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Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast

Neuauflage des Teenie-Slasher-Hits von 1997, die ähnliche Stärken und Schwächen wie das Vorbild aufweist und ebenfalls besser ist als sein Ruf. Nicht ganz die Frischzellenkur wie beim Reboot des Genre-Flaggschiffs „Scream“, aber auch dieses Schicksal teilt er mit dem Original. 

Baden, Grillen, Eis essen, auf Open-Air-Konzerte gehen. Die meisten werden mindestens eines dieser Dinge im Sommer tun. Die fünf Freunde Danica, Ava, Teddy, Milo und Stevie sind da sicher keine Ausnahme, aber zumindest letzten Sommer haben sie etwas getan, was nicht auf der üblichen Summer Bucket List steht: Sie vertuschten und verschwiegen ihre Schuld an einen Unfall mit Todesfolge. Und wie es im Leben häufig so ist, werden sie irgendwann von dieser düsteren Vergangenheit eingeholt und zur (blutigen) Kasse gebeten.

Wer jetzt von einem Déjà-vu-Moment heimgesucht wird, muss sich keineswegs vor Halluzinationen fürchten. Dieselbe Geschichte ereignete sich schon einmal anno 1997, an demselben Ort (Southport, North Carolina), in derselben Konstellation und unter exakt demselben, reißerischen Titel: „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“. Der Wahrheitsgehalt ist allerdings mindesten spekulativ, schließlich handelt es sich um einen Kinofilm aus dem seinerzeit ungemein angesagten Sub-Genre des „Teenie-Slashers“.

Im Kielwasser des Überraschungs-Blockbuster „Scream“ gehörte „I know, what you did last summer“ zu den beliebtesten und gelungensten Epigonen. Und so überrascht es kaum, dass auch er im Zeitalter des Retro- und Nostalgie-Fetischismus zu Reboot-Ehren gelangen würde, zumal die Hollywoodsche Recycling-Maschinerie mit den späten „Halloween“ und „Scream“-Sequels bestens geölt schien. Ein wenig mehr Risiko war bei der „Last Summer“-Neuauflage aber dann doch dabei, denn weder verfügte das Original über einen Kultkiller wie Michael Myers, noch konnte es mit einer so genialen wie unterhaltsamen Meta-DNA aufwarten. Der Game Changer, wie man neudeutsch so schön sagt, war der damalige Teenie-TV-Star Jennifer Love Hewitt, der es schaffte Jungs und Mädchen gleichermaßen zu begeistern, wen auch aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Love Hewitt spielt auch im neuen Film wieder mit, ebenso wie ihr Costar Freddie Prince jr., aber fast 30 Jahre später braucht es natürlich neue Gesichter, um die anvisierte Zielgruppe wieder vor die Leinwand zu locken. Immerhin hat man mit Madelyn Cline ("Outer Banks") und Chase Sui Wonders ("The Studio") wieder zwei angesagte TV-Sternchen gecastet, aber angesichts der veränderten und vor allem deutlich erweiterten Fernsehserien-Landschaft dürfte der Love-Hewitt-Effekt signifikant geringer ausfallen. Zum Ausgleich verhält es sich bei den Schock- und Gore-Effekten eher umgekehrt. Die 2025er Ausgabe kommt um einiges blutiger und drastischer daher, als das mehr auf atmosphärischen Grusel setzende Original. Slasher-Fans wird´s freuen, zumal das Reboot auch ansonsten kräftig in die Genre-Klischee-Kiste greift.

„I know hat you did last summer“ wird bestimmt keinen Innovations- oder Originalitäts-Award gewinnen, aber für durchgängige Spannung, ein paar deftige Schockmomente und fröhliches Mörder-Rätselraten ist gesorgt. Die fünf Protagonisten sind zwar nicht vielschichtig im eigentlichen Sinn, aber eben auch keine gesichtslosen Pappkameraden, denen man den Metzeltod fast schon wünscht. Vor allem Ava und Danica verkörpern recht zeitgemäße Schattierungen junger Erwachsener und sind auch nicht einfach nur sympathisch oder unsympathisch. Die Killerhatz selbst schlägt ein paar clevere und weniger clevere Haken und bewegt sich damit souverän auf bekanntem Slasher-Terrain. Die finale Auflösung werden einige kommen sehen, andere werden völlig überrumpelt sein und wieder andere werden sich an den Kopf langen. Für Gesprächsstoff ist also schon mal gesorgt, vor allem, aber nicht nur bei Kennern des Originals.

Kurzum, nachdem diesen Sommer die allermeisten Outdoor-Aktivitäten mehr feucht als fröhlich ausfallen, ist der Gang ins trockene Kino nicht die schlechteste Idee. Dort kann man sich dann in Ruhe anschauen, was mache Altersgenossen letzten Sommer so getan haben. Für die, dies sich schon vor 30 Jahren dafür interessiert haben, gibt es zudem ein Wiedersehen mit ein paar alten Bekannten. Um wirklich alle zu erwischen, ist auch der Abspann Pflicht, zumal als Belohnung auch noch der beste Popsong des starken Score wartet: "Summer Forever".


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