Review

Gesamtbesprechung

Bereits sechs Jahre bevor das US-amerikanische Komödien-Trio aus Jim Abrahams, David Zucker und Jerry Zucker mit „Die nackte Kanone“ einen seiner größten, zu einer Trilogie ausgebauten Erfolge feierte, schlüpfte Leslie Nielsen („Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“) für die Serie „Police Squad!“ (später in Deutschland als „Die nackte Pistole“ ausgestrahlt) erstmals in die Rolle des Polizisten Frank Drebin. Die US-Krimiserien der 1970er- und ‘80er-Jahre persiflierende Comedy-Serie umfasste lediglich sechs Folgen und floppte im US-Fernsehen, da das Konzept für ein TV-Publikum offenbar nicht funktionierte. Als direktes Vorbild für die Musik des Vorspanns und die Figur Frank Drebin diente die (mir unbekannte) Serie „Dezernat M“.

Sechsmal ca. 25 Minuten lang beschäftigen sich Captain Ed Hocken (Alan North, „… und Gerechtigkeit für alle“) und, mit wechselnden Dienstgraden, Frank Drebin mit der Lösung kapitaler Verbrechensfälle und der Überführung der jeweiligen Täter. Dabei werden klassische Krimi-Topoi und -Klischees durch den Kakao gezogen und allen mit dem typischen ZAZ-Humor einhergehenden Absurditäten zum Trotz richtige, sogar halbwegs spannende Geschichten erzählt. Dennoch überwiegen selbstredend den betont seriösen Duktus Drebins & Co. konterkarierende humoristische Einlagen, die sich aus die Erwartungshaltung an Krimihandlungen unterlaufendem Nonsens, Slapstick, Sprachwitz und Situationskomik zusammensetzen.

Eine große Rolle spielen dabei Running Gags wie der um den allwissenden Schuhputzer Johnny (William Duell, „Einer flog über das Kuckucksnest“), bei dem sich längst nicht nur Frank gegen ein kleines Entgelt Informationen einholt, Franks ständige Karambolagen seines Fahrzeugs mit Mülltonnen, die Entgegnungen „Ja, ich weiß“ oder „Ja, das ist eine“, wenn Frank jemandem eine Zigarette anbietet, oder Polizeimitarbeiter Al (Ronald „Tiny Ron“ Taylor, „Rocketeer“), der mit seinen über zwei Metern Körpergröße stets derart aus dem Bild herausragt, dass sein Gesicht nie zu sehen ist. Fahren Frank und Ed mit dem Fahrstuhl, geht die Tür an Stockwerken auf, in denen sich für einen Hochhauskomplex Ungewöhnliches abspielt. Und sucht Frank Ted Olson (Ed Williams, „Vater der Braut“) aus der wissenschaftlichen Abteilung auf, unterrichtet dieser stets gerade ein Kind in abenteuerlichen Experimenten, die besser nicht durchgeführt werden sollten (auch wenn es manchmal schon zu spät ist). Jeder Epilog endet mit einem Freeze Frame, wie es damals in den parodierten Vorbildern üblich war – mit dem Unterschied, dass dieser nicht für alle Figuren gilt… All diese wiederkehrenden Elemente parodieren köstlich das Gesetz der Serie.

Frank, der auch als Off-Erzähler fungiert, führt seine szenenverbindenden Autofahrten stets vor recht deutlich als solche erkennbaren Rückprojektionen durch. Die Rollen Detective Nordbergs (hier „Norberg“) und Captain Ed Hockens wurden in „Die nackte Kanone“ mit George Kennedy und O.J. Simpson neu besetzt, Ed Williams jedoch fungierte auch im Kinofilm als Ted Olson. Ein paar bereits hier verwendete Gags wurden in „Die nackte Kanone“ übernommen. Diese von verschiedenen Regisseuren (neben ZAZ u.a. Joe Dante) inszenierte Serie fiel noch nicht ganz so memorabel wie der Kinofilm aus, verfolgt aber bereits ein sehr ähnliches Konzept.

Leider endet sie bereits, wenn man sich gerade so richtig auf sie eingegroovt hat. Dafür lädt sie zum wiederholten Anschauen ein, um alle Gags zu erfassen. Diese sind, ZAZ-üblich, kaum tiefgründig und auch noch nicht so derb oder provokant wie in manch Kinofilm-Produktion, aber daran dürfte der Misserfolg kaum gelegen haben. Ein dem wahren Grund vermutlich nahekommender Erklärungsversuch ist der einerseits trockene, im Gegensatz zu anderen US-Comedy-Serien ohne Lacher aus der Konserve oder überzeichnet komödiantisch agierende Darsteller(innen) auskommende und andererseits detailverliebte Humor. Man muss aktiv zuschauen und die sich häufig im Hintergrund abspielenden Gags selbst entdecken; als nebenherlaufende Berieselung ist „Police Squad!“ ungeeignet. Als Persiflage auf die US-Krimiserien und insbesondere deren Ernsthaftigkeit aber funktioniert die Serie gut, wenngleich nicht jeder Gag sitzt und manch Alberei etwas infantil erscheint – und macht sogar Lust, sich die auf die Schippe genommenen Originale mal wieder anzuschauen.

Details
Ähnliche Filme