Review

Hätte eigentlich ein kleines Serienhighlight werden können. Apple als Geldgeber, versierte Regisseure, Dennis Lehane als Stoffentwickler und schliesslich ein starker Cast. Aber das Ergebnis enttäuscht dann doch etwas. Auch Backdraft-Fans werden enttäuscht sein, denn die Flammen lodern hier doch auf kleinerer Flamme. Fand ich persönlich jetzt besser, da näher an der Realität, aber große Feuer-Action darf man hier nicht erwarten.

Was an der Serie stört, ist dass das Skript etwas konfus wirkt und man nicht so ganz weiss, wo der Fokus liegt. Das ändert sich im letzten Seriendrittel und erst dann wird aus einem Drama ein sehenswerter Thriller. Doch gerade in den ersten Folgen muss man schon recht viel Sitzfleisch mitbringen.

Was wirklich gut ist, ist der Cast. Darstellerisch ist das wirklich superb, allen voran Taron Edgerton in einer ungewohnten Rolle. Denn am Anfang trügt der Schein, denn Edgertons Figur als Held der Geschichte ist ein Trugschluss. Die Heldenrolle fällt dann eher Jurnee Smollett zu, aber auch deren Charakter hat Dreck am Stecken.

Aber der Reihe nach:

In einer amerikanischen Stadt wird dem örtlichen Brandermittler der Feuerwehr, Dave Gudsen (Edgerton), ein weiblicher Detective der Polizei zugeteilt, um endlich zwei verschiedene Serien-Brandstifter zu entlarven.

Der eine Brandstifter hat ein Faible für das Legen kleinerer Brände, vor allem in Supermärkten. Gudsen ist ihm schon lange auf der Spur, hat seine Masche identifiziert (Zigarette mit Streichhölzern), aber noch nicht den Täter.

Der zweite Brandstifter zündet mittels Benzinkanister ganze Häuser an und tötet damit ganze Familien. Hier scheint das Töten im Vordergrund zu stehen.

Gudsen ist ein richtiges Alphatier: Jung, gutaussehend, eingebildet, angeberisch und sehr von sich überzeugt. Detective Michelle Calderone hingegen hat gerade eine Affäre mit ihrem Captain beendet, war früher bei der Army, ist unglaublich tough, sonst eher der ruhige Typ, aber trägt ein Kindheitstrauma mit sich, was auch mit Feuer zu tun hatte.

Zunächst geraten einige Feuerwehrleute ins Visier der Ermittlungen, der Hauptverdächtige entpuppt sich am Ende als Waffenfreak und potentieller Terrorist, aber nicht als Brandstifter. In Detective Calderone regt sich der Verdacht, dass Gudsen der Supermarkt-Brandstifter selbst sein könnte.

Parallel zum Ermittlerteam wird der Looser Freddy gezeigt, wie er versucht aus seinem trostlosen Leben auszubrechen und aus Frustration und Neid auf das Glück Anderer Brände legt. Er ist der zweite Brandstifter und kann im Verlauf der Serie von Gudsen ermittelt und verhaftet werden. Durch diese Heldentat steigt Gudsens Ansehen enorm, was es einer geheimen Taskforce unheimlich schwer macht, gegen ihn Beweise zu sammeln. Zu dieser Taskforce gehören sein Vorgesetzter, Detective Calderone, ein pensionierter Cop der auch schon gegen Gudsen einen Verdacht hatte, eine ATF-Agentin und schliesslich Calderones Captain, der versucht, seiner Liebe wieder näherzukommen.

Inzwischen hat Gudsen von der Ermittlung gegen ihn Wind bekommen. Als Calderone im Affekt ihren Ex-Liebhaber tötet, lenkt sie den Verdacht auf Gudsen, was diesen dann zu einer Endabrechnung inmitten eines Großfeueres veranlasst.

Am Ende wird Gudsen verhaftet, Calderone kommt zunächst davon. Im Verlauf des Verhörs erkennt Gudsen, dass er doch kein Held ist und vieles, was er sich selbst vorgemacht hat, gar nicht den Tatsachen entspricht. Hier dendet dann die Serie und lässt natürlich Raum für eine Fortsetzung. Aber im Grunde ist alles erzählt und der eitle Psychopath Gudsen demaskiert.

Am Serienende fällt dann auch auf, dass nicht nur Gudsens Figur psychopathische Züge hatte. Auch viele andere Charaktere waren in ihren Beziehungsmustern schon etwas gestört. Calderone arbeitet eng an der Grenze des Erlaubten, am Ende tötet sie ihren Ex und lässt eiskalt Beweise verschwinden oder fingiert Neue. Ihr Ex war nun aber auch kein Unschuldslamm, versuchte er doch immer wieder, seinen Vorgesetzten-Status für Sex zu missbrauchen. Gudsens Chef wirkt ein wenig trottelig, hat aber in großen Mengen Gelder Veruntreut. Der Ex-Cop ist ein großmäuliger Prolet mit völlig verqueerem Frauenbild und auch die ATF-Agentin, die kühl über allem steht, strotzt nur so vor männlichen Testosteron-Klischees.

Wirklich interessant ist die Figur des Mörders Freddy, die in der ersten Serienhälfte ausführlich portraitiert wird, dann aber sang und klanglos mit einem Suizid endet. Irgendwie ändert sich ab da auch die Tonalität der Geschichte. Vorher noch sehr gefühlvoll und behutsam, dann auf einmal mehr auf Spannung setzend und am Ende noch unglaubhafte Actionsequenz inmitten eines Brandinfernos.

Am Ende bleibt man etwas ratlos zurück. Wirkte alles etwas uneinheitlich, stark überzeichnete Figuren und gegen Ende hin große Klischees und zunehmende Unglaubwürdigkeit. Unrunde Sache! 

Kleines darstellerisches Extralob für Taron Edgerton, der völlig glaubhaft einen grundsympathischen Kerl spielt, der aber in Wahrheit ein gefährlicher Psycho ist und das superglaubhaft rüberbringt. Und ganz grosses Extralob für Ntare Guma Mbaho Mwine, der Emmy-Preisverdächtig den innerlich zerrissenen Brandstifter Freddy spielt. Weltklasse Leistung!

Man sieht, in dieser Serie gibt es viel Licht und Schatten. Es gibt einige interessante Aspekte und gutes Schauspiel, aber auch einen etwas seltsamen Storyverlauf, der zunehmend unglaubwürdig wird. Oberer Durchschnitt.


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