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Vahid arbeitet in einer Werkstatt. Als eines Nachts ein Familienvater mit einer Autopanne bei ihm Halt macht, glaubt er, in ihm seinen ehemaligen Peiniger Eghbal (Spitzname: „One-Leg“) zu erkennen, der ihn als politischen Häftling in einem iranischen Gefängnis misshandelte. Kurzerhand stellt er dem Mann nach, entführt ihn und will ihn gerade lebendig begraben, als ihm doch Zweifel kommen. Also beschließt er, Leidensgenossen aus seiner Zeit im Gefängnis zu suchen, um den Mann eindeutig zu identifizieren. 

Das Setup ist das eines ebenso unangenehmen wie brandaktuellen Politthrillers, doch Autor/Regisseur Jafar Panahi legt den Film auch als Farce an. Die Gesellschaft, die der verzweifelte Vahid nach und nach einsammelt, ist sich nicht einig und untereinander nicht grün, statt Klarheit kommt es zu weiteren Komplikationen und natürlich kommt Vahid auch an persönliche Grenzen: Ist die Gewaltanwendung gerechtfertigt, wenn sie vom Opfer ausgeht? Gibt es dann noch einen Unterschied zum Täter? 

Ein cleverer Trick des Regisseurs ist, dass er uns die ersten Minuten des Films mit Eghbal (der Name steht für Wohlstand und Erfolg), seiner Frau und seiner kleinen Tochter auf ihrer nächtlichen Autofahrt verbringen lässt. So manipuliert Jafar Panahi geschickt unsere Sympathien. 

Die eigentliche Kernfrage eines Thrillers – ist er es oder ist er es nicht? – dient zwar als Aufhänger des Films, gerät jedoch zunehmend in den Hintergrund und wird auch bis zum creepy Ende offengelassen. Fazit: Eine spannende Geschichte, wenn auch weniger unter Genre-Gesichtspunkten.

6.5/10

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