Review

Rache wird am besten falsch serviert

Mein diesjähriger Film am Oscarvorabend. Auf MUBI. „Ein einfacher Unfall“ aka „It Was Just An Accident“ aus dem Iran und nominiert für den besten ausländischen Film. Über einen tödlichen „Unfall“, der einen nahezu ununterbrechbaren Kreislauf von Rache, Verwechslungen und Gewalt nach sich zieht, der natürlich für weit mehr als nur die eigentliche Handlung gelten soll…

Vergebung ist die schwerste Tugend

„Ein einfacher Unfall“ ist durchzogen von Wut. Unterschwellig, unaufhörlich, unberechenbar. Brodelnd, brütend, brutal. Eine Spirale der schädlichen Gefühle. Und dann irgendwann auch Taten. Düster wie viele menschliche Seelen. Hoffnungslos wie viele menschliche Konflikte. Kleine wie große. Zwischen Nachbarn wie Staaten. Und selbstredend am ehesten auf den Iran selbst oder andere Brennpunkte im nahen Osten übertragbar. „Ein einfacher Unfall“ ist klein, gemein und ziemlich fein. Sensibel und sachlich. Voller kleiner Gesten und Details, die im Endeffekt entscheiden. Und den konzentrierten Zuschauer besonders faszinieren und fesseln. Das iranische Setting besitzt besondere Brisanz und aus unserer westlichen Sicht hat das filmisch noch immer Exotenbonus. Moralisch ein Dilemma und Dampfhammer. Sehr echt. Sehr schwer. Und man spürt sofort, dass das hier Weltkino von Exzellenz und Wichtigkeit ist. Und von leiser Wuchtigkeit. Mit letzten Szenen für die Ewigkeit. Und vielen, vielen Schatten… Realen wie seelischen. 

Fazit: Das (vor allem metaphorische) Thema ist zeitlos und top. Die Darsteller spielen intensiv. Die Umsetzung allerdings ist für mich „nur“ gut. Etwas trocken und bieder. Trotzdem zweifellos einer der sehenswerteren internationalen Filme des Jahres. Vor allem im Finnish bockstark. Nur insgesamt keinen atemlosen Thriller erwarten oder eine eiskalte Rachestory. „Ein einfacher Plan“ ist viel realer und erschreckender. Kann er zumindest sein, wenn er seine Wirkung entfalten darf. 

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