Review

Adaption eines erfolgreich in den Buchläden ausliegenden und dort auch fleißig verkaufenden Kriminalromans (bzw. mittlerweile einer fünfteiligen Buchserie) von Richard Osman, im Stil der Knives Out – Reihe (2019/22/25) oder auch See How They Run (2022) oder der offiziellen Agatha Christie – Verfilmungen (2017/22/23) und mit Hinblick auf deren Klientel natürlich auch gehalten, sogar mit anfälliger Starbesetzung um Brosnan und Kingsley, hier wie die Reihe von Rian Johnson auch direkt für den Streamingdienst Netflix und deren wachsenden Kunden und entsprechend farbenfroh und exklusiv ausstaffiert. Im Hintergrund der (aufgekauften) Produktion ist Amblin Entertainemt gehalten, mit Rückschau auf 1973 gehalten und so beginnend, ein Cold Case in stilechten schwarzweiß, eine Frau bei Einbruch gestorben, ein Polizeibericht analysiert, die Stars folgend gleich im Bilde, eine Ermittlung im Nachhinein, "Ich bin ratlos, das geb ich zu.", medizinische Expertise wird eingeholt:

“Fangen wir mit Elizabeth an, einverstanden? Der Rest ergibt sich dann schon. Ich wusste natürlich, wer sie war, Elizabeth kennt hier jeder. Sie hat eine von den Vierzimmerwohnungen im Larkin Court. Die Eckwohnung mit der Sonnenterrasse. Und einmal war ich im selben Quizteam wie Stephen, der, aus diversen Gründen, bereits ihr dritter Mann ist. Ich saß beim Mittagessen, ein, zwei Monate ist das jetzt her, und es muss Montag gewesen sein, weil es Shepherd’s Pie gab. Sie wolle mich nicht bei meiner Mahlzeit stören, sagte Elizabeth, aber sie habe eine Frage an mich, zum Thema Stichwunden, wenn ich nichts dagegen hätte. Ich sagte: »Wieso denn, nein, fragen Sie nur«, oder etwas in der Art. Ich werde mich nicht immer ganz einwandfrei an alles erinnern, das schicke ich lieber gleich voraus. Jedenfalls klappte sie daraufhin einen Ordner auf, und ich sah ein paar getippte Seiten und Ränder von alten Fotos. Sie kam ohne Umschweife zur Sache. Ich solle mir ein Mädchen vorstellen, sagte sie, das mit einem Messer attackiert worden war. Ich fragte, mit was für einem Messer, und Elizabeth meinte, höchstwahrscheinlich einem ganz ordinären Küchenmesser. Nirosta. Das sagte sie nicht, aber das war meine Assoziation. Dann sagte sie, ich solle mir vorstellen, dass auf dieses Mädchen drei- oder viermal eingestochen worden war, gleich unterm Brustbein. Rein, raus, rein, raus, sehr scheußlich, aber Arterie sei keine durchtrennt worden. Sie redete ziemlich leise, weil überall um uns gegessen wurde, und irgendwo zieht selbst Elizabeth die Grenze.“

Coopers Chase ist eine luxuriöse Seniorenresidenz in der idyllischen Grafschaft Kent, deren Friedlichkeit auch die neue Bewohnerin Joyce Meadowcroft [ Celia Imrie ] anzieht und dort einziehen lässt, wobei sie gleich eine Merkwürdigkeit im sonstigen Puzzlezimmer durch die anderen Mitbewohner Elizabeth Best [ Helen Mirren ], Ron Ritchie [ Pierce Brosnan ] und Ibrahim Arif [ Ben Kingsley ] kennenlernt. Das Trio trifft sich jeden Donnerstag immer, um ungelöste Kriminalfälle aufzuklären; als direkt vor ihrer Haustür ein Mord verübt wird, ist nicht bloß der Ermittlungseifer der mittlerweile vier Senioren, sondern auch des Chefinspektor DCI Chris Hudson [ Daniel Mays ] und seiner aktuell zugeteilten Kollegin PC Donna De Freitas [ Naomi Ackie ] der lokalen Polizeidienststelle geweckt.

Angenehm in den Bildern, für das Auge schmeichelnd, die Prominenz im Casting als zusätzliche Würze, gerade die Männer, aber natürlich auch die Mirren, solide 'alte' Unterhaltung für den 5-Uhr-Nachmittags Tee zu Scones & Clotted Cream und im Ohrensessel abgehalten, die Klingel und das Handy ausgestellt, dafür etwas durch die Landschaft, die Szenerie gewandert und bewundert, die Grafschaften in Augenschein genommen, es gibt Bogenschießen vor einem riesigen Schloss, einer Burg quasi, ein Puzzlestückchen zusammengefügt. An Donnerstagen wie heute wird hier ermittelt, ein Club vorgestellt, die Queen of Crime (und Columbo) auch erwähnt, die Inspiration, ansonsten auch die Zimmer wie ein Puppenhaus gehalten und so ausstaffiert, niedlich und nett vor allem, des Bewunderns wert. Es wird sich durch die Belegschaft, die Klienten durchfragt, die Expertise eingeholt, eine Unterstützung der eigentlichen Untersuchung, es werden auch neue Mitglieder für den Club gesucht, bisher nur drei Mitglieder, mit Zuwachs und Potenzierung. Die Inszenierung ist meist ruhig, britisch bekömmlich, es werden andere Personen peu à peu vorgestellt, der Raum erweitert, es werden neue Probleme angehäuft, ein zweites Hindernis eingewebt, ein Stolperstein, der umgangen werden muss oder übersprungen, je nach Fähigkeiten hier.

