber nur angerissen und nicht vertieft. Gerade die vielen Dialogszenen hätten hier die Chance geboten, den Antagonisten vielschichtiger und faszinierender zu gestalten – leider bleibt es bei einem oberflächlichen Porträt ohne Tiefe. Ein Lichtblick ist jedoch eindeutig Jai Courtney. Mit sichtlichem Spaß spielt er seine Rolle voll aus – selbst wenn sein Charakter null Profil hat und man seine Motivation nur erahnen kann. Courtney schafft es dennoch, seine Szenen charmant und energiegeladen zu gestalten.

Hassie Harrison überzeugt als toughe Einzelgängerin. Sie bringt eine gewisse Präsenz und Glaubwürdigkeit auf die Leinwand, die dem Film Dynamik verleiht. Josh Heuston hingegen bleibt blass, seine Performance hat kaum Substanz und die Romanze zwischen den Hauptfiguren ist absolut lächerlich, unglaubwürdig und ohne jede chemische Reibung. Man möchte dem Film an dieser Stelle fast zurufen: „Vielleicht erst mal einen Kaffee trinken und die Gefühle sortieren, bevor ihr das Publikum mit dieser Zuckerguss-Story quält.“ Eine weitere kleine, aber erwähnenswerte positive Überraschung: Die Haie werden nicht als menschenfressende Bestien dargestellt. Für ein Genre, das gerne mal übertreibt, ist das fast schon erfrischend – wenngleich man beim Haiverhalten trotzdem einige Logiklöcher erkennt.

Fazit

Dangerous Animals ist ein Film, der versucht, viel zu sein – und dabei irgendwo zwischen Thriller, Horror und Romanze landet, ohne irgendwo wirklich zu glänzen. Sean Byrne liefert handwerklich solide Arbeit ab, doch die narrative und emotionale Tiefe fehlt. Die Spannung, die Intensität, die das Genre eigentlich erfordert, bleibt aus. Positiv hervorzuheben sind Jai Courtney und Hassie Harrison, die durch ihre Performance zumindest einige Funken der gewünschten Dynamik liefern. Auch die Entscheidung, die Haie nicht zu übertriebenen Monstern zu stilisieren, ist wohltuend. Für Genre-Kenner bleibt der Film jedoch eher ein Mittelmaß-Experiment, das seine Möglichkeiten nicht ausreizt.

Details
Ähnliche Filme