Amerikas Identitätskrise
„Slanted“ erzählt als bissige, abwechslungsreiche und erstaunlich emotionale Schönheitssatire mit Bodyhorrormomenten von einem chinesischen Mädchen, das seit zehn Jahren mit ihren Eltern in den USA lebt und immer noch unter ihrem Aussehen, ihrer Herkunft, ihrem Erscheinungsbild leidet. In den USA scheint man es jeher am bequemsten und einfachsten zu haben, wenn man weiß ist. Manche Dinge ändern sich nie. Doch was wäre, wenn eine neue Technik dir ermöglichen könnte, genau so auszusehen, wie es die Gesellschaft scheinbar am liebsten hat?!
Not so „Clueless“
Ein bisschen Highschoolsatire, ein bisschen Familiendrama, ein bisschen Charakterstudie, ein bisschen (viel) Gesellschaftskritik, ein bisschen Bodyhorror. All das (und mehr!) bringt „Slanted“ sehr unterhaltsam unter einen Hut. Die fleischig-verformten Ekeleffekte sind jetzt vielleicht nicht top notch. Auch gar nicht wirklich Dreh- und Angelpunkt. Zudem bleibt mir das Ende etwas sehr offen. Und um einige seiner Subgenres miteinander zu vermixen kommt auch ein „Slanted“ nicht um manch ein Klischee, manch eine Moralkeule, manch einen cheesy Moment herum. Und trotzdem schmeckt der Cocktail insgesamt vorzüglich und geht unterhaltungstechnisch runter wie Öl. Die Hauptfigur ist sympathisch ohne fehlerfrei zu sein, egal ob sie weiss oder chinesisch ist. Einige Witze (besonderes ein Musikvideo in der Mitte des Films!) haben ideales komödiantisches Timing und Gespür, meist auch Biss und Tiefe. Doch lacht man im einen Moment noch lauthals, bleibt einem dies kurz danach eventuell im Hals stecken - nur damit danach wiederum direkt vielleicht sogar ein Tränchen die Wange hinunterkullert. Wow! Und gerade diese Abwechslung und tonale (nicht geschichtliche!) Unberechenbarkeit ist das größte Ass im Ärmel hier. „Slanted“ hat mich berührt, verzückt, erquickt und zum Nachdenken angeregt. Und das ist eine Leistung um drei Ecken von hinten durch die Brust ins Herz. Das muss man erstmal machen!
Fazit: nicht sehr subtil, aber erstaunlich emotional und abwechslungsreich. „Slanted“ macht Spaß, stimmt nachdenklich, hat heitere wie herzliche Momente und vereint effektiv Bodyhorror mit Gesellschaftskritik. „Carrie“ meets „The Substance“ mit einem Schuss „Get Out“. Jedoch noch mehr als solch ein ohnehin schon potenter Cocktail, mehr als ein Kalenderspruch, mehr als die Summe seiner Teile!