Fette Barchecks winken hier, für das Casting wahrscheinlich, und die Buchrechte, alles für die Abonnenten gehalten und schick mit Schleife eingepackt, als Geschenk aufgemacht, eine Renovierung des Genres, eine Restaurierung, keine Neuerfindung, ein weiteres Glied in der Kette, so oft wird das Genre abseits der erwähnten Titel nicht, oder wenn dann nur im Fernsehen als Serie und nicht als Spielfilm bedient. Die Aufmerksamkeit aller liegt erstmal auf den Kuchen und wird dann wieder auf den 'aktuellen' Fall gelenkt, man hat es nicht eilig, man hat Zeit, der Fall liegt länger zurück, man mag hier keine Hektik, man mag die Geduldsamkeit und die Erholung, alles zu seiner Zeit. Dass die Ermittlungen bzw. die Mordtat so lange zurückliegen, macht das erste Hineinschauen in den Film nicht ganz so einfach, es wird über Vergangenes gesprochen, über das Präteritum, über Geschehnisse, die ein halbes Jahrhundert zurückliegen, es wird ein neues Mitglied dafür auditiert, es geht ein bisschen auf die Emotionen und das Gefühl, "eine Menge Mordgeschichten", die die Leute beschäftigen und ihren Verstand auf Trab halten, "Erfreu Dich an den guten Momenten", superb die Ausstattung, zweckdienlich die Leute, die sich darin herumtummeln, Partner fürs Leben, der Ruhestand, die letzten guten Tage hier.

“Wenn Sie auf der A21 aus Fairhaven heraus und weiter ins kentische Hinterland fahren, sehen Sie nach einer Weile, auf Höhe einer scharfen Linkskurve, eine alte Telefonzelle (noch in Betrieb). Ein paar hundert Meter danach, bei dem Wegweiser nach »Whitechurch, Abbots Hatch und Lents Hill«, biegen Sie rechts ab und fahren durch Lents Hill, vorbei an einem Pub, das Blue Dragon heißt, und an dem kleinen Hofladen mit dem großen Ei davor, bis Sie die schmale Steinbrücke über den Robertsmere erreichen. Offiziell gilt der Robertsmere als Fluss, aber schrauben Sie Ihre Erwartungen lieber nicht zu hoch. Gleich nach der Brücke führt ein einspuriges Sträßchen nach rechts. Keine Angst, Sie haben sich nicht verfahren, der Weg ist kürzer als die Route, die im Prospekt angegeben ist, und auch malerischer, wenn man wildwuchernde Hecken mag. Schließlich verbreitert sich das Sträßchen, zwischen Bäumen hindurch ahnen Sie erste Zeichen der Zivilisation in dem Hügelland zu Ihrer Linken. Vor Ihnen taucht ein winziges holzverkleidetes Bushäuschen auf, ebenfalls noch in Betrieb, sofern sich ein Bus pro Tag und Richtung als Betrieb bezeichnen lässt. Unmittelbar vor dem Bushäuschen geht es links ab nach Coopers Chase. Baubeginn für Coopers Chase war vor gut zehn Jahren, als die katholische Kirche den Grund verkauft hat. Die ersten Bewohner, darunter Ron, zogen drei Jahre später ein. Angekündigt wurde das Ganze als »Englands erstes Luxus-Resort für Senioren«; tatsächlich war es laut Ibrahim, der dazu recherchiert hat, das siebte. Derzeit hat es an die dreihundert Bewohner. Man muss über fünfundsechzig sein, um hier einziehen zu können, und wenn die Lieferlaster von Waitrose über den Weiderost holpern, klirrt es in ihnen von Wein- und Medikamentenflaschen. Herzstück von Coopers Chase ist das alte Kloster, von dem die vier modernen Wohntrakte ausgehen. Über hundert Jahre war das Kloster ein Ort der Stille, erfüllt nur von dem trockenen Rascheln der Ordensgewänder und der ruhigen Gewissheit zum Himmel gesandter und vom Himmel erhörter Gebete.“

