Review

„If you can‘t beat them – be them“

Joan Huang, Tochter chinesischer Einwanderer, himmelt seit ihrer Kindheit alles Amerikanische an. Ihr größter Traum ist es, eines Tages zur Prom Queen gewählt zu werden. Die einzige Hürde scheinen ihre Gene und ihr Aussehen zu sein. Als häufige Userin des „Ethnos“ Instagram-Filters für ein kaukasischeres Erscheinungsbild werden ihr per Pushnachricht bald attraktive Angebote gemacht, die ihr Leben und das ihrer Familie maßgeblich verändern werden. 

Der Film von Amy Wang (THE BROTHERS SUN) ist zusammen mit THE SUBSTANCE (2024) und THE UGLY STEPSISTER (2025) Teil einer schönen inoffiziellen Trilogie um Jugend- und Schönheitswahn sowie dem innigen Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit. Und diese hängen bei Frauen leider noch immer hauptsächlich an Äußerlichkeiten. Hier kommt zusätzlich noch die rassistische Komponente hinzu: SLANTED, das bedeutet „schräggestellt“, „slanted eyes“ sind sozusagen „Schlitzaugen“ und mit dieser Grimasse wird Joan dann auch gleich an ihrem ersten Schultag begrüßt. Der permanente Alltagsrassismus wird in diesem Film glaubhaft und schmerzhaft spürbar gemacht.

Am besten ist SLANTED immer in den Szenen und Figuren, die er gar nicht groß satirisch überspitzt, sondern nur ausstellt. Beispielsweise die reiche „white saviour“ Mom in ihren ON-Schuhen mit der an orientalischen Devotionalien und afrikanischer Kunst nicht gerade armen Wohnungseinrichtung. Auch das Musikvideo „It‘s good to be white“, das während Joans OP-Pause läuft, muss man nach dem Film gleich googeln, durchaus denkbar, dass es das wirklich gibt. 

Die Besetzung ist fabelhaft, erfreulich das Wiedersehen mit Maitreyi Ramakrishnan aus NEVER HAVE I EVER als Joans BFF und mit Mckenna Grace, dem coolen „kleinen Mädchen“ aus dem GHOSTBUSTERS Reboot. 

Dass SLANTED mit geringem Budget realisiert wurde, sieht man vor allem an den Makeup-Effekten. Einen echten Bodyhorror sollte man nicht erwarten, lediglich Closeups einer Haartransplantation tun etwas weh, aber man sieht Schlimmeres auf dem Monitoren im Transferbus vom Flughafen nach Istanbul. 

Doch darüber ließe sich hinwegsehen. Problematisch sind ganz andere Aspekte: Die Hauptfigur, mit der wir eigentlich mitfühlen sollen, ist leider nicht besonders sympathisch. Sie belügt ihre Eltern, verrät ihre Freunde und will den falschen Leuten gefallen. So bleibt einem im Verlauf und auch am Ende des Films statt eines OMG! vielfach nur ein „tja, das kommt davon“. 

Eine weitere Hürde ist die grundsätzliche Glaubwürdigkeit. In der hochstilisierten Fantasiewelt der Showbusinesssatire THE SUBSTANCE nimmt man die nicht näher erklärte Logistik des Substanzanbieters einfach fraglos hin. In diesem Film, der viel Mühe darauf verwendet, seine Figuren und ihre Umgebung sehr real zu zeichnen und in dem die prekäre Situation von Joans Familie eine essenzielle Rolle spielt, sieht das schon anders aus. Da hilft auch die wenig glaubhafte Randbemerkung des „Chefarztes“, es ginge ihnen nicht um „money“ sondern um „equality“. Joan hätte nicht mal das Geld für eine teure Gesichtscreme.

Zudem bietet der Film im Bereich der Highschool-Satire wenig Neues, was man nicht bei Klassikern wie HEATHERS, MEAN GIRLS oder einem der erklärten Vorbilder DROP DEAD GORGEOUS schon bissiger gesehen hätte. SLANTED ist aufgrund seiner Botschaft, seiner Schauspielerinnen (ja, Männer spielen hier tatsächlich kaum eine Rolle) und seines Unterhaltungswerts auf jeden Fall sehenswert, der Impact der anderen beiden Werke dieser unbeabsichtigten "Trilogie" ist jedoch deutlich stärker.

6.5/10

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