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True Crime scheint bereits seit geraumer Zeit eine Faszination auf Menschen auszuüben. Es gibt schier unzählige Podcasts und nicht wenige Krimis, die auf wahren Begebenheiten beruhen oder zumindest von ihnen inspiriert sind. Von daher wundert es nicht, dass der spanische Beitrag binnen kurzer Zeit an die Spitze der Streaming-Charts kletterte.

Eva (Carmen Machi) und ihr Ermittlerteam haben einen neuen Fall: In einer Tiefgarage wurde die Leiche eines 36jährigen Mannes gefunden, der offenbar erstochen wurde. Schnell gerät Maje (Ivana Baquero), die Witwe des Ermordeten ins Visier der Fahnder…

Regisseur Carlos Sedes dröselt den Fall aus drei verschiedenen Perspektiven auf, indem er sich zunächst auf die Perspektive der Ermittlerin fokussiert, welche neben privaten Problemen auch noch den Tod eines nahe stehenden Kollegen verkraften muss. Dieser Part funktioniert ganz solide, da das Publikum zunächst nicht allzu viele Fakten in der Hand hat und der eigentliche Mord nie zu sehen ist. Zudem weiß die erfahrene Schauspielerin Machi mit ihrer Präsenz alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

In der zweiten Phase, welche die Umstände der Titelgebenden durchleuchtet, verwässert die Chose zusehends. Der Titel lässt bereits vermuten, dass die attraktive junge Witwe in irgendeiner Form in den Fall verwickelt sein muss und dass ihre vermeintlichen Verführungskünste und das Geschick zur Manipulation hierbei eine Rolle spielen. Doch anstatt zumindest in Ansätzen auf raffiniert in Szene gesetzte Erotik zu setzen, wird vieles nur angedeutet und da es eine Reihe verstrickter Nebenfiguren gibt, werden einige Relationen nur schwammig herausgearbeitet.

Die letzte Phase lässt bereits keine Fragen mehr offen, als der Fall so langsam zur Aufklärung kommt und bereits 40 Minuten vorm Ende der oder die Täter feststehen. Besonders hier zieht sich die Angelegenheit unnötig, im Vergleich zum Einstieg gibt es nichts zum Miträtseln und selbst die erhofften Kniffe oder doppelten Böden bleiben komplett aus. Da macht sich die üppige Laufzeit von 122 Minuten auch mal leicht negativ bemerkbar.

Inszenatorisch gibt es keine Besonderheiten, die sich vom konventionellen TV-Niveau abheben, darstellerisch kristallisiert sich nur die erwähnte Top-Leistung heraus und wer spannendes Tüfteln erwartet, dürfte spätestens zur Halbzeit ein wenig ernüchtert sein.
Wenn selbst die Ermittlungsarbeit hauptsächlich aus dem Abhören von Telefonaten besteht, mangelt es zudem an der notwendigen Dynamik, was letztlich fast schon zu einem enttäuschenden Gesamteindruck führt. 
5 von 10 



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