Der Film eher etwas für die Gereiften unter den Zuschauern, es werden Fragen gestellt, Antworten eingeholt, die häusliche Sicherheit beiseite geschoben, es gibt ein Parkflächenkomitee auch bereitgehalten, die schrullige Nummer, keine schrille Nummer hier. "Gute Polizeiarbeit" wird hier geboten, nach und nach, nicht gleich auf Dringlichkeit gehalten, kein Inspector Barnaby, wo man mit einem aktuellen Opener meist beginnt und am Fall dranbleibt, es wird hier auch anderweitig kommuniziert, interagiert, interaktiv agiert, vom Zuschauer mitgeraten, das Puzzlestück mit sortiert, es werden die Neuzugänge sortiert, mit leichtem und seichtem Humor aktiviert. Auf Nebenschauplätze wird auch etwas geschaut, auf zufällige Beobachtungen gesetzt, Versammlungen einberufen, Wahrnehmungen kundgetan, Anhörungen mit Überfällen verglichen, Nutzung auf Lebenszeit gilt hier, es wird sich etwas echauffiert. Geweihte Gräber sollen hier gestört werden, der Film macht etwas Umwege, um zum eigentlichen Punkt zu kommen, Umwege und Abkürzungen, dann ein zeitgenössischer Fall, das Opfer erschlagen, vorher noch lebend und Versprechungen gemacht, der Neuzugang beruft eine Notfallversammlung ein, außerplanmäßige Treffen, ein "echter Fall" zu lösen, Verdächtige in Augenschein genommen, mit einem Insider bei den Gesetzeshütern, R.E.D. (plus Fortsetzung, 2010/13) nicht als Actionthriller, sondern als Cozy Crime und dies mit altmodischem Witz präsentiert, mehr oder minder gelungen, ein Genre bedient, eine Zutat geschaffen, ein Verhörraum mit Aufzeichnung zum Begehen, eine Abwechslung zum sonstigen Geschehen.

Netflix hat Ähnliches schon für jüngere Generationen mit Enola Holmes (2020/22) und Murder Mystery (2019/23) und Co. geschaffen, hier steht die Fortsetzung noch aus, man muss die Abrufzahlen in der ersten Woche und die auf lange Dauer abwarten, als Kommerz natürlich gehalten, "alles startbereit" für weitere Abenteuer, es wird in die Initiative gegangen, eine Rekrutierung geschaffen, alle Fäden gezogen, die Menschen manipuliert, es wird geschauspielert überdeutlich, eine Beförderung und eine Versetzung, eine Familienproduktion, die Anspannung weggelassen, Spannung schaffen mit anderen Mitteln, mit Aktenforschung und externer Hilfe, manchmal wird man auch lauter im Ton und offensiver im Verhalten, das ist geschauspielert nur, für die Momentaufnahme, zum Überzeugen der anderen Personen, ein Bonus für den Club und sein Publikum. Etwas Ecken und Kanten und ein "echtes Druckmittel" täte dem Film zuweilen ganz gut, es ist ein bisschen wie ein ausgedehnter Pilotfilm gehalten, zwei längere Episoden zum Preis für einen, erst wird die Motivation gesucht, Geld natürlich, wie auch oft sonst. Informationen werden ausgetauscht, geteilt, eingeholt, gefeilscht, im Teamwork, im Gesamtprozedere, eine Kaffee-Wallnuss-Torte als filmisches Konstrukt, etwas mächtig im Geschmack, recht kalorienhaltig und auch mit etwas Alkohol gehalten, zum Runterspülen und zum Benebeln, es ist sowieso beschauliches Samstagnachmittagsprogramm, das Wetter draußen am besten grau und feucht und neblig.

Die Befragungen und die Verdächtigungen beunruhigen einige Personen, der Zuschauer schaut das eher nebenbei, jetzt, wo der aktuelle Fall den alten vorherigen verdrängt, manchmal wird der auch der berüchtigte Algorithmus erwähnt, der Algorithmus des Streamingdienstes, der den davon 'Abhängigen' genau das zeigt und liefert, was er sehen mag und sehen will; genauso wird hier vorgegangen, mittig etwas auf FSK 12 Grusel gegangen, auf dem alten Friedhof abgehangen. Solidarität mit den Leuten aus dem dritten Frühling ist angesagt, ein Protest veranschlagt, ein erster Spatenstich von Rechts wegen, der Subplot, der sich nebenfüllend durch den Film (und den 480 Seiten Schmöker) trägt und auch etwas Muskelkraft und altmodische, mütterliche Verführungskunst (plus einen zweiten Mord) an den Tage des Rätselkrimis legt. Von den Darstellern wird zwischenzeitlich Frau Mirren (nicht nur aufgrund ihres Ehegatten, des Vorlebens und der Polizeikontakte) eindeutig in den Mittelpunkt gerückt, als ehemalige MI6 Spionin einzige Professionelle im Team auch, die Männer links und rechts an ihrer Seite, viel auf Alleingängen, manchmal mit Herzklopfen, bei mitternächtlichen Spaziergängen, Macht der Gewohnheit, "Noch ein Tropfen?"









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