Review

Wer angenommen hat, Final Option wäre die Wurzel allen Übels sieht sich getäuscht. Die Rede ist von Michael Wong und seiner Zweitkarriere als SDU – Ausbilder Stone Wong; die er in Filmen wie First Option, Option Zero und der unfassbar grandiosen DTV Serie New Option weiter fortführt und dadurch für die ehemalige Royal HK Police ein in etwa so wichtiges Aushängeschild wurde wie Danny Lee.
Der Schwarze Peter geht nämlich nicht an die 94er Produktion von Gordon Chan, die immerhin – aber nicht wirklich nachvollziehbar – für den Hong Kong Film Award nominiert wurde, sondern wird nachträglich an den 85er City Hero von Dennis Yu verliehen.
Welch Ehre.

Leider verhält sich der Film auch dementsprechend und spult schon all das ab, was man auch bei den quasi Nachfolgern bemängeln kann; das Skript verhält sich in etwa genauso einfallsreich und die Melange aus Heroismus, Plakativismus und Soapelementen ist ebenfalls schon vorhanden.
Noch schlimmer, an erster Stelle in den Credits steht doch tatsächlich
„Starring: Dean Shek“, so dass man sich das Folgende gar nicht mehr ausmalen mag, aber dennoch schnell damit konfrontiert wird.
Shek, der seit man denken kann die Rolle des Kaspers schon früh in den 70ern besetzte und auch später angenehmere Arbeiten wie A Better Tomorrow 2, The Raid und Dragon from Russia mit seiner wüsten Performance gnadenlos nach unten katapultierte, ist Teilhaber an der produzierenden Cinema City Films Co. und kann sich seine Mitwirkung dementsprechend nach Gutdünken aussuchen.
Hier gibt er den R. Lee Ermey; mimt also den Drill-Instructor und hat zur Aufgabe, den eintreffenden Trupp junger Polizisten zum Mann und als Gemeinschaft zur SPU [ = Special Police Unit ] zu formen.

Wer sich nicht vorstellen kann, von Jemanden wie Shek Befehle zu erhalten und diese dann auch auszuführen, hat a ) keinen Grundwehrdienst absolviert und b ) diesen Film noch nicht gesehen; wobei man das Letztere nicht wirklich als Argument heranziehen kann. So stark wie er chargiert, bös grimassiert und wild mit dem Knüppel hantiert, so schnell wandelt sich in die Handlung in Slapstick um; sogar in beabsichtigten, wie man wohlwollend annehmen muss. Zwar sind die Scherze eher schlecht als gut; so wird doch durch den veränderten Ton wenigstens das Aufbäumen der Beschwörung von Kameradschaft und Loyalität erstmal ebenso zurückgedrängt wie das förmliche Einreichen einer Liebesgeschichte.

Der durcheinander gewürfelte Haufen der Kadetten muss ein halbes Jahr im Lager bleiben, bekommt kein Urlaub, kein Ausgang, darf nicht lügen, nicht rauchen, laut ihrem Ausbilder noch nicht einmal schlafen und soll natürlich auch erst recht keine Mädels vors Gesicht kriegen. Damit wird aber nichts, wenn die beiden Töchter vom Kantinenchef [ Ku Feng ] beinahe im besten heiratswilligen Alter sind und schon zur Unterstützung ihres Vaters laufend in der Umzäunung herumschwirren.
Also fängt Luk Ying Kau [ Mark Cheng ] schnell Feuer für Siu Wai [ Pat Ha ], während ihre minderjährige Schwester Ah Chu [ Charine Chan ] an der Schwelle zum Erwachsensein dem Rest [ u.a. eben Michael Wong, Anthony Tang, Billy Lau ] den Kopf verdreht.
Die erste Liebe dabei vom Start weg als Ablauf voller Missverständnisse; hinzu kommt der Ärger mit den Schwiegereltern in spe und – wenn alle Storyfäden reissen – auch das harte Training dazu.

Von den Dialogen her also viel „Attention!“, „Yes Sir!“, „Left right, left right“; dazu das Überwinden der Hindernisbahn, das Abholzen von Pappkameraden und Bettenmachen auf Zeit als Überbrückung auf richtige Actionszenen.
Yus Regie kleidet das Szenario in etwa so stilsicher wie auch bei Blacky Kos Whampoa Blues [ Dasselbe, nur in einer Militärakademie ] fünf Jahre später. Heisst im Klartext, dass die Macher ihr Handwerk zwar verstehen, sich auf kurze, prägnante Einstellungen, ein durchaus hurtiges Erzähltempo und die schwungvolle Keyboarduntermalung verlassen, aber die materiellen Schwächen der Narration selber auch dadurch nicht ausbügeln können. Dazu ist das Thema als Mischung von Police Academy mit Top Gun viel zu schwachbrüstig; weder die Konzentration auf einen der Bereiche noch die Vermengung beider bringt heutzutage noch den nötigen durchschlagenden Erfolg. Zudem ist die strukturelle Anordnung vollständig nach Lehrbuch gehalten; mehrere Szenen ahnt man im voraus und duckt sich bereits instinktiv bange in der Erwartung ihrer Peinlichkeit, andere kennt man ebenfalls zur Genüge. Sicherlich kann man sich dabei unterhalten fühlen, aber man bekommt weder etwas Besonderes noch etwas Aufregendes oder gar reell Gutes geliefert.

Helfen tut kurzfristig das plötzliche Absolvieren einer Geiselbefreiung; zwar schon ab Minute 45 gesetzt und deswegen selbstverständlich später als Übung entpuppend, aber immerhin. Das leerstehende, ausgehöhlte, mehrstöckige Gebäude ist als Schauplatz auch einer fake mission ideal; zwischen Graffitti und Dreck wird sich mit Maschinengewehren, Pumpguns und der Dienstpistole für einen Augenblick emsig bekriegt. Die eigentliche Aufgabe steht natürlich erst im Showdown und auch prompt während der Weihnachtsfeier an; nun muss die gelernte Lektion angewendet und die bisher begangenen Fehler ausgemerzt werden.
Und obwohl es anfangs so aussieht, als ob das Finale – wieder Geiselbefreiung; diesmal gegen einen Trupp Ex – Armisten in einem Supermarkt / Warenhaus – ein gutes Stück Eindruck im Nachhinein wieder aufholen könnte, wird dort gleich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Nicht nur, dass sich die action pieces stark zurückhalten, man befindet sich auch noch in fast tiefster Dunkelheit und könnte das Szenario theoretisch auch in einem Eisenbahntunnel abspielen lassen. Es ist nur mit höhester Not und Anstrengung etwas zu erkennnen. Das die eigentliche Endrunde dann auch noch nach dem düsteren Beschuss am OP – Tisch veranstaltet wird, gibt dem Film gleich ganz den Rest.
Michael Wong ist hierbei übrigens nicht mehr zu sichten, weil er anscheinend aus der Handlung herausfiel; dafür ist ein ebenfalls junger Billy Chow auf der Seite der Gegner am Start.

Das ist alles nichts, hat nicht richtig Hand oder Fuss, kann sich nicht für eine Linie entscheiden und bedient dann gleich gar nichts. Produktionstechnisch vielleicht in Ordnung und bestimmt auch mal gut gemeint; aber wenn selbst Final Option noch besser abschneidet, kann man da eigentlich nicht mehr viel euphemisieren.

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