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Vielfilmer Luca Guadagnino wandert weiter durch die cineastische Landschaft und gibt beim aktuellen Projekt den Woody Allen. Sein Drehbuchautor nimmt das als Freigabe für einen selbstherrlichen Rausch. Ein geschwätziger Film, ein geschwätziger Hauptdarsteller, beides aber ohne viel sagen. Et Voila, Andrew Garfield. Dabei ist das Thema interessant, zeitlos und noch mehr zeitaktuell. Damit meine ich nicht den augenscheinlichen Aspekt des Kulturkampfes, sondern die eigentliche Fragestellung nach moralischen Konflikten im Umgang mit moralischen Konflikten. Ein Hauch von negativer öffentlicher Darstellung einer Person, falsch oder richtig, kann deren Leben völlig aus der Bahn werfen. Das betrifft auch alle Zuschauer, denn jede vermeintliche Mikro-Existenz besitzt schließlich in ihrem Mikro-Kosmos einen Hauch von Prominenz und damit potenzielle Zielscheiben-Qualität.  Wir alle sind in ständigen Ränken von Kräften, die berühmten Schachfiguren. Warum die gestanden Persönlichkeiten im Film sich näher mit solchen Gen-Z-Psychopaten einlassen bleibt fraglich, aber eigentlich auch nicht. Alles menschlich, selbst die belesenste Person verharrt partiell im Status des Narren, jeder Erwachsene im Grunde ein Kind. In "After The Hunt" duellieren sich Freundschaft und Karriere, Liebe und Leidenschaft, leider auffällig emotionslos, unspannend und kraftlos inszeniert. Ein belangloses Ergebnis, bei diesem Regisseur und verbundenen Erwartungen eine große Enttäuschung, was nochmal einen Minuspunkt gibt. 

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