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Mit A Tale of 4 Seasons legt Timur Güler seinen Debütkurzfilm unter seinem bürgerlichen Namen vor und konnte dafür mit Günther Brandl und Melody Bayer zwei alte Weggefährten gewinnen, mit denen er bereits zu Zeiten von Brandl Pictures zusammenarbeitete. Diese kreative Vertrautheit merkt man dem Film in technischer Hinsicht durchaus an – leider jedoch kaum auf erzählerischer Ebene.

Optisch und musikalisch ist der Film ohne Zweifel gelungen. Die Bildsprache ist durchdacht, stimmungsvoll und oft beeindruckend komponiert. Kamera, Licht und Musik greifen harmonisch ineinander und erzeugen eine ästhetische Dichte, die man bei einem Debüt durchaus anerkennen muss. Hier zeigt sich klar: Güler besitzt ein ausgeprägtes Gespür für starke Bilder und atmosphärische Momente.

Inhaltlich hingegen scheitert der Film nahezu vollständig. Die über vier Jahreszeiten erzählte Liebesgeschichte zweier unterschiedlicher Menschen wirkt abgenutzt und überraschend einfallslos. Was als poetische Reise gedacht ist, entpuppt sich schnell als Geduldsprobe – sowohl in der regulären Fassung von knapp 30 Minuten als auch im erweiterten Cut mit rund 40 Minuten Laufzeit. Die Erzählung bietet nichts, was man nicht schon deutlich besser, stringenter und emotionaler gesehen hätte.

Besonders der Herbst, der als dramatischer Wendepunkt fungieren soll, enttäuscht. Die plötzlich eskalierende Gewalt wirkt aufgesetzt, fast willkürlich, und steht in keinem organischen Verhältnis zum zuvor aufgebauten Ton. Statt zu schockieren oder zu berühren, reißt sie den Zuschauer eher aus dem Film heraus. Erschwerend kommt hinzu, dass A TALE OF 4 SEASONS komplett auf Dialoge verzichtet – eine mutige Entscheidung, die hier jedoch mehr schadet als nutzt, da sie die ohnehin schwache Figurenzeichnung weiter ausdünnt.

Unbedingt bis nach dem Abspann warten, denn der Epilog sorgt zumindest für einen interessanten Twist.

Unterm Strich bleibt ein Film, der visuell überzeugt, erzählerisch jedoch kaum trägt. Timur Güler beweist Talent für Ästhetik und Atmosphäre, lässt aber beim Storytelling jegliche Konsequenz und Originalität vermissen. Für ein Debüt respektabel gefilmt, inhaltlich jedoch enttäuschend – mehr als 3 von 10 Punkten sind daher leider nicht drin.

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